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Ostholsteiner Anzeiger

18. Dezember 2017 | 21:51 Uhr

Musik ist etwas Göttliches

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 29.Apr.2015 | 09:53 Uhr

Ohne meine Musik könnte ich nicht leben.“, hat es mal eine Konfirmandin auf den Punkt gebracht. Wer will das bestreiten? Martin Luther ergänzt: „Erfahrung beweist, dass nach dem Wort Gottes nur die Musik verdient, als Herrin und Regentin der Empfindungen des menschlichen Herzens gepriesen zu werden. Wir wissen, dass sie den Teufeln verhasst und unerträglich ist. Mein Herz wallt auf und fließt über beim Hören der Musik, die mich so oft erfrischt und von schweren Ängsten befreit.“

Auch ich brauche Musik: Bach, Mozart, Coltrane, Hendrix. Ich empfinde Musik oft so, dass plötzlich ein Raum entsteht, der größer ist als meine momentane Gegenwart. Musik entgrenzt meine Gefühle und Stimmungen und hüllt mich zugleich ein
„Kommt her alle zu mir, die ihr mühselig seid und beladen,“ ruft Jesus, „ich will Euch erquicken.“ Wir kennen, die eine oder andere Geschichte von Jesus, wie er Kranke an Leib und Seele heilt und Sünder auf den Weg zurückbringt. Für diese Menschen war die Begegnung mit Jesus wie das Hören einer Musik: Entgrenzend und einhüllend zugleich. Sie wurden über ihre eigenen Grenzen geführt und konnten dabei feststellen, dass eben nicht alles nur an ihrer Kraft hing. Und sie erfuhren: ich gehöre zu Gott, bin eingehüllt in seine Liebe.

Die frühen Christen haben Jesus darum verschiedentlich als Orpheus dargestellt, den göttlichen Musiker, der den Menschen zu innerem Frieden führt, der das Lied von Gottes Reich in die Herzen der Menschen gespielt hat und mit seinem Lied selbst die Pforten der Hölle sprengt.

Ich glaube, dass Gottes Geist auch so wirkt, dass ein guter Gottesdienst so wirken kann oder ein Gebet oder wie und wo wir uns sonst immer auf Gott einlassen. Gottes Geist beflügelt unseren Geist und befördert neue Hoffnungen nach oben und neue Ideen, selbst dann, wenn die Gegenwart eine Katastrophe ist. Das göttliche Lied steckt an. Gottes Geist ergreift den Menschen und versetzt ihn in Schwingungen, wie die Saite einer Gitarre. Das geht freilich nur, wenn wir ihn lassen. Man kann ja viel über Musik reden, Notenbilder analysieren, über Fugen und Grooves philosophieren – aber alles Reden über Musik ersetzt ja nicht, dass man sich auf die Musik einlässt– oder noch besser: selber musiziert. Man kann viel über Gott reden, Gott zum Thema langer Diskussionen machen – aber das kann es nicht ersetzen, dass ich hinhöre, was Gott mir sagen will.

Darum ist Musik etwas Göttliches und Gott etwas Musikalisches.
Stefan Grützmacher,
Pastor in Neukirchen







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