Mutig die Klangmacht erprobt

Den Beifall auch der Solisten erhielt Martin West für seine Leitung der Aufführung von Dvoraks „Stabat Mater“.
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Den Beifall auch der Solisten erhielt Martin West für seine Leitung der Aufführung von Dvoraks „Stabat Mater“.

Bravo-Rufe für die Eutiner Kantorei: Dvoraks „Stabat Mater“ in der voll besetzten Michaeliskirche

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17. November 2014, 18:47 Uhr

Steinbebend wuchtig, aber auch zart anrührend, ehrfürchtig verzweifelnd, aber auch heiter tänzelnd – die Aufführung der Eutiner Kantorei von Dvoraks „Stabat Mater“ geriet am Sonntagabend zu einem musikalisch funkelnden Spiegel vielfältiger Emotionen im Angesicht des Todes. Nach einer Minute verhaltener Stille brach sich lauter Applaus in der ausverkauften Michaeliskirche Bahn, es gab anhaltend Bravo-Rufe für Kirchenmusikdirektor Martin West und sein gesamtes Ensemble.

Mit 65 Sängern im Chor und rund 40 Musikern im Orchester hatte West einen Klangkörper zur Verfügung, der bisweilen an der Standfestigkeit der alten Kirchenmauern zu rütteln schien. Aber die Stimmgewalt ward von ihm dosiert eingesetzt, kontrastierte fein mit den elegischen Partien des Oratoriums. Und er setzte im Schlussteil des zehnsätzigen Werkes ein machtvoll mitreißendes Ausrufezeichen für die Forderung an Gott, der Seele des Toten den Glanz des Paradieses zu schenken („Quando corpus muerietur, fac, ut animae donetur paradisi gloria.“) Welch ein Mut, das 1880 zu komponieren, welch ein Glück, das jetzt in Eutin so mutig intoniert zu hören. Die Kantorei in Bestform.

Wesentlichen Anteil an der innigen Eindringlichkeit, mit der das Publikum die Aufführung verfolgte, hatten die vier Solisten. Cornelia Götz (Sopran), Nadine Weissmann (Mezzosopran), Dovlet Nurgeldiyev (Tenor) und Johannes von Duisburg (Bassbariton) erwiesen sich der Vorschusslorbeeren würdig, die ihnen aufgrund ihrer vielseitigen Verpflichtungen im internationalen Konzertbetrieb zugeschrieben wurden. Ihre Stimmen gaben dem Ganzen die innere Kraft, die Leid und Schmerz mit Hoffnungsstrahlen zu bündeln weiß.

Unter der straffen Leitung von Martin West glänzte aber auch das Orchester, zumeist mit Musikstudenten aus Lübeck besetzt. Sie machten hörbar, dass Dvorak sein Chorwerk eher für den Konzertsaal, weniger für die Kirchenliturgie geschrieben hat.

Dass in Eutin zum traditionellen Konzert am Volkstrauertag erneut ein imponierendes Aufgebot an Stimmen und Instrumenten zur Verfügung stand, ist längst nicht mehr selbstverständlich. Umso beeindruckender die Leistung aller, die diesen Kraftakt gewagt und ihn so meisterhaft bewältigt haben.


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