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Ostholsteiner Anzeiger

23. August 2017 | 03:14 Uhr

Musik ist etwas Göttliches

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

A ls Kinder horchten wir mit offenen Ohren und offenem Mund, wenn uns die alten Nachbarinnen von der „guten alten Zeit“ erzählten, z. B. wie man früher fastete. Es kam die ganze Fastenzeit nicht nur kein Fleisch und kein tierisches Fett auf den Tisch. Damit sich nicht etwa Fettreste in die Speisen mischten, wurden am Aschermittwoch alle Töpfe ausgekocht. . .

Die Fastengewohnheiten waren in den einzelnen Epochen des Christentums sehr unterschiedlich. Seit die Katholische Kirche nach dem Zweiten Vatikanum die Fastenvorschriften auf einige wenige konkrete Vorschriften wie z. B. das Gebot der nur einmaligen Sättigung und das Verbot von Fleischspeisen am Aschermittwoch und Karfreitag beschränkt hat und die Form des Fastens darüber hinaus dem Einzelnen überlassen wurde, haben sich ganz neue Gepflogenheiten des Fastens herausgebildet. Die einen trinken während der ganzen Fastenzeit keinen Alkohol, andere rauchen nicht usw. Relativ neu ist, dass sich manche in Gruppen zusammenfinden, für einige Tage eine Heilfastenkur machen und sich gegenseitig dabei unterstützen.

Wie begeht man die Fastenzeit richtig? – Ich denke wir sollten dabei den biblischen Hintergrund des Fastens nicht aus den Augen verlieren. Die Fastenzeit erinnert uns an die 40 Tage, die sich Jesus vor seinem öffentlichen Wirken in die Wüste zurückgezogen hat, um zu fasten. Darüber hinaus weisen die 40 Tage auf den 40-jährigen Weg des Volkes Gottes durch die Wüste hin, den es zwischen dem Auszug aus der Sklaverei Ägyptens und dem Einmarsch in das ihm versprochene Land gegangen ist. Es war dies eine Zeit, in der es gelernt hat, was wirklich wichtig und überlebensnotwendig ist. In dieser Zeit der Entbehrungen wurde ihm bewusst, wie wichtig und grundlegend die Beziehung zu Gott ist, der die Israeliten aus der Knechtschaft Ägyptens befreit und sie auf dem weiteren Weg begleitet hat. Was bedeutet das für unser Fasten? – Wichtiger als gute Fastenmethoden ist das Gehen in die Wüste, natürlich im übertragenen Sinn. Die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern sollte in erster Linie eine Zeit intensiver Selbstwahrnehmung und Reflexion des eigenen Lebensstils sein. Dazu kann jede ernsthafte Form des Fastens helfen. Wichtig ist jedoch das Sich-zurückziehen, das Nachdenken über die eigenen Lebensgewohnheiten.
Ohne ein gewisses Maß an Stille wird dies nicht gehen. So wundert es nicht, dass sich unsere Vorfahren in der Fastenzeit jede Art von Unterhaltungsveranstaltungen verboten haben.

Ein weiteres wichtiges Element gehört noch dazu: Die eigenen Lebensgewohnheiten mit dem Anspruch des Evangeliums zu konfrontieren. Welche Rolle spielen in meinem Leben die Forderungen nach Gerechtigkeit, Nächstenliebe, gegenseitiges Helfen, Respektieren der Menschenwürde. . . ?

Das Aschenkreuz, das wir uns Aschermittwoch als Zeichen unseres Umkehrwillens auf die Stirn zeichnen gelassen haben, erinnert uns, wie vergänglich vieles ist, woran wir unser Herz hängen und wovon wir unser Lebensglück abhängig machen.

Jesus kehrte aus seiner 40-tägigen Zeit in der Wüste mit klaren Kriterien dafür, was im Leben und was vor Gott zählt, zurück und widerstand den Versuchungen, sein Leben nach vordergründigen Werten auszurichten. Bitten wir den Herrn, dass er uns in den Tagen der Fastenzeit auch diese Klarheit schenke.

Andreas Bock,
Pastor der Pfarreien
Eutin und Plön
























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von
erstellt am 18.Feb.2016 | 09:31 Uhr

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