Notarzt im Kreis Plön : Mühsamer Kompromiss

Der Kreis Plön braucht einen zweiten Notarztstandort - wo, war im Kreistag allerdings heftig umstritten / Offener Verhandlungsauftrag an die Landrätin

Avatar_shz von
20. April 2013, 09:15 Uhr

Plön | Die Fronten im Plöner Kreistag waren verhärtet. Wo soll künftig neben Preetz ein zweiter Standort für einen Notarzt geschaffen werden: In Lütjenburg, wie es parteiübergreifend mehrere Abgeordnete aus dem Raum Lütjenburg forderten? Oder im rund 16 Kilometer nordwestlich gelegenen Stakendorf, wie es die Kreisverwaltung favorisierte? Wer bei einer Abstimmung am Donnerstagabend die Oberhand behalten würde, war höchst ungewiss, als CDU-Fraktionschef Thomas Hansen an Rednerpult trat. Seine Fraktion hatte sich zuvor eigentlich für Lütjenburg ausgesprochen, doch nun schlug Hansen einen Kompromiss vor.

Es brauchte eine 50-minütige Sitzungsunterbrechung, bis die Kontrahenten sich auf einen Vorschlag geeinigt hatten, der eine breite Mehrheit fand. Landrätin Stephanie Ladwig soll nun mit den Krankenkassen über einen "Standort im Nordkreis" verhandeln und bis Ende September eine Lösung präsentieren. Bis dahin soll wie bisher während der Tourismus-Saison ein Notarzt in Lütjenburg stationiert werden. Zusätzlich soll der Kreis Ostholstein von Oldenburg aus die notärztliche Versorgung der Gemeinden Hohwacht, Blekendorf und Kletkamp östlich von Lütjenburg übernehmen.

Damit konnte sich die CDU nicht mit ihrem Kompromissvorschlag durchsetzen, Stakendorf in den Verhandlungen mit den Krankenkassen nur als Option in der Hinterhand zu behalten, zunächst aber auf Lütjenburg zu setzen. Hansen feierte den Beschluss dennoch als Erfolg: "Es ist ganz wichtig, dass wir heute den Kompromissweg haben einschlagen können", erklärte er. So habe man gegenüber den Krankenkassen als Verhandlungspartner Einigkeit demonstriert.

Aus Sicht der Kreisverwaltung hat Lütjenburg keine Chance, von den Kassen akzeptiert zu werden. Daran hatte die Landrätin zuvor keinen Zweifel gelassen. "Stakendorf ist eben doch der Standort, der aus Sicht der Kreisverwaltung die meisten Vorteile hat", erklärte Stephanie Ladwig mit Blick auf die sechs Standorte, die in der engeren Wahl waren.

1600 Einsätze seien jährlich mindestens erforderlich, damit die Krankenkassen sich zu einer Finanzierung bereit erklärten. Werde diese Vorgabe nicht erfüllt, bleibe der Kreis voraussichtlich auf den Kosten sitzen. Und die sind erheblich. Jährlich fielen für den Kreis durch den zusätzlichen Standort rund 450 000 Euro an - für Notärzte, Rettungsassistenten und Abschreibung des Fahrzeugs.

Ein Gutachten hatte ergeben, dass Lütjenburg lediglich auf 1360 Einsätze käme, Stakendorf aber auf 1680. Weitere Bewertungskriterien, wie möglichst schnelle Eintreffzeiten, die bevorstehende Aufgabe des bislang von Kiel betriebenen Notarzt-Standorts Schönkirchen (Verlegung nach Kiel-Dietrichsdorf) und die örtlichen Gegebenheiten (Gebäude) sprechen aus Sicht der Verwaltung zumindest nicht gegen Stakendorf.

Das sah der Lütjenburger CDU-Abgeordnete Stefan Leyk ganz anders: Er machte sich einen Antrag der FWG zu eigen und plädierte letztlich vergeblich für Lütjenburg. "Unser Antrag bietet die größtmögliche Versorgung des Kreises", warb Leyk. Er verwies darauf, dass die nötige Infrastruktur in Lütjenburg vorhanden sei und sofort genutzt werden könnte, was in Stakendorf nicht der Fall sei.

Widerspruch erntete Leyk bei SPD, Grünen, FDP und UWG. SPD-Fraktionschef Lutz Schlünsen verwies wie andere Redner darauf, dass wegen der prognostizierten Einsatzzahlen nur Stakendorf mit den Krankenkassen zu machen sei. "Das können wir nicht einfach vom Tisch wischen", warnte Schlünsen. Das Problem fehlender Räume sei lösbar. Dem Vernehmen nach hat der Stakendorfer Bürgermeister dem Kreis bereits eine geeignete Immobilie vorgeschlagen.

Hintergrund der stellenweise hitzigen Diskussion, die auch von Mitgliedern des Lütjenburger "Notarztbündnisses" verfolgt wurde, ist eine jahrelange Unterversorgung, die dem Raum Lütjenburg von allen Rednern konzediert wurde. Mittlerweile ist in der Stadt zwar ein Rettungswagen stationiert. Es dauert aber nach allgemeiner Auffassung zu lange, bis nach den Rettungsassistenten ein Notarzt eintrifft. Der brauche 20 bis 25 Minuten, gab Stephanie Ladwig die Ergebnisse eines Gutachtens wieder und fügte hinzu: "Diese Zahlen wollen wir nicht so hinnehmen." Mit dem nun erteilten Verhandlungsauftrag sei noch nichts beschlossen, hatte Stephanie Ladwig zu Beginn der Debatte deutlich gemacht. Für den Standort Stakendorf sollen die Kassen aber bereits positive Signale gesandt haben.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen