Mitstreiter für eine Kinderwehr gesucht

Befördert und geehrt: Wehrführer Lützel (von rechts) mit Hans Kloth, Thomas May, Jens Fabricius, Alexander Böhmke, Matthias Bahr und Sebastian Geilen. Foto: lsp
Befördert und geehrt: Wehrführer Lützel (von rechts) mit Hans Kloth, Thomas May, Jens Fabricius, Alexander Böhmke, Matthias Bahr und Sebastian Geilen. Foto: lsp

Nahezu jedes Kind träumt davon, Feuerwehrmann zu werden. In der Realität kämpfen die Feuerwehren seit Jahren um Nachwuchs, um dem gesetzlichen Auftrag nachkommen zu können.

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22. Februar 2011, 11:03 Uhr

| Um diesem Problem entgegenzuwirken, gründete die Malenter Ortswehr vor drei Jahren eine Arbeitsgruppe und erarbeitete ein Konzept. Das Ziel: Die Gründung eines Fördervereins, in dem Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren spielerisch an die Aufgaben der Wehr herangeführt werden. Was noch fehlt, sind Mitstreiter für die erste "Kinder-Feuerwehr" in Schleswig-Holstein.

"Das Konzept ist fertig, und wir könnten morgen starten", sagt Ortswehrführer Jürgen Hansen. Die Kindergruppe wäre ein Unterbau der Jugendfeuerwehr. Die Inhalte der "Kinder-Feuerwehr" sollen auf einer Früherziehung im Bereich der allgemeinen Jugendarbeit mit dem Schwerpunkt Naturwissenschaften liegen. Beispielsweise Themen wie Naturgewalten (Sturm, Regen, Lawinen), "Wo kommt das Trinkwasser her" oder "Wie funktioniert Feuer und wie das Löschen" sowie Erste-Hilfe-Kurse für Kinder, Baderegeln oder Verkehrssicherheitstraining mit dem Fahrrad sollen kindgerecht vermittelt werden.

Die Gruppe soll durch qualifizierte Feuerwehrangehörige geleitet werden. Sie sollen einmal wöchentlich einen Übungsnachmittag leiten, außerdem für Veranstaltungen und Ausflüge verantwortlich zeichnen. Eine Erzieherin oder Pädagogin soll die Betreuung auf 400-Euro-Basis übernehmen. "Wenn sich jemand bereit erklärt, das ehrenamtlich zu machen, ist das noch besser", meint der stellvertretende Ortswehrführer, Martin Gutt-chen, der maßgeblich an dem Konzept beteiligt ist.

Durch die frühe Bindung an die Feuerwehr sehen Hansen und Guttchen zusätzliche Chancen der Mitgliedergewinnung für die Jugendfeuerwehr und die Einsatzgruppen. Durch den Aufbau der Kinderabteilung verbinden sie auch die Hoffnung, Freunde der Kinder und Elternteile für die Wehr zu begeistern.

Dank der vor 32 Jahren begonnenen, intensiven Jugendarbeit kommen seit einigen Jahren die Aktiven der Malenter Wehr noch aus den Reihen der Jugendwehr. In der Altersgruppe der unter 35-Jährigen beträgt der Anteil 72,25 Prozent. Trotzdem reicht das nicht aus, um den Mitgliederbestand der Aktivern konstant zu halten. Zu den Gründen gehören die demografische Entwicklung, arbeitsbedingte Abwanderungen und die geänderten Freizeitbedürfnisse.

Der Bedarf einer "Kinder-Feuerwehr" ist laut Konzept vorhanden. Bei Brandschutz-erziehungen- und Übungen in Malenter Kindergärten und Grundschulen kämen regelmäßig Anfragen von unter Zehnjährigen, die bei der Jugendfeuerwehr mitmachen wollen. "Diese abgewiesenen Kinder sind für die Feuerwehr zurzeit verloren" betont Hansen.

Eine Absenkung des Eintrittsalters bei der Jugendfeuerwehr befürwortet die Wehrspitze nicht. Die Jugendgruppenleiter hätten festgestellt, dass die Zehn- bis Zwölfjährigen noch nicht die körperlichen und geistigen Fähigkeiten für viele Aufgaben besäßen.

In den meisten Bundesländern wurde das Brandschutzgesetz geändert, um die Kinderabteilungen in den Wehren etablieren zu können. Laut Malenter Konzept nutzen inzwischen bundesweit mehr als 11 000 Kinder unter zehn Jahren das Angebot. Einzig das Saarland und Schleswig-Holstein sind in dieser Entwicklung weiße Flecken.

Eine erste Kostenschätzung zur Gründung einer "Kinder-Feuerwehr" ergibt einen einmaligen Betrag von rund 2000 Euro, um eine Erstausstattung anzuschaffen und die Räume kindgerecht zu gestalten. Die jährlichen Kosten für die Betreuung, Eintrittsgelder und Bastelmaterial sind mit knapp 8500 Euro kalkuliert. Die Refinanzierung soll durch Sponsoren, Mitgliedsbeiträge und Fördermittel erfolgen. Eine Voraussetzung für die Vereinsgründung ist, dass die Gemeinde Malente der Ma-lenter Feuerwehr genehmigt, die Anlagen für das Projekt zu nützen. Politisch wird das Konzept befürwortet.

Jürgen Hansen und Martin Guttchen suchen nun Mitstreiter, die sich im Vorstand engagieren. Denn: Um die Gemeinnützigkeit für einen Förderverein zu erhalten, dürfen nur zehn Prozent der Vorstandsmitglieder aus der zu fördernden Organisation beteiligt sein. "Es sollte Aufgabe eines jeden Bürgers sein, sich aktiv oder fördernd bei der Feuerwehr einzubringen", sagt Hansen - und wünscht sich bei der Gründung viele Mitglieder.

Interessierte können sich direkt mit Martin Guttchen (0177/4390755 oder 04523/4003 420) oder Jürgen Hansen (0172/4149478 oder 04523/6574) in Verbindung setzen.

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