Schönwalde : Museum wurde zur Puppenstube

Iris Frommholz aus Neustadt hat ein Erbstück ihrer Oma, eine Holzgliederpuppe aus dem 19.Jahrhundert zur Begutachtung mitgebracht. Fotos: dob
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Iris Frommholz aus Neustadt hat ein Erbstück ihrer Oma, eine Holzgliederpuppe aus dem 19.Jahrhundert zur Begutachtung mitgebracht. Fotos: dob

In Schönwalde hielt die Puppenexpertin Angelika Salzwedel ihre Sprechstunde und entdeckte so manche Rarität.

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14. Oktober 2011, 11:46 Uhr

Schönwalde | Cellba oder Schildkröt? Masse oder Zelluloid? Das waren die regelmäßig gestellten Fragen bei einer Puppensprechstunde mit Angelika Salzwedel. Die Sammlerin aus Itzehoe gab ihr Wissen um Herkunft und Wert der oftmals alten und lieb gewonnenen Spielgefährten im Schönwalder Dorfmuseum an die Puppenmütter weiter.

Martina Steinwachs aus Burg hatte einen ganzen Wäschekorb voll Puppenkinder mitgebracht. Die 53-Jährige ist eine "Spontansammlerin". Was ihr auf Flohmärken gefällt, findet bei ihr ein neues Zuhause. Große Werte fanden sich unter ihren zwölf Puppen allerdings nicht. Insgesamt sei der Markt für Puppen in den letzten Jahren eingebrochen, berichtete Angelika Salzwedel. Die Auktionspreise, die die Kataloge für die Exemplare der bekanntesten Hersteller wie Cellba oder Schildkröt ausweisen, seien heute nicht mehr zu erzielen. Aktuell seien die Ankaufspreise von Händlern auf ein Viertel oder gar ein Sechstel zurückgegangen. "Die Sammler auf diesem Gebiet sterben förmlich aus. Mit Puppen kann man kein Geld mehr verdienen", offenbarte die Sammlerin mit 40 Jahren Erfahrung.

Darum ging es den meisten Puppenmüttern auch nicht. Iris Frommholz wollte mehr über die Holzgliederpuppe wissen, die sie als Erbstück ihrer Großmutter hegt und pflegt. Die Bücher vor Angelika Salzwedel gaben zunächst das Alter preis. 1894 wurde das blonde Mädchen gefertigt. Die Augen der Fachfrau erkannten sofort: Kleid und Perücke sind nicht mehr original. Das konnte die Hüterin des Schatzes bestätigen. Beides lag bei der Neustädterin im Schrank und wird nun wieder zu Ehren kommen.

Für die Pflege und Erhalt der ideellen Kleinode hatte die Puppenexpertin einige Tipps. Am wichtigsten sei der Schutz vor Sonnenlicht. Die damals verwendeten Materialien - eine Art Pappmasche - und vor allem dass als Filmmaterial bekannte Zelluloid litten unter den Umwelteinflüssen.

Nicht umsonst reisten viele Puppen in Kartons an. So auch die von Kristel Gloede, die nur noch aus einzelnen Gliedmaßen bestand. Sie soll bald durch einen Puppendoktor wieder aufgezogen werden. Im Alter von fünf Jahren hatte Gloede die Puppe geschenkt bekommen. Nachdem sie als Spielzeug ausgedient hatte, wurde sie weitergegeben. Nach über 30 Jahren fand sie dann den Weg zurück zu ihrer ersten Puppenmutter. Leider hatte sie in all den Jahren stark gelitten, um nun wieder aufzuerstehen.

Auch für Angelika Salzwedel war die Sprechstunde in Schönwalde etwas Besonderes. Sie bekam erstmals eine Käthe-Kruse-Puppe aus der US-Besatzungs-Zone in die Hände; unter Puppenkennern eine wirkliche Rarität.

Noch viel spannender für die Sammlerin war aber eine weitere Puppe, die einer Käthe-Kruse-Puppe sehr ähnelt, nach Bekunden der Besitzerin jedoch einer Puppenmanufaktur "Herse" aus dem Malenter Raum entsprungen sein soll.

Hier würde Angelika Salzwedel gerne mehr erfahren und ist über Hinweise zu dieser Manufaktur dankbar. Den Kontakt kann die Museumspädagogin Renate Schäfer (Telefon 04561- 2224) herstellen.

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