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Nach einer Betrugsserie: Aus dem Knast gleich wieder in den Knast zurück

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

61-Jähriger machte aus gestohlener Ware im Discounter gleich wieder Geld

von
erstellt am 17.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Wegen gewerbsmäßigen Betruges ist ein 61-jähriger Angeklagter vom Schöffengericht Plön zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Freiheitsstrafe wurde für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der Angeklagte und sein Pflichtverteidiger nahmen das Urteil noch im Gerichtssaal an.

Der 61-Jährige wurde zur Verhandlung in Plön aus der Justizvollzugsanstalt Lübeck vorgeführt. Dort verbüßt er bereits seit Ende August eine Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten wegen Betruges in mehreren anderen Fällen.

Diesmal wurden vom Gericht insgesamt 22 Taten des gewerbsmäßigen Betruges angeklagt. Allerdings lagen die Taten schon drei Jahre zurück. Die Muster des Tatherganges waren alle gleich: Der 61-Jährige ging meistens in einen Aldi-Markt, nahm sich Jacken, Decken, Pullover oder Werkzeug, ging damit an die Kasse und wollte es dort umtauschen. Einen Kassenzettel konnte er in allen Fällen nicht vorlegen. Die Verkäuferinnen nahmen ihm den Sachverhalt ab und erstatteten dem Betrüger den Wert der Sachen – meistens zwischen 60 und 90 Euro. Das passierte in Discountern in Neustadt, Schleswig, Silberstedt, Kaltenkirchen, Hohenwestedt, Nortorf und Ascheberg.

Der Täter gestand die Taten, die er vor drei Jahren verübte: „An Einzelheiten kann ich mich allerdings nicht erinnern, das ist schon zu lange her.“ Er habe sich Teile aus den Regalen genommen, sei damit an die Kasse gegangen und habe es ohne Beleg umtauschen wollen. Das funktionierte in vielen Discount-Märkten offenbar sehr gut. Er sei mit dem Auto seiner damaligen Lebensgefährtin durch das Land gefahren, um sich als selbstständiger Reitlehrer und Pferdeausbilder Arbeit zu suchen und finanziell über Wasser zu halten. Das habe aber nicht funktioniert.

In einigen Fällen wurde der heute 61-Jährige erwischt und polizeilich zur Anzeige gebracht. Er gab an, über den Tod seines Sohnes, der 1979 in einem Gartenteich ertrunken sei, nicht hinweg zu kommen. „Ich fühle mich immer noch für den Tod meines Sohnes verantwortlich“, versuchte er dem Gericht plausibel zu machen, warum er etwa zehn Jahre später mit seinen Gaunereien begann.

Davon gab der Auszug aus dem Bundeszentralregister redlich Auskunft: Seit 1988 sind dort 19 Eintragungen verzeichnet. Meistens wegen Betruges. Aktuell sitzt der heute 61-jährige Hartz-IV-Empfänger mal wieder ein – wie schon so oft zuvor. Diesmal sitzt der seit August für ein Jahr und zwei Monate hinter „schwedischen Gardinen“ in der JVA Lübeck – wieder wegen Betruges. Aber jetzt wolle er einen Schlussstrich unter die kriminelle Episode seines Lebens ziehen und nach dem Knast-Aufenthalt wieder als Reitlehrer arbeiten. Aber bis dahin scheint es noch ein paar Jahre zu dauern.

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