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Ostholsteiner Anzeiger

17. Dezember 2017 | 11:20 Uhr

Motorradrennen „Rund um den Kellersee“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg lockten vier Motorsportrennen rund um den Kellersee Hunderttausende an Zuschauern in die Holsteinische Schweiz

von
erstellt am 28.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Es ist ein kurzes, fast schon vergessenes Kapitel der Eutiner Stadtgeschichte zwischen 1948 und 1951:
Auto- und Motorradrennen rund um den Kellersee.

1948 waren die Folgen des verlorenen Weltkriegs 1939-45 noch allenthalben spürbar, selbst die Währungsreform am 20. Juni 1948 änderte anfangs daran wenig. Doch was viele Menschen in der Nachkriegszeit trotz großer materieller Not zusammenbrachte, war der Wunsch nach Unterhaltung und Vergnügen. Nicht nur auf kulturellem Gebiet, auch im sportlichen Bereich war in Eutin eine große Nachfrage vorhanden. Besonders die Jugendlichen, gleich ob Flüchtling oder Einheimischer, drängten in die wieder gegründeten Sportvereine und konnten zum Beispiel im Handball bei der Turnerschaft Riemann oder im Fußball bei Eutin 08 ansehnliche Erfolge erzielen.

In den Vorkriegsjahren hatte der deutsche Motorrennsport internationale Anerkennung gefunden. Einige der damaligen Automobilrennfahrer wie Rudolf Caracciola oder Bernd Rosemeyer sind heute noch bekannt.

Die Motorsportbegeisterung flammte nach Kriegsende schnell wieder auf. Überall fanden Rennen statt, auf der Straße, im Gelände, auf Rundkursen und auf den bekannten abgesperrten Rennstrecken wie dem Nürburgring.

Diese Veranstaltungen zogen viele Besucher an und belebten den Tourismus, was nicht nur damals für strukturschwache Gebiete äußerst wichtig war. Auch die Stadt Eutin war an der Belebung des Fremdenverkehrs, wie der Tourismus zu jener Zeit hieß, interessiert und suchte nach entsprechenden Möglichkeiten. Diese ergaben sich durch einige Eutiner Motorsport-Enthusiasten, die nach dem Vorbild bereits bestehender Motorradrenn-Rundkurse wie das Hamburger Stadtpark-Rennen auch für die Straßen um den Kellersee ein sportliches Großereignis planten.

Die Kreisgruppe Eutin im Schleswig-Holsteinischen Motorsport-Club Kiel mit dem Vorsitzenden Alfred Kutzer und seinen Mitstreitern Kurt Gähler, Bruno Kröger und Hermann Behrens hatte ein schlüssiges Konzept zur Ausrichtung eines Motorrad-Rennens „Rund um den Kellersee“ entwickelt. Dieses fand die Zustimmung sowohl der Stadt Eutin und der Gemeinde Malente als auch der Obersten Motorsportkommission als Genehmigungsbehörde für Sportveranstaltungen, des Verkehrsministeriums des Landes Schleswig-Holstein als Eigentümer der Straßen und des Polizeilichen Sicherheitsdienstes.

Wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Nachkriegs-Deutschland konnten noch keine Renn-Motorräder gebaut werden. Besonders die Nachwuchsfahrer waren auf das vorhandene alte Material angewiesen oder mussten sich aus
Serienmaschinen nach allen möglichen „Geheimrezepten“ Renn-Motorräder bauen.

Dazu wurden Zylinder verstärkt, Vergaser verändert, die Verdichtung erhöht und die Bremsen verstärkt. Auch die Bereifung war noch nicht optimal. Rennreifen standen nicht zur Verfügung, es konnte nur auf serienmäßig hergestellte Reifen zurückgegriffen werden.

Trotz dieser technischer Schwierigkeiten wurde nach intensiven organisatorischen Vorbereitungen und entsprechenden Werbemaßnahmen am Sonntag, dem 26. September 1948, das erste Nachkriegs-Motorradrennen in Schleswig-Holstein gestartet. Bereits am Freitag war ein freies Training zum Kennenlernen des anspruchsvollen, fast 13 Kilometer langen Rundkurses organisiert worden. Am Sonnabend folgte ein Pflichttraining, bei dem sich die Fahrer für das Sonntagsrennen qualifizieren mussten.

Insgesamt waren 115 Fahrer am Start, die sich in sechs Rennen packende Duelle lieferten. Neben den Rennen mit Motorrädern bis 125 Kubikzentimetern (ccm), 250, 350 und 500 ccm Hubraum wurden auch zwei Rennen mit Motorrädern mit Seitenwagen bis 600 und bis 1200 ccm gefahren. Sogar einige Eutiner fuhren die Rennen mit, so zum Beispiel die Brüder Werner und Kurt Bergholz auf Motorrädern der Marke DKW (125 und 250 ccm) und der Polizist Paul Dräger auf einer 500er BMW. Der Kellersee musste je nach Stärke der Motoren drei, vier oder fünf Mal umrundet werden.

Nicht nur die Rennstrecke, sondern auch sämtliche Zu-

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