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Auslandspraktikum : „Morgen gibt es Schlappschwanz“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Weber-Schüler Sören Link hat ein Wirtschaftspraktikum bei einer Firma in Polen absolviert, die Busse und Straßenbahnen baut.

von
erstellt am 29.Mai.2014 | 04:00 Uhr

Als Europaschule bietet das Weber-Gymnasium seinen Schülern die Möglichkeit, das Wirtschaftspraktikum im 12. Jahrgang im Ausland zu absolvieren. Neben Spanien, Frankreich und Schweden können die Schüler auch in Polen Arbeitserfahrungen sammeln, eine Chance, die Sören Link gemeinsam mit seinen Mitschülern Moritz Gadewoltz und Lasse Dähling nutzte und zweieinhalb Wochen bei „Solaris Bus & Coach“ arbeitete. Es ist eine Firma, die in Bolechowo in der Nähe von Posnan Autobusse und Straßenbahnen produziert. Hier sein Bericht:

„Ich war einer von drei Glücklichen, die ein Auslandspraktikum in Polen bei Solaris Bus & Coach machen konnten. Im Zug nach Polen beschäftigen uns viele Fragen, vor allem "Wie wird es bei den Gastfamilien?" und "Was wird uns bei Solaris erwarten?". Zwei Polen, die sich im Zug von Berlin nach Posnan mit uns unterhielten, konnten uns ein bisschen unsere Anspannung nehmen und viele Dinge vermitteln, die wir beachten sollten.

Von Anfang an wurden wir von unseren polnischen Gastgebern sehr freundschaftlich aufgenommen, so dass wir uns schnell wie ein Teil der Familie fühlten. Das Problem der Kommunikation - keiner von uns sprach Polnisch – war schnell vom Tisch, da die Polen fast immer Englisch und zum großen Teil auch Deutsch konnten. Wobei es auch gelegentlich zu Missverständnissen kam, beispielsweise als mir ein Gericht mit „Morgen gibt es Schlappschwanz“ angekündigt wurde. Es stellte sich heraus, dass es sich um Teigbällchen handelte, für die die Übersetzung im polnisch-deutschen Lexikon mit „Schlappschwanz“ angeben war. Und natürlich wurden uns die wichtigsten polnischen Vokabeln wie Hallo, Danke, Tschüss oder gut gleich noch am Abend unserer Ankunft beigebracht.

Den ersten Arbeitstag bei Solaris verbrachten wir im Hauptwerk in Bolechowo. Dort wurden wir von unserer Betreuerin, Katerina Kielczykowsca, sehr herzlich in Empfang genommen und erhielten einen ersten Überblick über das Unternehmen. Weitere Informationen über die verschiedenen Schritte der Produktion und der Organisation im Unternehmen erhielten wir von sehr engagierten und freundlichen Mitarbeitern auf Deutsch und Englisch. Und von Anfang an fühlte man sich von den Mitarbeitern integriert. Viele von ihnen waren sehr interessiert daran zu erfahren, warum wir gerade nach Polen gekommen waren und wie es uns dort gefiel.

Am Mittwoch begann dann unser eigentliches Praktikum im Servicestandort in Murowana Goslina, einer kleinen Stadt in der Nähe von Bolechowo. Dort konnten wir uns auf drei Abteilungen aufteilen: Technik, Logistik und After Sales. Moritz entschied sich für die Logistik, Lasse ging in die Technik und ich lernte die After-Sales-Abteilung kennen. Jeder von uns erfuhr viel über die Abläufe in einem solchen Unternehmen und über die Arbeit in den einzelnen Abteilungen. Während der Pausen wurden wir häufig gebeten, von unserem Leben in Deutschland zu erzählen und konnten viele neue Freunde finden. Der Feierabend wurde dann häufig genutzt um die Gegend zu erkunden, mit den Gastfamilien Freunde zu treffen oder um ein bisschen zu entspannen und sich mit der Familie über Gott und die Welt zu unterhalten.

Die Wochenenden waren den etwas größeren Plänen vorbehalten, wie die umliegenden Großstädte Posnan und Gniezno zu besichtigen, sich zum Bowlen oder im Schwimmbad zu treffen oder die Automesse in Posnan zu besuchen. Am Sonntagvormittag ging es zur Messe in die Kirche, für uns Deutsche ziemlich ungewohnt, ebenso wie das sehr leckere, aber auch deutlich deftigere Essen mit Fisch am Freitag. Wie mir eine Kollegin in der Firma sagte, gibt es für eine polnische Familie nichts Schlimmeres als einen hungrigen Gast. Entsprechend wurden wir immer sehr gut versorgt.

Ich kann nicht wirklich sagen, dass ich ein einzelnes schönstes Erlebnis hatte, sondern eher viele kleine. Die Momente in denen man gemerkt hat, dass man wirklich ein Teil der Familie war, weil man schon im Haushalt mithelfen konnte, oder die Augenblicke, in denen man bei der Arbeit anderen helfen konnte und sich wie ein Kollege fühlte.

Am emotionalsten und auch sehr besonders kamen mir die letzten zwei Tage vor, an denen man sich schon so gut eingelebt und angefangen hatte, die ersten stockenden Sätze Polnisch zu sprechen und sich nun von allen bei der Arbeit, von neuen Freunden und von der Familie verabschieden musste, Abschiedsgeschenke bekam und man plötzlich realisierte, wie schnell die zweieinhalb Wochen vorbeigegangen waren und wie gut man sich integriert hatte. Jedoch wurden auch gleich schon die ersten Pläne geschmiedet, die neu gefundenen Freunde in den nächsten Ferien wiederzusehen.

Zusammenfassend würde ich jedem, der die Chance hat, solche Erfahrungen im Ausland zu sammeln, empfehlen, sich auf das Abenteuer einzulassen, Arbeitserfahrungen in einer anderen Kultur zu sammeln, weil es so ganz anders ist, als wenn man als Tourist ein Land bereist.“

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