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Ostholsteiner Anzeiger

18. November 2017 | 18:54 Uhr

Mutiger Blick in die Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Wie könnte Malente in 13 Jahren aussehen? Beim Malente-2030-Forum entwarf Tanja Rönck ein Szenario

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erstellt am 12.Okt.2017 | 12:44 Uhr

Im anspruchsvoll sanierten Bahnhofsgebäude finden Besucher ein Wellcome-Center, ein Café, einen kleinen Markt mit regionalen Produkten und eine Mobilitätszentrale, wo der elektrisch betriebene Bürgerbus koordiniert wird. Die Schulkinder besuchen den Bildungscampus, anschließend können sie am Uwe-Seeler-Campus für Sport, Gesundheit und Tourismus studieren. Es gibt einen Wohnmobil-Stellplatz an der Gremsmühle, eine Sommerrodelbahn und ein Inklusionshotel. Das Intermar glänzt mit einer begrünten Fassade, auf dem Dach wird vor den Augen der Gäste gekocht. Im Schloss Egersdorf am Kellersee residiert eine Unternehmensberatung, und in Kreuzfeld gibt es ein interkommunales Gewerbegebiet. Die Gemeinde ist so attraktiv, dass sie Großstädter zum Umzug animiert.

Die etwa 40 Besucher des zweiten Malente-2030-Forums am Mittwochabend im Kursaal hörten viel über den vor einem Jahr gestarteten Zukunftsprozess ihrer Gemeinde. Wenn auch viele in zahlreichen Arbeitsgruppen mitgewirkt hatten: Schon die Titel der beiden Projekte, die dort verzahnt werden, sind schwer verdaulich: Zum einen das gleichzeitig in acht kleineren Orten – darunter Malente – laufende Modell-Projekt des Bundes „Potenziale von Kleinstädten in peripheren Lagen“ aus dem Forschungsprogramm „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ (Exwost). Zum anderen das Integrierte Gemeindeentwicklungskonzept (Igek). Von „Jugendbarcamps“ und einem „Szenarioprozess“ war die Rede, von 150 Projektideen, zwölf Leitprojekten und die Hoffnung auf Städtebaufördermittel. Doch mit ihrer Geschichte „Der Geist von Malente“ machte Bürgermeisterin Tanja Rönck die Wortungetüme konkret. Am Beispiel erdachter Menschen zeigte sie, was den Ort im Jahr 2030 auszeichnen könnte – wenn Ideen aus dem Zukunftsprozess Wirklichkeit würden.

Die Projektkoordinatorin der Gemeinde, Birgit Boller, ließ die bisherigen Schritte noch einmal Revue passieren, Stephan Kathke von der Beratungsagentur EBP Deutschland (Potsdam) lobte den Einsatz der Malenter Akteure: „Das kriegen manche Städte mit 250  000 Einwohnern nicht zustande. Sie haben ein sehr großes Rad gedreht.“

Exwost-Forschungsleiter Prof. Dr. Peter Dehne (Foto rechts) von der Fachhochschule Neubrandenburg machte deutlich, dass die Ideen nicht unbedingt Luftschlösser sein müssen: „Exwost ist der Schlüssel für weitere Förderprogramme.“ Er sei sicher, dass die Städtebauförderung stärker in Richtung Kleinstädte gehen werde.

Der Bahnhof habe sowohl im Jugendbarcamp als auch im Szenarioprozess mit ausgewählten Malentern eine zentrale Rolle gespielt, berichtete Dehne. „Das ist ein Pfund.“ Hier könne eine Drehscheibe für Mobilität entstehen, ein Entree für Malente geschaffen werden und ein Informations- und Kulturzentrum für den Ort. Der Vorschlag eines privaten Gesundheitscampus klinge vielleicht überdreht. Aber: Anderen Kleinstädten sei es bereits gelungen, Forschungseinrichtungen zu sich zu holen.

Beim Bahnhof machte Kathke ebenfalls Mut: Eine Situation wie beim Malenter Bahnhof mit einem Betreiber, der andere Vorstellungen habe als die Gemeinde, sei andernorts schon bewältigt worden. Dieses Gefühl hatte auch Michael Kühn. „Es wird irgendwie gelingen“, sagte der Chef der Wirtschaftsvereinigung Malente, auch wenn es bislang „unanständig viel Arbeit“ gewesen sei. Kühn gehörte zu den Malenter Akteuren im Zukunftsprozess und wurde zu seinen Erfahrungen befragt, wie auch Wolfgang Schumacher, Kathrin Dehn-Schumacher, Annett Klöfkorn-Papke, Jobst Richter und Lutz Mathesdorf. Der Chef der Produktionsschule des CJD mahnte aber: „Wir nehmen das nicht ernst mit den Jugendlichen.“ Die müssten stärker unterstützt werden bei der Entwicklung von Ideen und im Umgang mit der Verwaltung. Froh über den Zukunftsprozess zeigte sich Anke Stecher, Chefin der neuen Malenter Tourismus- und Service-GmbH (Mats). „Das nimmt der Mats ganz viel ab.“

Bis Ende des Jahres erwartet Bürgermeisterin Tanja Rönck eine Zusage des Landes für die Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm. Dazu verspüre sie „starke Signale“ aus Kiel, erklärte die Verwaltungschefin.

Der weitere Zeitplan ist ambitioniert. Bereits zu Beginn des Jahres 2019 sollen Investitionsvorhaben starten. Bis dahin sind allerdings noch einige Vorarbeiten zu erledigen. Gleich drei Konzepte sollen schon im Januar 2018 auf den Weg gebracht werden: für die Entwicklung des Ortskerns, des Bahnhofs und des Einzelhandels. Ein Igek-Beschluss soll noch im ersten Quartal 2018 gefasst werden. Außerdem soll im zweiten Quartal 2018 ein „Malente-2030-Rat“ mit etwa 15 Beteiligten gegründet werden, der die weitere Entwicklung begleitet. Erste kleinere Projekte im Tourismusbereich könnten ebenfalls im zweiten Quartal starten. Ende 2018 soll ein Satzungsbeschluss zur Ortsteilsanierung gefasst werden.

Wolfgang Kienle rief dazu auf, nicht nachzulassen und die Geduld nicht zu verlieren: „Das wird ein bisschen dauern, bis wir sichtbare Erfolge haben im Ort“, sagte der stellvertretende Bürgermeister. Doch vieles werde gehen, wenn alle zusammenhielten.

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