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Ostholsteiner Anzeiger

13. Dezember 2017 | 23:27 Uhr

Musik ist etwas Göttliches

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 08.Dez.2015 | 11:03 Uhr

Komm erst mal rein und setz dich hin. Ich koch uns ’nen Tee... Erzähl mal! Was ist los?“ – So geht Trost: Erst mal nur da sein und zuhören. Dem Gegenüber die Möglichkeit geben, das Herz auszuschütten, ohne gleich gute Ratschläge parat zu haben. Die eigenen Wertungen stecken lassen, die Tränen des anderen aushalten, ihn vielleicht in den Arm nehmen und ihm zeigen: Ich bin bei dir.

Lange Zeit war das Trösten reine Frauensache. Männer waren darin eher unbeholfen. Viel-leicht weil die Nähe, die beim Trösten entsteht, sie überforderte. Stattdessen hörte man von ihnen eher Durchhalteparolen
à la „Indianer kennt keinen Schmerz!“ oder „Da musst Du durch!“ Zum Glück ändert sich das mittlerweile. Viele Männer wollen nicht mehr einem Rollenbild entsprechen, in dem Empathie und emotionale Nähe keinen Platz haben. Und so steuern heute immer mehr Kinder, die Trost suchen, ganz selbstverständlich auch ihre Väter an.

Schon in biblischen Zeiten war das Trösten nicht nur die Sache eines Geschlechts: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ lautet zwar die diesjährige Jahreslosung und dieser Satz aus dem Buch des Propheten Jesaja (Kap. 66) weckt in mir sofort das Bild einer Frau, die ihr Kind im Arm wiegt, beruhigend auf es einredet und es so tröstet. Aber daneben gibt es eben auch väterliche Trostbilder in der Bibel: Im Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15) ist es ein Vater, der solchen Trost vermittelt: Mit offenen Armen und einem weiten Herz läuft er seinem Sohn, der sein Leben vermasselt hat, entgegen. Ein zärtlicher Mann, zugewandt und liebevoll.

Die Bibel lädt uns ein, Rollenbilder, die uns zu sehr einengen, hinter uns zu lassen. Auch Gott erscheint dort ja als jemand, der sich nicht festlegen lässt auf
die Eigenschaften eines Geschlechts. Entscheidend sind nicht die menschlichen Bilder, die ihn als gütigen Vater oder als tröstende Mutter beschreiben. Entscheidend ist das, was mit diesen Bilder ausgedrückt wird: Wir können uns an ihn wenden und ihm unser Herz ausschütten im Vertrauen darauf, dass er bei uns ist, uns tröstet und zu uns hält.

Und auch wir können, wenn wir diesem Beispiel folgen, die ganze Bandbreite unserer Möglichkeiten ausleben. Aus traditionellen Rollenfestlegungen auszubrechen, damit haben Frauen ja schon länger Erfahrung. Wir Männer hingegen üben uns in dieser Rolle eines Trösters gegenwärtig noch ein und sind dabei manchmal etwas unbeholfen. Doch ich glaube, es ist der Mühe wert. Denn solcher Trost tut gut, unabhängig davon, ob wir Frauen oder Männer, Mädchen oder Jungen, Tröstende oder Getröstete sind. Frank Karpa,
Pastor für Männer- und
Familienarbeit
im Kirchenkreis Ostholstein


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