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Ostholsteiner Anzeiger

22. August 2017 | 23:25 Uhr

Mohammad Sood: Vorbild an Integration

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

„Den Flüchtlingen zu helfen, ist für mich, als ob ich meiner Heimat helfen würde.“ Der das sagt, ist selbst ein Flüchtling. Im Jahr 2011 kam Mohammad Sood (sprich: Sa-ud) aus Syrien nach Deutschland. Die ersten Tage im Erstaufnahmelager in Neumünster waren schwierig, erinnert sich der 45-Jährige. „Es war nicht mein Land, nicht meine Kultur.“

Doch Sood, der in seiner Heimat seine Mutter, sieben Schwestern und vier Brüder zurückließ, hatte Geduld. Und er hatte ein Ziel: Er wollte die Sprache lernen, und er wollte arbeiten. Bereits in Syrien hatte der Sportlehrer, der von 2004 bis 2010 die syrische Leichtathletik-Mannschaft trainierte, auch mit Behinderten gearbeitet, was dort eher ungewöhnlich war: „In Syrien bleiben Behinderte immer zu Hause, sie gelten ein bisschen als Schande“, berichtet der Eutiner.

Integrationsmanager Uwe Wille vom Kreis Ostholstein vermittelte Sood 2011 an die Behindertenhilfe „Die Ostholsteiner“, wo er dann ehrenamtlich arbeitete. Ein Jahr später landete Sood beim PSV Eutin. Für den Verein betreut er als Leichtathletiktrainer bis heute etwa ein Dutzend Athleten. Dort finde er aber auch selbst bis heute viel Unterstützung, sagt der anerkannte Asylbewerber.

Nach zwei Integrationskursen und Praktika absolvierte Sood schließlich eine Ausbildung als Betreuungskraft für Demenzkranke. An den 16. März 2015 erinnert sich noch ganz genau. An diesem Tag trat er seine Stelle im DRK-Pflegeheim in der Waldstraße an. „Damit ging für mich ein Traum in Erfüllung.“

Als die Landespolizeischule in Kiebitzhörn im Sommer für einige Monate plötzlich zur Aufnahmeeinrichtung wurde, kümmerte sich Sood für das DRK ehrenamtlich intensiv um die Flüchtlinge. „Ich war jeden Tag da, auch am Wochenende.“ Er sprach mittlerweile so gut deutsch, dass er für die Flüchtlinge zum Deutschlehrer wurde.

Inzwischen arbeitet Sood für den DRK-Kreisverband Ostholstein in Putlos und hilft, die mehr als 800 in der Wagrien-Kaserne untergebrachten Flüchtlinge zu betreuen. Darüber ist sein Chef, DRK-Geschäftsführer Martin Broziat, heilfroh: „In hitzigen Situationen ist es wichtiger, einen Mohammad Sood zu haben als zehn Polizisten“, sagt er. Sood genieße bei den Flüchtlingen sofort Vertrauen, aber auch Autorität. Und er führt sie auch in Putlos in die deutsche Sprache ein.

Nach seiner gelungenen Integration tut Mohammad Sood nun selbst etwas für die Integration von Flüchtlingen. Zu helfen, sei sein Ziel gewesen, als er nach Deutschland gekommen sei, sagt er. Wenn es das Aufnahmelager in Putlos irgendwann nicht mehr geben sollte, wolle er deshalb wieder mit alten Menschen arbeiten.

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erstellt am 19.Okt.2015 | 17:59 Uhr

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