Weber-Gymnasium : Motivation für eine gerechtere Welt

Will sich künftig noch umweltbewusster verhalten: Lara Cristin Rapp (13).
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Will sich künftig noch umweltbewusster verhalten: Lara Cristin Rapp (13).

Die bundesweite Bildungskampagne "Fair Future - Der Ökologische Fußabdruck" machte gestern im Weber-Gymnasium Station

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05. Mai 2011, 08:06 Uhr

Eutin | Es dauert nicht lange und Holger Krohn beschimpft scheinbar sein junges Publikum: "Mit so schäbigen Klamotten wäre ich nicht in die Schule gekommen", erklärt der 46-Jährige. Er ist im Auftrag der bundesweiten Bildungskampagne "Fair Future - Der Ökologische Fußabdruck" unterwegs. Vor ihm sitzen in der Aula des Eutiner Weber-Gymnasiums etwa 150 Schüler der 9. und 10. Klassen.

Das heißt: Die meisten Schüler, etwa drei Viertel, sitzen nicht mehr, sondern stehen. Sie symbolisieren damit den Teil der Weltbevölkerung, der mit lediglich einem Viertel der Rohstoffe auskommen muss. Das hat Folgen. Neue Kleidung können sie sich nur selten leisten, ganz zu schweigen von schicken Modeklamotten. Darauf spielte Krohn, der seit acht Jahren in Sachen Umweltschutz aktiv ist, an, als er seinem Publikum vorwarf, mit schäbiger Kleidung in die Schule gekommen zu sein.

Viel Fleisch, iPod, XXL-3D-Fernseher, Auto - Krohn macht den Schülern klar: Wenn die gesamte Weltbevölkerung - derzeit etwa 6,8 Milliarden Menschen - so leben würde wie die Europäer und die Amerikaner, bräuchten wir nicht eine Erde, sondern drei, um unseren Nahrungs- und Konsumgüterbedarf zu decken. Für seinen Lebensbedarf - vom täglich Brot bis zum Luxusgut - nutzt der durchschnittliche Bundesbürger 4,2 Hektar Land. Dieser "ökologische Fußabdruck" entspricht in etwa der Fläche von gut acht Fußballfeldern, für jeden Menschen stehen aber statistisch gesehen nicht einmal die Hälfte bereit, selbst wenn jeder nutzbare Quadratmeter bewirtschaftet würde. "Wir geben mehr Geld für Abmagerungskuren aus, als der Welthungerhilfe zur Verfügung steht", beschreibt Krohn die Schattenseiten der Wohlstandsgesellschaft.

Anschließend zeigt Krohn einen 35-minütigen Film, der die verschiedenen Aspekte des ökologischen Fußabdrucks beleuchtet - Nahrung, Kleidung, Konsumgüter. Ganz ruhig wird es als chinesische Jugendliche von Hungerlöhnen und harten Arbeitsbedingungen erzählen, unter denen sie Jeanshosen herstellen. Nicht anders sieht es bei Turnschuhen aus. Für ein Paar Schuhe, das 100 Euro kostet, bleiben der Näherin ganze 40 Cent Arbeitslohn, sagt eine junge deutsche Konsumentin im Film.

Entwickelt wurde die Filmpräsentation vom Verein für Jugend- und Erwachsenenbildung "die Multivision". Kooperationspartner sind der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), das "Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie" und der deutsche Ableger der Entwicklungshilfe-Organisation Oxfam. "Um der Klima- und Ressourcenkrise zu begegnen, bedarf es Menschen, die Veränderungen positiv gegenüberstehen und diese mitgestalten", heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins. Deshalb wende Multivision sich an die junge Generation, um deren Zukunft es gehe. Drei Jahre tourt die Präsentation durch Deutschland und ist dabei in etwa 1000 Schulen zu Gast. Im Weber-Gymnasium haben gut 600 Schüler mitgemacht, von der 5. bis 13. Klasse.

Krohn muss im Anschluss an den Film noch Motivationsarbeit leisten. Eine Schülerin spricht hohe Kosten an, die mit fair gehandelten Produkten verbunden seien, bei denen Näherinnen oder Bauern einen angemessenen Lohn für ihre Arbeit erhalten. Doch fair gehandelte Produkte müssen nicht unbedingt teurer sein, sagt Krohn und nennt ein Beispiel. Beim Kauf einer Schokolade habe er für ein Fair-Trade-Produkt 1,29 Euro gezahlt, während das vergleichbare konventionelle Produkt eines anderen Herstellers zwei Euro gekostet hätte.

Eine Schülerin hat Krohn jedenfalls in ihrem ökologischen Bewusstsein bestärkt: "Mir hat das sehr gut gefallen", sagt Lara Cristin Rapp. Die 13-Jährige will künftig noch mehr darauf achten, sich ökologisch korrekt zu verhalten: Laptop herunterfahren, wenn er nicht benutzt wird, Licht hinter sich ausschalten und keine Dinge kaufen, die man eigentlich gar nicht braucht.

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