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Neustadt : Müssen Sozialkaufhäuser schließen?

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kinderschutzbund Ostholstein fürchtet „verheerende Auswirkungen“ durch Kürzungen der Bundesmittel für soziale Projekte

von
erstellt am 08.Feb.2014 | 00:34 Uhr

Die drastische Kürzung der Bundesmittel zur Eingliederung langjähriger Erwerbsloser bringt nicht nur das Jobcenter Ostholstein in Bedrängnis (wir berichteten). In der Folge sind auch die Sozialkaufhäuser, die der Kinderschutzbund im Kreisgebiet betreibt, von der Schließung bedroht. Darüber hinaus geraten weitere soziale Projekte in Gefahr.

Über die Betroffenheit beim Kinderschutzbund Ostholstein tauschten sich dessen Geschäftsführer Henning Reimann und Martin Liegmann gestern in Neustadt mit der Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn (SPD) und der Landtagsabgeordneten Sandra Redmann (SPD) aus. „Die Sozialkaufhäuser können ohne Unterstützung noch nicht existieren. Eine ersatzlose Streichung der Förderung hätte auch in den Kinderhäusern, Horten und Offenen Ganztagsschulen verheerende Auswirkungen“ betonte Liegmann mit Blick auf das Leristungsangebot seiner Organisation.

Durch die Mittelkürzungen im Sozialhaushalt des Bundes wird das 2011 etablierte Modellprojekt „Bürgerarbeit“ 2015 nicht fortgeführt. Damit wurde bisher langzeitarbeitslosen Menschen die Möglichkeit gegeben, ihre persönliche und berufliche Situation in einem zeitlich befristeten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis zu stabilisieren und in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt zu werden. Die Einrichtung der Bürgerarbeit sei für Langzeitarbeitslose eine Brücke zum ersten Arbeitsmarkt, so Henning Reimann. Zudem würden damit oft die Familienverhältnisse stabilisiert – zum Vorteil besonders der Kinder.

Sollte es keine finanzielle Lösung geben, so Liegmann, würden bis September die Sozialkaufhäuser in Eutin, Neustadt und Heiligenhafen geschlossen werden – drei Monate später auch die Einrichtung auf Fehmarn. „Die Folge wäre eine Steigerung der Arbeitslosenquote“, so Reimann.

Insgesamt sind in Ostholstein zurzeit 332 Bürgerarbeiter tätig. Bei der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft Ostholstein (BQOH), einem 100-prozentigen Tochterunternehmen des Kinderschutzbunds, sind 153 Bürgerarbeiter in den Bereichen Soziales, Umwelt und Naturschutz beschäftigt. Für 85 von ihnen bedeutet das Auslaufen der Förderperiode das Aus ihrer Tätigkeit. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es für die 68 Mitarbeiter der Sozialkaufhäuser. Denn: Karsten Marzian, Geschäftsführer des Jobcenters, wolle die Infrastruktur der Sozialkaufhäuser aufrechterhalten und die Tafeln und die Sozialkaufhäuser nicht „im Regen stehen lassen“, so die Kinderschutzbund-Geschäftsführer.

Bettina Hagedorn empfahl, jetzt bundesweit Druck auf die Politik auszuüben. Es müsse eine Initiative für ein Anschlussprojekt geben, das einen dritten öffentlich geförderten Arbeitsmarkt etabliert.

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