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Ostholsteiner Anzeiger

20. September 2017 | 06:07 Uhr

Musik ist etwas Göttliches

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2016 | 09:01 Uhr

Wem gelingt es, mit der Natur eins zu werden? Dem, der in seinem Grabe zu Erde wird? Diese Antwort leuchtet jedermann auf Anhieb ein. Sie hat „nur“ einen Nachteil: Sie ist an Trostlosigkeit kaum zu überbieten. Auf der Landesgartenschau wird eine andere Antwort gegeben. Sie lautet: „Mit der Natur wird eins, wer einen Blick für ihre Schönheit gewinnt und die Natur verschönt.“

Der Kirchnücheler Pastorensohn Christian Cay Lorenz Hirschfeld, dem in Kirchnüchel eine schlichte Gedenkstätte gewidmet ist, war Professor der schönen Künste in Kiel. Seine Schüler haben den Eutiner Schlosspark neu gestaltet. Bekannt geworden ist er durch sein 1785 erschienenes fünfbändiges Werk „Theorie der Gartenkunst“. Dieses Werk ist mit dem Satz gekrönt: „Gott schuf die Welt und der Mensch verschönt sie.“ (Bd 5, S. 364) Was Ausdrücke wie „Welt“ und „Natur“ bedeuten, lässt sich erst ermessen, wenn sie in einen größeren Zusammenhang gestellt werden.

Welt und Natur hängen nicht beziehungslos in der Luft, sondern gehören mit der göttlichen Schöpfung zusammen. An den, der diesen Zusammenhang bedenkt, werden höhere geistige Ansprüche gestellt als an den, der das Einswerden mit der Natur auf das Materielle, auf die Verwesung, auf den Friedhof (s. o.) beschränkt.

Doch was sollen die Worte: „Gott schuf die Welt“, wenn es Gott überhaupt nicht gibt? Dann gilt: „Kein Gott schuf die Welt und der Mensch – verschandelt sie.“ Wenn die Welt sich niemandem verdankt und keines Dankeschöns wert ist, wäre sie der Willkür einer kalten Vernunft preis¬gegeben.

Was für eine Welt schuf Gott? Die Welt, wie sie ist? Oder eine Welt, die von einer ursprünglichen Schönheit ist? Wer mehr als nur vernünftig ist, wird in der Schöpfung etwas von dem entdecken, was ursprünglicher ist als alle nachträglichen Entstellungen. Eine alte Hexe, die sich schminkt, wird durch ihr Schminken nur noch hässlicher. Aus einem ursprünglich Hässlichen lässt sich nichts Schönes entwickeln. Das ursprünglich Schöne liegt nicht vor Augen, sondern erschließt sich erst dem, der tiefer schaut. Mit der Natur wird eins, wer hinter der Schönheit einer Gartenschau mehr entdeckt als das, womit eine Gartenschau sich sehen lässt. Schönheit weist über sich selbst hinaus. Sie ist nicht Ziel, sondern Weg. Ein Weg durch ein Blütenmeer lockt dazu heraus, ihn zu gehen. Zu einer schönen Gartenlandschaft finden, wie die Besucherzahlen zeigen, mehr Menschen als zu einer reizlosen.

Die Landesgartenschau soll nicht in der Weise zu Ende gehen, wie einst die Pforten zum Paradies geschlossen wurden. Kein Paradies ohne Nachhaltigkeit! Die Blumenbeete werden nicht den Disteln und Dornen überlassen. Gott hat die Welt geschaffen, damit der Mensch sie (und nicht nichts) verschöne und, statt alles plattzumachen und zuzubetonieren, die Erinnerung an das verlorene Paradies wachhalte. Beides ist wahr: Der Garten Eden ist verloren. Aber auch: Der Garten Eden ist (unter einem neuen Namen) im Kommen. In dem, was sich als Gottesreich bezeichnen lässt, kann niemand zu¬rückblicken, ohne zugleich nach vorn ausgerichtet zu sein.

Prof. Dr. Hermann Peiter,
Pastor i. R., Eutin

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