Insolvenz des Traumschiffs : MS „Deutschland“: Verkaufsgespräche geplatzt

Die „Deutschland“ 2009 im Hamburger Hafen.
Die „Deutschland“ 2009 im Hamburger Hafen.

Es gab schon einen potenziellen Investor, doch der konnte sich nicht entscheiden. Jetzt droht den Mitarbeitern der Reederei Deilmann die Kündigung.

shz.de von
20. Januar 2015, 15:24 Uhr

Neustadt | Die Verhandlungen zum Verkauf der insolventen „Deutschland“ sind vorerst gescheitert. Die seit mehreren Wochen laufenden Gespräche mit einem potenziellen Investor seien abgebrochen worden, nachdem der mehrere Fristen versäumt hatte, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters Reinhold Schmid-Sperber am Dienstag.

Den 48 Mitarbeitern der Reederei des ehemaligen ZDF-„Traumschiffs“ droht damit die Kündigung. 30 von ihnen werden sofort von der Arbeit freigestellt. Es fehle das Geld für Löhne und Gehälter, sagte der Insolvenzverwalter auf einer Betriebsversammlung am Deilmann-Stammsitz in Neustadt. Es laufen Sozialplan-Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Die aus 50 Personen bestehende Stammbesatzung des Schiffes, das in Gibraltar vor Anker liegt, soll dagegen weiterbeschäftigt werden, um seinen Betrieb sicherzustellen.

Alle geplanten Reisen der aus der TV-„Traumschiff“-Reihe bekanntgewordenen „Deutschland“ wurden abgesagt. „Wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen, um Gästen und Vertriebspartnern Planungssicherheit zu geben“, sagte Schmid-Sperber. Passagiere, die bereits Zahlungen geleistet haben, bekämen ihr Geld über den Kundengeld-Absicherer zurück, versicherte er.

Jetzt verhandelt Schmid-Sperber nach Angaben seines Sprechers mit potenziellen Investoren, die ebenfalls Gebote abgegeben hatten, jedoch zunächst nicht zum Zug gekommen waren. Zu deren Anzahl und zur Höhe ihrer Angebote machte er keine Angaben.

Auf dem Schiff und seiner Eigentümerin, der „Deutschland“ Beteiligungsgesellschaft, lasten 60 Millionen Euro Schulden. Dazu kommen noch rund zwei Millionen Euro Außenstände der Reederei. Das Insolvenzverfahren für beide Unternehmen ist Anfang Januar am Amtsgericht Eutin eröffnet worden. Für den 20. Februar ist eine erste Gläubigerversammlung geplant. Allein die Beteiligungsgesellschaft hat rund 1500 Gläubiger.

Das ZDF und „Traumschiff“ - Produzent Wolfgang Rademann hatten sich bereits vor Wochen von der „Deutschland“ verabschiedet. Die neuen Folgen werden auf der „Amadea“ des Reiseveranstalters Phoenix-Reisen gedreht. Rademann hatte am 8. Januar erklärt, das Kapitel mit der „Deutschland“ sei für ihn abgeschlossen.

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