Bosau : Mülltonnen-Rallye verhindert

Können die schweren Mülltonnen nicht 130 Meter zum neuen Stellplatz  schieben: Friedhilde und Walter Hinterwäller.  Fotos: M. Kuhr
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Können die schweren Mülltonnen nicht 130 Meter zum neuen Stellplatz schieben: Friedhilde und Walter Hinterwäller. Fotos: M. Kuhr

ZVO will den Kurt-Pause-Weg nicht mehr anfahren. 91-Jähriger soll Mülltonnen 130 Meter zum Sammelpunkt schieben.

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28. Juni 2014, 17:45 Uhr

Die Bewohner am Ende des Kurt-Pause-Weges sind ziemlich verärgert. Dafür sorgt ein Schreiben des Zweckverbandes Ostholstein (ZVO). In dem werden sie aufgefordert, ihre Mülltonnen und Wertstoffsäcke an einen zentralen Sammelpunkt zu rollen. Der 91-jährige Walter Hinterwäller und seine 82-jährige Frau Friedhilde sind sprachlos. Die beiden Senioren haben den weitesten Weg zum Sammelpunkt.

Ihre Klagen wurden mittlerweile gehört. Bürgermeister Mario Schmidt hat zu einem Ortstermin eingeladen. Und auch ZVO-Sprecher Detlef Lichtenstein sagte auf OHA-Anfrage: „Wir sind an einer gemeinsam getragenen Lösung interessiert.“ Deshalb sei der Ortstermin anberaumt worden.

Seit 1999 existiert das Baugebiet im Kurt-Pause-Weg und seit 2004 wohnen Friedhilde und Walter Hinterwäller dort in ihrem schmucken Einfamilienhaus am Ende der Sackgasse an einem Wendehammer mit etwa zwölf Meter Durchmesser. Der Altersruhesitz wurde für sie seniorengerecht gebaut. In der vergangenen Woche flatterte den Hinterwällers und sieben weiteren Anwohnern jedoch ein Schreiben des ZVO ins Haus, dass Senioren eher vertreibt.

Danach wurden die beiden alten und zum Teil gebrechlichen Menschen aufgefordert, schon bei der nächsten Abfuhr am Donnerstag in dieser Woche, ihre Mülltonnen an einen zentralen Sammelpunkt zu bringen. Der ZVO bemängele im Kurt-Pause-Weg immer wieder vorkommende Behinderungen in dem „Anlieger-Stichweg“. Dafür, so der ZVO in dem Brief weiter, sorgten falsch abgestellte Fahrzeuge und eine zu gering dimensionierte Wendeanlage, was bereits 1999 im B-Plan 21 moniert worden sei.

„Seit 2004 wird unser Müll vor dem Haus im Wendehammer ohne Probleme abgeholt“, schüttelt Friedhilde Hinterwäller den Kopf, dass es jetzt plötzlich nicht mehr gehen soll. Von einer Kritik des ZVO über falsch abgestellte Fahrzeuge habe sie in dem Schreiben erstmals erfahren. Die Mülltonnen und Restmüllsäcke sollen jetzt „am Stromkasten“ abgestellt werden. Ein Mitarbeiter der Gemeinde Bosau habe den Hinterwällers schnippisch am Telefon die Beauftragung einer bezahlten Hilfe zum Rollen der Müllbehälter an den Sammelpunkt empfohlen, der etwa 130 Meter von ihrem Haus entfernt liegt.

Tochter und Schwiegersohn aus der Nachbarschaft könnten den Hinterwällers helfen. Aber ein Dauerzustand soll das nicht werden. „Baustoffhändler, Feuerwehr und Rettungswagen kommen doch auch durch, nur der ZVO nicht“, klagen die Hinterwällers. „Ich komme mir ausgeliefert vor“, sprach Friedhilde Hinterwäller von Willkür.

Die Gemeinde Bosau reagierte dann doch schnell. Am Donnerstag noch bekamen die Anwohner ein Schreiben in dem auf einen bevorstehenden Ortstermin hingewiesen wird. „Ich bin sehr optimistisch, dass wir zu einer guten Lösung kommen“, sagte Bürgermeister Mario Schmidt gestern dem OHA. Es habe jahrelang funktioniert, dann werde es auch weiterhin eine Lösung geben.

Hintergrund des Ärgers im Kurt-Pause-Weg ist ein Vorfall. Die Müllfahrzeuge des ZVO benutzen seit Jahren ein unbebautes Grundstück im Kurt-Pause-Weg zur Überfahrt. Dabei kommt es bei Regenwetter vor, dass die Straße verschmutzt wird. Ein kleines Mädchen war offenbar deshalb mit den Fahrrad gestürzt und der Grundstücksbesitzer musste die Straße wieder reinigen. Jetzt hat der Grundstücksbesitzer dem ZVO die Überfahrt untersagt.

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