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Ostholsteiner Anzeiger

20. November 2017 | 16:47 Uhr

„Modernisierung ist unwirtschaftlich“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Faktencheck: Laut Innenministerium ist Haus des Gastes „nicht förderfähig“

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2017 | 00:28 Uhr

In drei Tagen wird in Eutin neben der Landtagswahl über die Zukunft des Hauses des Gastes (HdG) an der Stadtbucht entschieden. Der OHA hat Argumente der Bürgerinitiative (BI) zum Erhalt und zur Sanierung des Hauses sowie der Stadtvertreter und der Verwaltung einem Faktencheck unterzogen.

Warum ist der Unterschied zwischen den Summen der Stadt und der Bürgerinitiative für eine Sanierung so groß?

Laut Modernisierungsgutachten der Stadt soll die Sanierung rund 2,84 Millionen Euro kosten. Die Bürgerinitiative geht nach eigener Berechnung von 504  000 Euro aus, um das Gebäude in ihrem Sinne nutzbar zu machen. Kritik der BI an der Stadt: „Die kostenintensive Tieferlegung der Hausmeisterwohnung wurde von uns nicht gefordert und kostet allein rund eine Million Euro.“ Kritik der Stadtvertreter an der BI-Berechnung: „So, wie die BI das Haus sanieren will, ist es nicht für die öffentliche Nutzung genehmigungsfähig. Eine Inneneinrichtung ist in den Kosten überhaupt noch nicht enthalten.“

Ist das Haus des Gastes förderfähig oder nicht?

BI: „Die Möglichkeit von Fördermitteln für beide Objekte (Schlossterrassen mit 80 Prozent, das HdG mit 50 Prozent) ergibt sich aus dem Sanierungskonzept der Stadt Eutin von 2013.“

Stadtvertreter: „Die von der BI im Haus des Gastes geplante wirtschaftliche Gastronomie hätte zur Folge, dass es für eine Sanierung keine Förderung geben wird.“

Aus dem Innenministerium heißt es dazu auf Nachfrage: „Bei einer privaten Nutzung des Gebäudes (als solche wäre eine Cafeteria einzustufen) ist die Förderung einer Gebäudemodernisierung ausgeschlossen, da nach den hier vorliegenden belastbaren Erkenntnissen die Ausgaben für die Modernisierung 70 Prozent der Ausgaben eines vergleichbaren Neubaus überschreiten würden (Bezugsgröße ist hier Nutzfläche). Eine Anerkennung höherer Ausgaben ist wegen der fehlenden geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung des Gebäudes ausgeschlossen. Somit ist aufgrund der Unwirtschaftlichkeit einer Gebäudemodernisierung ein Einsatz von Städtebauförderungsmitteln nicht möglich.“

Wäre zusätzlich zur Reithalle das Haus des Gastes förderfähig?

Das Innenministerium sagt: „Nein. Eine Förderung eines weiteren Veranstaltungszentrums neben den Torhäusern und der historischen Reithalle ist ausgeschlossen.“ Ohnehin sei generell eine Förderung bei einer öffentlichen Nutzung des Gebäudes ausgeschlossen, da das Gebäude im Gegensatz zu den Torhäusern und der Reithalle nicht unter Denkmalschutz stehe. Dies sei im Städtebauförderungsprogramm aber Fördervoraussetzung für Gemeinbedarfseinrichtungen, die nicht überwiegend der Versorgung der Bevölkerung im Fördergebiet diene. Aber: „Dass für das Gebäude eine öffentliche Nutzung gefunden werden kann, die überwiegend der Versorgung der Bevölkerung im Fördergebiet dient, ist schon allein wegen der Besonderheit des Gebäudes und aufgrund seiner Lage im Stadtgefüge auszuschließen.“

Hat Eutin keine kleinen Veranstaltungsräume?

BI: „Eutin braucht kleine und mittlere Räume für Ausstellungen, Konzerte, Vereine und als Ort zum Verweilen für Touristen. Die Reithalle wird große Räumlichkeiten für Bälle und Tagungen bieten.“

Stadtvertreter: „In den Schlossterrassen werden alle Veranstaltungswünsche erfüllt.“ Neben einem Saal mit Bühne für bis zu 500 Besucher sind ein kleiner Saal mit Bar/Lounge (für mehr als 50 Besucher mit multifunktionaler Nutzung) und ein Saal für 40 bis 50 Besucher geplant. Außerdem eigne sich das HdG wegen seiner offenen Bauweise nicht für Konzerte oder Lesungen, auch deshalb stehe es seit mehr als zehn Jahren leer.

Neben den beiden Gebäuden gibt es beispielsweise den Bürgertreff in der Stolbergstraße, Räume in Gaststätten, die Orangerie im Schlossgarten, das sanierte Torhaus. Kleinere Räume sind nach Auskunft der Stadt auch im Kreishaus, der Volkshochschule, der Kreis- und Landesbibliothek sowie im Ostholstein-Museum und bei der Kirche vorhanden. Auch die Räume in einem HdG wird es für Veranstaltungen nicht umsonst geben. In einem Grundsatzbeschluss heißt es nach Auskunft von Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt, dass alle öffentlichen Räume nur gegen Gebühr vermietet werden.

Gibt es künftig ein Café an der Stadtbucht sowie eine Toilettenanlage?

Die Bürgerinitiative kennt nach eigenen Angaben drei Interessenten, die Interesse an einem Betrieb im HdG haben, sollte es saniert werden. Die Stadtvertreter sprachen sich ebenso wie Bürgermeister Carsten Behnk für eine kurzfristige mobile, aber hochwertige Saison-Gastronomie aus. Ob allerdings noch in diesem Sommer etwas realisiert werden kann, ist derzeit offen. „Ein WC-Container ist bestellt, um kurzfristig Abhilfe zu schaffen. Wie es sonst am Standort weitergeht, hängt von der Abstimmung am Sonntag ab“, teil-
te Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt auf Nachfrage mit.

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