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Die Sanitärbereiche der Landesgartenschau sollen – wie hier bei der LGS Gießen – hinter bedruckten Planen verschwinden; wie auch das „Haus des Gastes“, sofern der Bürgerentscheid pro Erhalt ausfällt.
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Die Sanitärbereiche der Landesgartenschau sollen – wie hier bei der LGS Gießen – hinter bedruckten Planen verschwinden; wie auch das „Haus des Gastes“, sofern der Bürgerentscheid pro Erhalt ausfällt.

Landesgartenschau: Neue Planungen gehen jetzt von zwei Varianten aus – mit und ohne „Haus des Gastes“

shz.de von
30. Januar 2015, 19:16 Uhr

Knapp 14 Tage vor dem Bürgerentscheid über das „Haus des Gastes“ bringen sich nicht nur Befürworter und Gegner eines Abrisses in Stellung. Auch die Planer der Landesgartenschau (LGS) möchten ein Wörtchen mitreden – schließlich steht das Gebäude mitten im Planungsgebiet an der Stadtbucht.

Bisher hatten sie immer ohne das „Haus des Gastes“ geplant. Gestern präsentierten die Planer dem OHA eine zweite Variante, wie das 1969 erbaute Haus in die LGS integriert werden könnte – für den Fall, dass der Bürgerentscheid für den Erhalt ausfällt.

Anregungen für den „Plan B“ gab es im vergangenen Jahr bei den Gartenschauen in Gießen und Papenburg. Angetan haben es den Planern rund um LGS-Geschäftsführer Bernd Rubelt Sichtblenden, hinter denen 2014 Toiletten und Co. verschwanden. So etwas soll auch in Eutin möglich sein – nicht nur in Sachen Sanitärbereich. Auch das „Haus des Gastes“ könnte so verhüllt werden. „Christo wäre eine zu teure Tasse Tee“, sagt Rubelt. Der Verhüllungskünstler komme somit nicht mehr in die engere Wahl, wenn es darum geht, das Haus optisch verschwinden zu lassen. Denn nutzbar sei es in keinster Weise, sagt Rubelt und wiederholt die Argumente Pro-Abriss: fehlende Barrierefreiheit und marode Substanz. „Die Anmutung eines schwer sanierbaren Gebäudes muss weg“, sagt Rubelt zur Begründung der leicht durchsichtigen „Tarn-Maßnahmen“. Denn das LGS-Team habe einen hohen Qualitätsanspruch. „Wir müssen die Gartenschau ansehnlich machen für die Gäste – nicht nur für die Eutiner“, sagt Rubelt.

Ob und wie die Sichtblenden aussehen werden, stehe noch nicht fest. Auch nicht, ob Werbung darauf Platz finden könnte oder ob Holz statt Stoff zum Einsatz kommt. Denn der Haken an der Verhüllung: In den Kosten für die LGS ist dieser neuer Punkt bisher nicht enthalten. Mindestens ein fünfstelliger Betrag sei zu investieren, um das „Haus des Gastes“ mit Sichtblenden zu verdecken. Je nach Materialien könnte aber schnell ein sechsstelliger Betrag daraus werden, so Rubelt.

Mit dem Fortbestand des Gebäudes am Ufer des Großen Eutiner Sees müssen die Planer den hier eigentlich geplanten Gastro- und Bühnenbereich neu überdenken. „Bei der Bühne haben wir nicht viele Spielmöglichkeiten“, sagt LGS-Geschäftsführer Martin Klehs und erklärt, dass die Holzbohlen-Konstruktion samt des bestuhlten Zuschauerbereichs nun weiter in den Seepark hineingeplant müsste. „Das wird uns unter Druck setzen“, sagt Klehs, denn im Seepark gebe es viele geschützte Bereiche, die nicht angetastet werden dürften. Als möglicher weiterer Standort für Bühne und Co. sei die Boule-Bahn im Gespräch, ergänzt Rubelt.

Ob mit oder ohne „Haus des Gastes“: Die LGS-Planer gehen von hochwertiger Infrastruktur für den Gastro-Bereich aus – die die temporäre Blumen- und Pflanzenwelt überdauern könnte. Der Standort sei attraktiv dafür, so Rubelt.

Auch hier werden Beispiele aus Gießen und Papenburg herangezogen. „Die Gastronomie war dort sehr schön anzusehen“, sagt Klehs. Auch die Sanitäreinrichtungen wurden unter die Lupe genommen. „WCs können mehr als Dixi sein“, sagt Rubelt und weist so Kritiker in die Schranken, die reihenweise mobile Toiletten und eine Zeltstadt am Seeufer befürchten.

Apropos Gegner: Die LGS-Planer sehen dem Bürgerentscheid relativ gelassen entgegen. Zeit zum Planen sei noch genügend, so Rubelt. Und weiter: „Wir können mit beiden Varianten leben.“

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