Fitness in Techau : „Mucki-Bude“ im Altersheim: „Mein Herz ist das einer 18-Jährigen“

„Sport muss sein, sonst wird man ganz lahm“, lautet das Motto von Hildegard Paustian. Die 96-Jährige will im hohen Alter fit bleiben.
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„Sport muss sein, sonst wird man ganz lahm“, lautet das Motto von Hildegard Paustian. Die 96-Jährige will im hohen Alter fit bleiben.

Im Pflegezentrum Techau gibt es ein eigenes therapeutisches Sportangebot für die Bewohner.

shz.de von
18. April 2019, 21:45 Uhr

Techau | Ein Pflegeheim mit eigenem Fitnessstudio und persönlichem Trainingsplan? Das eigens entwickelte Konzept im Pflegezentrum Techau ist in Norddeutschland einmalig.

Bereits bestehende Angebote von Reha-Sport als Krankenkassenleistung sowie Physio- und Ergotherapie auf Rezept durch externe Fachkräfte werden um dieses „Inhouse“-Modul ergänzt. An den sieben Trainingsgeräten kann die Muskelkraft der Bauch- und Rückenmuskulatur sowie der Arme und Beine gestärkt werden.

Ergotherapeutin Tatjana Stefan gibt Bewohnern Hilfestellung.
Nicola Sieverling
Ergotherapeutin Tatjana Stefan gibt Bewohnern Hilfestellung.
 

„Es geht nicht um einen Waschbrettbauch, sondern den Erhalt von Mobilität und Beweglichkeit. Wer sich bewegt, bleibt fit und fühlt sich gesünder“, sagt Einrichtungsleiter Ralf Bernitt, der zusammen mit Verwaltungsleiterin Gaby Henke die Idee für das neue Angebot hatte. „Nach der begeisterten Teilnahme unserer Bewohner an der Fahrrad-WM – Sykkel-VM for Eldere“ 2017 – wollten wir das Sportangebot erweitern“, ergänzt Bernitt.


Geräte für Rollstuhlfahrer geeignet

Die 96-jährige Hildegard Paustian war sofort Feuer und Flamme:

Mein Herz ist das einer 18-Jährigen, aber die Beine wollen nicht mehr so recht. Hildegard Paustian (96)

Der Rollstuhl hindert sie nicht am Armtraining. Einfach die Fußstützen an dem Sportgerät umbauen und schon kann Hildegard Paustian direkt an das Gerät rollen. So lautet das Fazit der betagten Dame aus dem Pflegezentrum Techau:

Sport muss sein, sonst wird man ganz lahm. Hildegard Paustian (96)
 
„Sport muss sein, sonst wird man ganz lahm“, lautet das Motto von Hildegard Paustian. Die 96-Jährige will im hohen Alter fit bleiben.
Nicola Sieverling
 

Individueller Trainingsplan

Im Mittelpunkt des therapeutischen Sportangebotes steht der Erhalt der Selbstständigkeit in der alltäglichen Lebensführung. Die im Hause angestellte Ergotherapeutin Tatjana Stefan stellt für jeden Bewohner einen individuellen Trainingsplan zusammen. Er berücksichtigt körperliche Einschränkungen beispielsweise durch künstliche Gelenke und nimmt die persönlichen Ziele und Wünsche der Bewohner auf.

Bewohnerin Alice Buntrock (82) freut sich über mehr Bewegung im Fitnessraum.
Nicola Sieverling
Bewohnerin Alice Buntrock (82) freut sich über mehr Bewegung im Fitnessraum.
 

Mit Muskeltraining zur obersten Schublade

Alice Buntrock hat sich mit ihren 82 Jahren für die Armpresse als ihr Lieblingsgerät entschieden. Die Ergotherapeutin achtet auf den sicheren Ablauf. Der gezielte Muskelaufbau soll die alte Dame dazu befähigen, wieder mit dem Arm an die oberste Schublade in ihrem Zimmer zu gelangen. Die Jacke an den Garderobenhaken hängen – auch dazu möchte Alice Buntrock wieder in der Lage sein.


Training als Sturzprophylaxe

Den Alltag erleichtern und wieder mehr Lebensqualität erlangen: Das ist eines der Ziele des Konzeptes. Das Fitnesstraining zum Erhalt der Muskelkraft eignet sich ideal als Sturzprophylaxe und für die Zeit nach einem Krankenhausaufenthalt.

Ärztliche Verordnungen sind meist zeitlich begrenzt, sowohl in Anzahl der Behandlungen als auch in der Dauer der Anwendung. Hier setzt das neue Angebot an. Ralf Bernitt, Einrichtungsleiter
 

Auch Bewohner mit kognitiven Einschränkungen blühen geradezu wieder auf. Die gemeinsamen Trainingseinheiten mit Gleichgesinnten wirken motivierend und bringen Abwechslung in den Heimalltag. „Die Effekte dieses Angebotes sind noch gar nicht abzusehen“, ist sich der Einrichtungsleiter sicher.


„Vital-Stube“ mit Sofa und Sessel

„Der Name ist Programm“ sagt Gaby Henke. „Sich vital halten in einer gemütlichen Umgebung, wie in einer Wohnstube, so können wir die Bewohner motivieren, das Angebot anzunehmen.“ Im Raum stehen nicht nur der Geräte-Parcours, sondern auch ein kleines Wohnzimmer mit Sofa und Sessel im englischen Stil.

So wird die Wartezeit bis ein Gerät frei wird für Gespräche genutzt. Die Sitzgruppe erfüllt so eine wichtige soziale Funktion. Auf dem Tisch stehen Wasser und andere Getränke als Durstlöscher für die betagten Sportler. Fünf Mal in der Woche ist die Vital-Stube geöffnet. Die Finanzierung läuft über die Pflegesätze.

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