Beginn der Eutiner Festspiele : „My Fair Lady“ – Der Aufstieg des Blumenmädchens

Sie feiern die Entwicklung Elizas zur feinen Dame: Oberst Pickering, Haushälterin Mrs Pearse und Professor Higgins.
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Sie feiern die Entwicklung Elizas zur feinen Dame: Oberst Pickering, Haushälterin Mrs Pearse und Professor Higgins.

Mit dem Musical haben die Eutiner Festspiele einen Klassiker im Programm. Die Premiere steigt am Donnerstagabend.

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05. Juli 2018, 04:07 Uhr

Eutin | Nach seiner Premiere im März 1956 lief das Stück sechseinhalb Jahre am Broadway in New York, 2717 Vorstellungen. Ähnlich erfolgreich war es kurz später in London. Der 1964 produzierte Film mit Audrey Hepburn bekam acht Oscars.

„My Fair Lady“ ist also ein Klassiker. Es gibt vermutlich kaum einen Menschen, der die eine ohne andere Melodie noch nicht gehört hat – egal welchen Alters. Und es ist das erste Stück der Eutiner Festspiele, das in diesem Jahr auf der Freilichtbühne im Schlossgarten Premiere feiert. Am Mittwochabend war öffentliche Generalprobe, Donnerstagabend werden die Premiere und damit die offizielle Eröffnung der 68. Spielzeit folgen.

Die Handlung des Musicals in zwei Akten: 1912 in London. Eliza Doolittle (Désirée Brodka) ist eine Blumenverkäuferin auf dem Markt des Covent Garden. Die hübsche, junge Frau ist frech, ihre Sprache vulgär. Professor Higgins (Guido Weber), ein Sprachforscher, trifft sie eines Abends, ist von ihr ebenso fasziniert wie abgestoßen, nennt sie ein lebendes Beispiel für die Deformierung der Muttersprache.

Zugleich äußert er die Prognose, dass er Eliza mit intensivem Unterricht binnen sechs Monaten zu einer anerkannten Dame der Gesellschaft machen könnte. Eliza lässt diese Idee nicht los. Sie macht die Adresse von Higgins ausfindig, besucht ihn und bittet ihn um Sprachunterricht. Der Professor hat eigentlich keine Lust, aber sein Freund, Oberst Pickering (Claus J. Frankl), stachelt ihn mit einer Wette an: Wenn es Higgins gelinge, in sechs Monaten aus Eliza eine Dame zu machen, übernehme er die Kosten der Ausbildung.

Für die Choreografie der Tanzszenen ist Vanni Viscusi verantwortlich.
Achim Krauskopf
Für die Choreografie der Tanzszenen ist Vanni Viscusi verantwortlich.
 

Higgins verordnet Eliza ein Bad und neue Kleidung, die seine Haushälterin Mrs. Pearse (Eva Schneidereit) besorgt. Es beginnt eine schwere Lehrzeit: Eliza muss von morgens bis abends sprechen üben. Higgins behandelt sie ruppig und herablassend, Oberst Pickering versucht mehrfach, sie in Schutz zu nehmen.

Endlich kommt der Durchbruch: Eliza spricht das Ü nicht mehr wie ein I („Es grünt so grün“). Der erste Testlauf in der feinen Gesellschaft soll beim Pferderennen in Ascot in der Loge von Higgins Mutter (Gerlind Rosenbusch) erfolgen. Eliza soll nur über das Wetter und die Gesundheit sprechen, aber es gelingt ihr trotzdem, die feine Gesellschaft zu schockieren, erzählt, dass ihre Tante „abgemurkst“ worden sei.

Freddy Eynsford-Hill (Aarne Pelkonen) ist hin und weg von der jungen Frau mit dem unkonventionellen Auftreten, wird zu ihrem Verehrer, schreibt ihr Liebesbriefe, schickt ihr Blumen und wartet auf der Straße vor Higgins Haus in der Hoffnung, die Angebetete zu treffen.

Beim Diplomatenball im Buckingham Palace sorgt Eliza schließlich dafür, dass Higgins die Wette gewinnt: Sie verzaubert die Gesellschaft, niemand ahnt, dass sie eine Blumenverkäuferin aus einfachsten Verhältnissen ist. Während das Higgins und Pickering feiern, fühlt sich Eliza missachtet und erniedrigt. Zusammen mit Freddy Eynsford-Hill besucht sie ihr Heimatviertel in London, wo sie aber nicht erkannt wird.

Eliza fasst den Entschluss, selbst Phonetik zu unterrichten und Freddy zu heiraten. Als sie Prof. Higgins diesen Entschluss erzählt, kommt es zur Versöhnung. Higgins möchte sie nicht mehr gehen lassen.

Unter der Regie Hardy Rudolz sind die Hauptrollen rund um eine sehr ausdrucksstarke Désirée Brodka brilliant besetzt, auch Thomas Schirano als arbeitsscheuer und trinkfreudiger Vater Elizas biete große Schauspiel und Sangeskunst. Ballett, Chor und die von Romely Pfund dirigierte Kammerphilharmonie Lübeck runden eine Inszenierung ab, die dem Original des Stückes huldigt, aber auch ein paar feine, eigens eingebaute Sketche enthält. Ohne zu viel zu verraten: Lebende britische Politiker kommen dabei ebenso vor wie ein Hinweis auf die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg.

Der Kartenvorverkauf läuft bislang sehr gut. Es gibt aber noch Karten für alle Vorstellungen.

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