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Süsel : Mittelerde liegt am Ufer des Süseler Sees

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Reinfelder Verein „Farmion“ nutzt das Jugendheim „Tannenhöhe“ als Kulisse für Liverollenspiele in einer Fantasiewelt. Die Teilnehmer kommen aus ganz Norddeutschland.

Markerschütternde Schreie gellen über das Gelände des Jugendheimes. Auch Gebrüll und gelegentliches Zetern sind zu vernehmen. Und außergewöhnliche Gestalten treiben sich an der Tannenhöhe herum. Sie tragen seltsame Gewänder, sind geschminkt und teilweise bewaffnet mit Pfeil und Bogen, mit Schwertern und Lanzen.

„Sie erleben gerade, wie Menschen und Elben dem Reich der Ansealy zu nahe gekommen sind“, erklärt Lars Apelt dem Journalisten. Der wird Zeuge einer Kampfszene: Figuren in lilabetonten Gewändern, mit weißgeschminkten Gesichtern und kleinen Hörnchen auf der Stirn, liefern sich Schwertgefechte mit jungen Leuten, die altmodisch gekleidet sind. Dabei wird dann schon mal kräftig gebrüllt.

Willkommen in Tolkiens Mittelerde. Oder besser auf dem Fantasiekontinent Awarnor. Dort gibt es das Volk der Ansealy, ein von der Hexenkönigin verdorbener Clan von Feen. Das sind die Bösen. Und es gibt Feengötter, Elben, Halblinge, Zwerge und auch Menschen. Sie bilden den awarnorischen Bund. Das sind die Guten, die sich gegen die Ansealy verteidigen müssen.

Es gibt aber auch Kobolde mit grünen Gesichtern, die häufig in hohen Tönen herumgeifern. Die sind weder gut noch böse, aber sie „nerven alle anderen“, wie Lars Apelt einräumt – und bewundernd anmerkt: „Ich hab keine Ahnung, wie die das schaffen, den ganzen Tag so rumzuzetern.“

Larp: Live action role play (Liverollenspiel) heißt das Vergnügen, dem sich rund 70 Kinder ab 12 Jahren sowie Jugendliche und Betreuer für ein Wochenende auf dem Gelände des Jugendheimes Tannenhöhe hingeben. Organisiert wird das Spiel von dem Reinfelder Verein „Jugend-Phantasie-Club Farmion“.

Gut 100 Mitglieder gehören ihm an, an den Larp–Wochenenden – fünf bis sechs gibt es im Jahr – nehmen auch Kinder und Jugendliche teil, die nicht dem Verein angehören. „Wir sind ein anerkannter Träger der freien Jugendhilfe“, sagt der Vorsitzende Thorsten Rath (32).

Beim Liverollenspiel könne sich Menschen jeden Alters dem Spaß des Verkleidens und des Eintauchens in ein anderes Leben hingeben. Jeder darf sein, was er gerne sein möchte.

Beim gemeinsamen Agieren werden dem Handeln allerdings Grenzen gesetzt. „Für jedes Wochenende legt ein Orga-Team einen Handlungsrahmen fest“, erläutert Vorstandsmitglied Lars Apelt. Beim jüngsten Larp in Süsel hatten Dennis Prüßmann und Nicole Truckenmüller das „Drehbuch“ geschrieben.

Neben einem groben Aktionsplan gibt es während des Spieles noch zusätzliche, spontane Regieanweisungen: Insgesamt acht Personen, die alle in Schlüsselpositionen am Spiel mitwirken, können sich über Funkmikrofone austauschen und bei Bedarf die Handlung steuern.

Die Geschichte wird von einem zum nächsten Larp fortgeschrieben. Den Ausgang jeder Episode schlägt das Orga-Team zwar vor, er muss aber nicht eintreten – dazu entwickelt sich bei jedem Larp-Wochenende zu viel Dynamik.

Das Jugendheim in Süsel wurde nicht zum ersten Mal von Farmion genutzt: „Es ist sehr gut geeignet“, findet Dennis Prüßmann. Dazu trage sowohl die Zeltform der Unterkünfte als auch das Umfeld mit Wald und Seeufer bei – und ausreichend Platz auf einer nahen Wiese für ein Zeltlager der Ansealy.

So, wie die Fantasie-Romane des J.R.R. Tolkien („Herr der Ringe“) dauerhaft Konjunktur haben, so freut sich auch Farmion über anhaltenden Zuspruch. An den Angeboten des Vereines nähmen im Jahr über 1000 Mädchen und Jungen ab 10 Jahren aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern teil. Farmion sei in Norddeutschland mit seinen Fantasy-Spielen ziemlich einmalig. Und Fantasy-Spiele seien eine Freizeitbeschäftigung, mit denen die Entwicklung von Kindern gefördert werde, sagt Rath.

„Wir leisten sehr aktive Jugendarbeit“, sagt der Vorsitzende weiter. Dazu gehöre eine intensive Betreuung von ausgebildeten Jugendgruppenleitern und eine Komplettversorgung während der Spiel-Wochenenden. Die Kinder könnten mit dem Abtauchen in eine andere Welt durch ihre Charaktere „einen bedeutenden Teil zur Weltgeschichte in Awarnor“ beitragen und so ihr Selbstbewusstsein stärken.

Dem Reiz des Rollenspieles erliegen freilich auch Erwachsene anhaltend. Auf der Internetseite von Farmion steht die einfache Erklärung: „Eigentlich geht es bei diesem Hobby nur um eines: Spaß!“

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erstellt am 07.Apr.2015 | 06:00 Uhr

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