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Ostholsteiner Anzeiger

20. November 2017 | 18:31 Uhr

Nach fünf Tagen wieder auf den Beinen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

von
erstellt am 05.Jun.2015 | 12:35 Uhr

Der neunte Monat meines Freiwilligendienstes in Balanka ist angebrochen. Damit rückt auch der Zeitpunkt, an dem ich meinen neu gewonnen Heimatort verlassen muss, immer näher. Mir erscheint die noch verbleibende Zeit sehr kurz.

Einen großen Teil dieser Zeit werde ich bei meiner Arbeit in der Bibliothek verbringen. Mittlerweile haben mein Mitfreiwilliger Joscha und ich von unserem anfänglichen allabendlichen Club-Angebot zu einigen kürzeren, konzentrierteren Projekten gewechselt. So haben wir in den Ferien mit einer Gruppe von Schülern an einem Interview-Projekt gearbeitet, das zu der Erstellung von Porträts verschiedener Bürgerinnen und Bürger Balankas führte. Einen Teil der Ergebnisse habe ich in meinem letzten Bericht vorgestellt.

Zurzeit bereiten Joscha und ich ein Geschichts-Projekt vor, in dem wir gemeinsam mit Jugendlichen mehr zu der Geschichte Balankas herausfinden wollen. Es gibt zwar mehrere Ältere im Ort, die von der Gründung ihrer Stadtviertel bis zum heutigen Tag den geschichtlichen Verlauf kennen, doch bislang gibt es noch kein öffentliches Dokument, in dem die Geschichte Balankas festgehalten wäre.

Gemeinsam mit den Jugendlichen wollen wir dokumentieren, was sie im Gespräch mit den Alten herausfinden. Im Vordergrund steht dabei für uns auch, dass die Jugendlichen so aus sich herausgehen und auf andere Art als aus der Schule bekannt arbeiten.

Zusätzlich zu diesen Projekten geben wir außerdem weiterhin mehrmals wöchentlich Computerkurse. Aktuell gibt es einen Kurs zum „blinden“ Zehn-Finger-Tastschreibsystem und einen Einsteigerkurs zum Thema Textverarbeitung. Für die beiden Kurse gibt es festgelegte Zeiten. Zusätzlich dazu können Teilnehmer jederzeit in die Bibliothek kommen, um an den Laptops üben.

Demnächst werden wir auch einen Kurs mit dem Themengebiet „Internet“ anbieten. Ich finde es sehr motivierend, die Fortschritte der Teilnehmer zu sehen, die ich bei jeder Unterrichtsstunde sehe. Insgesamt bringt mir meine Arbeit viel Spaß, weil ich gemeinsam mit verschiedenen Menschen lernen und ihnen mein Wissen weitervermitteln kann.

Vor einigen Wochen musste ich allerdings eine Arbeitspause einlegen, da ich an Malaria erkrankte. Entgegen der durch deutsche Medien suggerierte Bilder ist diese Krankheit nicht zwangsläufig tödlich, sondern gut behandelbar, wenn man früh genug zum Arzt geht. Natürlich verläuft Malaria wie andere Krankheiten auch bei verschiedenen Menschen unterschiedlich. So ist zum Beispiel vor einigen Wochen ein Mitglied unserer Gastfamilie daran gestorben, sehr wahrscheinlich, weil er zu spät zum Arzt gegangen war und daher die Krankheit für eine erfolgreiche Behandlung schon zu weit fortgeschritten war. Mein Mitfreiwilliger Joscha hingegen entdeckte vor vier Monaten eher zufällig eine Malaria-Erkrankung, als er wegen einer anderen Beschwerde zur Krankenstation ging. Während des Behandlungszeitraumes war er kaum eingeschränkt.

Meine Malaria-Erkankung verlief folgendermaßen: Ich fühlte mich an einem Tag etwas schlapp. Nachdem das Fieberthermometer eine erhöhte Temperatur zeigte, machte ich mich zu der Krankenstation auf, wo der Arzt unter anderem eine Untersuchung meines Blutes auf Malaria-Parasiten anordnete. Ich ging also in das Zimmer des Laboranten gegenüber, der mir ein bisschen Blut abnahm und mich bat, am Nachmittag wiederzukommen.

Bei meiner Rückkehr stand fest: Es waren Malaria-Parasiten im Blut. Also wurden mir zwei Spritzen verordnet, eine am selben Tag und eine am folgenden. Die nächsten drei Tage nahm ich außerdem ein für alle kostenloses Medikament.

Insgesamt fühlte sich der Verlauf wie der einer schwereren Grippe an: Ich war schwach, hatte Fieber und nicht viel Appetit. Nach den fünf Tagen Behandlungszeit war ich wieder auf den Beinen.

So konnte ich nicht nur weiterarbeiten, sondern auch wieder meine Freizeit genießen. An den Wochenenden unternehme ich dabei sehr häufig etwas mit Sarafa und Hadirou. Sie sind zwei Freunde aus Balanka, die jedoch in einem Nachbarort zur Schule gehen und daher nur am Wochenende da sind. Unter der Woche gucke ich häufig bei Leyla und Taiba vorbei, zwei Schneiderinnen, mit denen ich mich gerne unterhalte.

Einen großen Teil meiner Zeit verbringe ich außerdem in der Familie von Sarafa. Seine Familie ist aus mehreren Mitgliedern zusammengesetzt: Zum einen gibt es den Vater mit seinen zwei Frauen, zum anderen wohnen eine junge Frau mit neugeborenem Kind sowie zwei etwa zehnjährige Mädchen und ein Junge in demselben Alter auf dem Hof. Sarafa selbst ist nur am Wochenende zu Hause, weil er unter der Woche in einem Nachbarort zur Schule geht.

Eigentlich gucke ich jeden Tag bei dieser Familie vorbei. Wenn die Kinder gerade anwesend und nicht im Haushalt beschäftigt sind, rechne oder lese ich häufig mit ihnen, helfe ihnen bei den Hausaufgaben oder albere einfach mit ihnen herum. Ich unterhalte mich auch sehr gerne mit der jungen Frau, Mansura.

Die Kommunikation mit Sarafas Vater und seinen Frauen ist immer ein bisschen lustig, da ich ihr Sprache, Anii, kaum beherrsche und sie kein Französisch sprechen. Aber irgendwie geht es doch immer: Manchmal läuft es über Gestik und Mimik oder wir unterhalten uns über die kurze Sätze, die wir in der jeweils anderen Sprache kennen.

Wenn junge Leute da sind, die Französisch sprechen, kommunizieren wir bisweilen auch mit ihnen als Übersetzern. Mir fällt dabei auf, dass es nicht wichtig ist, dieselbe Sprache zu sprechen, um sich zu verstehen und zu mögen. Ich verbringe unglaublich gerne Zeit in dieser Familie, weil ich dort sehr herzlich aufgenommen werde, und ich lerne viel von ihr – über Balanka, über Kommunikation, über Freundschaft.

Wahrscheinlich kann ich das über meinen ganzen Aufenthalt sagen: Ich lerne unglaublich viel, vor allem auf zwischenmenschlicher Ebene. Das vermag die Woche, die ich krank im Bett lag, nicht zu verschmälern. Denn Krankheiten sind mir auch in Eutin begegnet – meine neuen Bekanntschaften und Freunde aus Balanka hingegen nicht. Deswegen werde ich mein Bestes geben, die noch verbleibende Zeit mit ihnen zu nutzen.

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