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Ostholsteiner Anzeiger

24. August 2017 | 09:34 Uhr

Mohammad Saud ist in Deutschland angekommen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

„Ich habe vielleicht einen Fehler gemacht“, sagt Mohammad Saud. Denn gestern hat er einer Bewohnerin des DRK-Heims in der Eutiner Waldstraße erzählt, dass er den letzten Tag in der Einrichtung arbeiten wird. Der Frau seien daraufhin die Tränen gekommen. Doch für Saud ist der Abschied die Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte. Es ist die Geschichte einer gelungenen Integration eines Asylbewerbers in den deutschen Arbeitsmarkt. Heute tritt Saud, der bislang eine 25-Stunden-Stelle als Betreuer hatte, für das DRK einen Vollzeitjob in Putlos an. Dort wird sich der 45-Jährige um die etwa 800 Flüchtlinge kümmern, die jetzt in der von der Bundeswehr geräumten Kaserne leben.

Sein Chef Martin Brosziat vom DRK-Kreisverband ist voll des Lobes über seinen Angestellten: „Wir schätzen Mahommad Saud sehr. Er ist nicht nur ein engagierter Mitarbeiter, sondern bringt sich auch sozial sehr stark ein.“ Sechs Monate arbeitete Saud ehrenamtlich bei der Behindertenhilfe „Die Ostholsteiner“. Außerdem trainiert er Leichtathleten des PSV Eutin.

Im Jahr 2011 kam Saud aus Syrien nach Deutschland. Der Sportlehrer hatte es in seinem Heimatland zu
etwas gebracht. Von 2004 bis 2010 trainierte er die syrische Nationalmannschaft der Leichtathleten. Doch als ehemaliger Muslim, der vor mittlerweile 18 Jahren zum katholischen Glauben übergetreten war, fühlte er sich in Syrien nicht mehr sicher.

Als Saud nach Eutin kam, sprach er kein Wort Deutsch. „Nur ein bisschen Englisch und Arabisch“, berichtet er. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen. In den vergangenen Wochen hat er für Flüchtlinge, die in Kiebitzhörn in der
Landespolizeischule untergebracht sind, selbst Deutschkurse gegeben – ehrenamtlich. Sein ehemaliger Fallmanager beim Jobcenter Ostholstein, Martin Marquardt, der ihn gestern beim Pressetermin nach längerer Zeit wieder sah, zeigte sich beeindruckt: „Ich bin sehr angenehm überrascht, wie gut Sie jetzt Deutsch sprechen.“

Nach seiner Anerkennung als Asylbewerber absolvierte Saud zwei Integrationskurse des Jobcenters, damit war er in der Lage, im März 2015 die Prüfung zum Pflegeassistenten auch sprachlich zu bewältigen. Die übrigen Voraussetzungen hatte er sowieso. In Syrien pflegte er seinen Vater, kümmerte sich außerdem um Behinderte. „Er hat eine sehr große Motivation ausgestrahlt“, erinnert sich Marquardt. Und sein soziales Engagement sei sofort zu spüren gewesen. Saud ist glücklich über seinen Job beim DRK. „Das ist wie ein Traum.“

Denselben Traum haben 60 anerkannte Asylbewerber aus Syrien, Eritrea, dem Irak und Afghanistan, die das Jobcenter Ostholstein derzeit betreut. Ein Teil von ihnen warte aktuell auf die Teilnahme an einem Integrationskurs des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge oder sucht eine Berufsausbildung oder Beschäftigung, sagt Karsten Marzian.

Der Leiter des Jobcenters ist überzeugt, dass vor allem anderen der Erwerb der deutschen Sprache für die Flüchtlinge wichtig ist. „Da setzen wir alles dran.“ Dies sei Voraussetzung, um eine Berufsausbildung zu absolvieren oder eine qualifizierte Beschäftigung aufzunehmen. Gar nichts hält Marzian unterdessen von der Idee, Flüchtlinge von der Mindestlohnregelung auszunehmen. „Das kann nicht der Weg sein.“ Anerkannte Asylbewerber müssten ein Einkommen erhalten, mit dem sie ohne Unterstützung des Jobcenters leben könnten.

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erstellt am 30.Sep.2015 | 17:07 Uhr

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