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Ostholsteiner Anzeiger

16. August 2017 | 15:46 Uhr

Musik ist etwas Göttliches

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles  … Der Apostel Paulus singt das Hohelied der Liebe. Überschwängliche Worte. Hoher Anspruch. Wie kann man dem gerecht werden. Das Halbjahreszeugnis war schlecht ausgefallen. Die Lehrer hatten voll zugeschlagen: drei Fünfen. Verbleib am Gymnasium fraglich. Als ob das nicht schon schlimm genug war, regte sich mein Vater tierisch auf: Du hast dich wohl schon damit abgefunden, dass du Landstreicher wirst?! Ich bin enttäuscht von dir!

Ich bin dann erst mal zu Oma und Opa gegangen. Oma hat mir ein Stück Kuchen vorgesetzt. Und mit Opa bin ich zu seinen Kaninchen gegangen. Irgendwann erzählte ich von meinem Zeugnis. Sie sagten nichts. Nach einer Weile fragte ich sie, ob sie auch enttäuscht seien von mir und meinem Zeugnis. „Bis du heiratest, ist das kalter Kaffee,“ brummte Opa. „Gut ist das mit deinem Zeugnis nicht“ sagte Oma und umarmte mich „aber deswegen hörst du doch nicht auf, unser Enkelkind zu sein.“

An diesem Tag habe ich zum ersten Mal so richtig begriffen, was es bedeutet, dass einen jemand lieb hat.

Liebe erfahren bedeutet, zu erfahren, angenommen zu sein, über unsere Problem und Fehler. Liebe baut eine Brücke über menschliche Abgründe hinweg. Sie hilft uns, das zu werden, was wir im innersten sind – nicht nur die Enkelkinder unserer Großeltern, sondern eben auch: Kinder Gottes. Wir leben von Beziehungen. Wer wir sind, können wir uns nicht nur alleine sagen, sondern wir erfahren es durch den anderen.

So wie das Licht erst den Dingen ihre Farbe und ihre Form gibt, so gibt erst die Liebe dem Leben Form und Tiefe. Auch Gott will nicht allein sein – und darum erschafft er die Welt und den Menschen. Er erwählt sich ein Gegenüber. Von Anfang heißt es: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Die Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen ist eine spannungsvolle. Denn nicht immer erwidern die Menschen Gottes Liebe. Mehr als einmal kommt die Liebesgeschichte an einen Punkt, wo man Gott eigentlich sagen müsste: Find dich damit ab, dass aus den Menschen nichts wird! Aber Liebe macht keine Kosten-Nutzen-Rechnung auf. Die Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles  … Gott hält zu seinen Menschen. Nicht, weil Menschen an Gott glauben, sondern weil Gott an die Menschen glaubt. Weil wir nicht aufhören, seine Kinder zu sein.

Stefan Grützmacher,
Pastor in Neukirchen
























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erstellt am 05.Feb.2016 | 09:25 Uhr

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