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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 13:58 Uhr

Eutin : Nabu fordert einen besseren Wald

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Vorschläge der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten zur Naturwald-Ausweisung bekommen vom Nabu Eutin die Note „mangelhaft“

von
erstellt am 15.Aug.2014 | 04:30 Uhr

Das ambitionierte Ziel der Landesregierung, zehn Prozent der landeseigenen Wälder zu Naturwäldern zu erklären und vollständig aus der forstwirtschaftlichen Nutzung herauszunehmen, droht nach Auffassung des Naturschutzbundes (Nabu) deutlich verfehlt zu werden. Der Eutiner Nabu-Vorsitzende Oscar Klose klagte, dass die von der Anstalt Schleswig-Holsteinische Landesforsten (SHLF) hierfür vorgesehenen Waldflächen in erheblichem Umfang den ökologischen Kriterien für eine Naturwald-Ausweisung nicht entsprechen.

Vielmehr, so vermutet Klose, wolle die SHLF gerade die auch wirtschaftlich besonders interessanten Altholzbestände offenbar wie bisher ungehindert weiternutzen. In der Folge seien viele Vorschläge von Naturschutz- und Waldexperten, unter anderem des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume vom SHLF nicht übernommen worden. Klose: „Ökologisch hochwertige Bestände sind in der Vorschlagsliste stark unterrepräsentiert.“

Klose zeigte sich von der Vorschlagsliste der SHLF enttäuscht. „Nach einer groben Analyse der vorgeschlagenen Bestände im Kreis Ostholstein stellte er fest, dass ökologisch hochwertige Waldflächen nur in äußerst geringem Umfang in der Naturwald-Kulisse enthalten seien: „Rund die Hälfte der Gebiete erfüllt wichtige ökologische Kriterien wie hohes Baumbestandsalter, naturgemäße Baumartenzusammensetzung und Strukturreichtum nicht oder nur ansatzweise.“

Ein erheblicher Anteil der Vorschläge sei naturschutzfachlich wie auch wirtschaftlich von geringem Wert. Die Liste enthalte zum Beispiel rund 15 bis 20 Jahre alte Aufforstungsflächen, wie im Forstrevier Dodau, Erlen- und Pappel-Pflanzungen auf degenerierten Niedermoorböden oder sehr junge strukturarme Bestände. „Unsere Waldökosysteme weisen ein erhebliches Defizit an alt- und totholzreichen Buchen- und Eichen-Beständen auf“, sagte Klose. Für die Förderung der Artenvielfalt im Wald brauche es kein junges Stangenholz, sondern nennenswerte Bestände mit mindestens 140-jährigen Buchen und Eichen. Die begutachtete Naturwaldkulisse im Kreisgebiet verdiene insgesamt nur die Note mangelhaft.

Übergeordnetes Ziel der von der Bundesregierung entwickelten Nationalen Biodiversitätsstrategie sei jedoch der Stopp des Artensterbens bis 2020 auch im Wald. Deshalb sei es in keiner Weise akzeptabel, dass sich ausgerechnet der landeseigene Waldbesitz querlege, indem er auf eine Flächenauswahl nach überwiegend wirtschaftlichen Aspekten poche, dabei aber die Qualität für den Arten- und Lebensraumschutz vernachlässige.

Der Nabu fordere das Umweltministerium mit Minister Robert Habeck (Grüne) auf, dafür Sorge zu tragen, dass die Vorschlagskulisse zu Gunsten ökologisch hochwertiger Waldbestände überarbeitet wird, damit die Vision der Urwälder von morgen keine Utopie bleibt.


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