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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 09:58 Uhr

„Mühlencafé ein Euro-Grab“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Steuerzahlerbund prangert Kauf der Ex-Gaststätte an

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2014 | 12:07 Uhr

Der Bund der Steuerzahler hat sein Urteil gefällt: „Völlig verrannt hat sich die Gemeinde Grebin mit dem Ankauf eines historischen Cafés“, hieß es gestern in einer Pressemitteilung zur Vorstellung des Schwarzbuchs, in dem auch acht Beispiele für Steuerverschwendung aus Schleswig-Holstein aufgelistet werden. Darunter ist auch das Mühlen-Café, das die Gemeinde im Jahr 2012 noch unter ihrem damaligen Bürgermeister Hans-Werner Sohn (CDU) für 190 000 Euro erworben hatte. Weitere 17 000 Euro flossen in ein Gutachten
des Beratungsunternehmens „Inspektour“, das den Abriss des maroden Gebäudes empfahl.

Der heutige Grebiner Bürgermeister Jochen Usinger (KWG), der den damaligen Kauf als Gemeindevertreter mitgetragen hat, ist da ganz anderer Meinung. „Wir haben uns überhaupt nicht verrannt, ganz im Gegenteil, sondern das ist eine sehr positive Entwicklung für die Gemeinde.“ Derzeit stehe er mit einem Ehepaar als möglichem künftigen Nutzer in Verhandlungen. Ohne näher ins Detail zu gehen, gab sich Usinger optimistisch, „dass sich dort etwas Schönes für die Region entwickelt“.

Der Steuerzahlerbund ist da weniger positiv gestimmt. Das Ergebnis des „Inspektour“-Gutachtens sei ein Schock für die Gemeindevertreter gewesen. Marode Bausubstanz und die ungünstige Raumaufteilung ließen demnach keine wirtschaftliche Nutzung zu, ein Neubau lasse sich nicht wirtschaftlich betreiben. Mit einem Neu-bau jedoch hätten die Gutachter keine denkbare Nutzung für einen dauerhaft kostendeckenden Betrieb gesehen. Deshalb habe die Empfehlung gelautet, das Gebäude abzureißen und einen parkähnlichen Garten anzulegen. Geschätzte Kosten: noch einmal 50 000 Euro.

Den Versuch, nun doch noch einen Pächter zu finden, kritisiert der Steuerzahlerbund. „Wer den selbst beauftragten Gutachteraussagen nicht folgen will, darf sich nicht wundern, wenn aus dem Mühlencafé ein Euro-Grab wird.“ Es sei unsicher, ob ein Gastronom mit der nicht mehr zeitgemäßen Ausstattung überhaupt eine neue Konzession erhalten könne. Doch das sieht Usinger gelassen. Die künftige Nutzung müsse nicht unbedingt in Richtung Gastronomie gehen. „Denn essen können wir an allen Ecken.“

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