Gemeinde Süsel : Mit Wachposten gegen die Cholera

Bürgermeister Holger Reinholdt skizzierte die eigenen 70 Jahre in Bockholt. Dorfvorsteher Udo Anger begrüßte die Gäste.  Fotos: juk
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Bürgermeister Holger Reinholdt skizzierte die eigenen 70 Jahre in Bockholt. Dorfvorsteher Udo Anger begrüßte die Gäste. Fotos: juk

Bockholt feiert 875 Jahre Dorfleben mit einem historischen Rückblick und einem Dorffest für Jung und Alt.

shz.de von
25. Juni 2018, 00:57 Uhr

Klara-Marie drehte das Glücksrad, bis sie den Winkelmesser endlich ergatterte. Am Samstag feierte Bockholt sein 875-jähriges Bestehen. Ein Fassensdorfer erinnerte an die Geschichte Bockholts.

Helge Lehmkuhl hatte in alten Dokumenten gestöbert und warf im voll besetzten Dorfhaus einen Blick auf die Vergangenheit. Graf Adolf II. hätte für die Region geworben und die Menschen seien gekommen. In Süsel dem heutigen Hauptort der Gemeinde, hätten sich Friesen niedergelassen. Der Ursprung Bockholts geht Lehmkuhl zufolge auf vier Hufner zurück, die sich am Weg niedergelassen hatten.

Zeitlich wechselte der Laienchronist schnell ins 18. Jahrhundert, berichtete von der Maul- und Klauenseuche, die damals noch mit dem Verbot bekämpft worden sei, keine Knechte und Mägde aus den Nachbardörfern anzuwerben. Gute 100 Jahre später sollten Posten an den Zufahrtswegen die Cholera vom Dorf fernhalten. Über die Wirkung der Wachen sei nichts belegt, doch das Dorf verschont geblieben.

Lehmkuhl erinnerte an die Unterschiede der politischen Zugehörigkeit. Einige Dörfer der heutigen Gemeinde hätten zum königlich-dänischen Ahrensbök gehört, doch Bockholt viele Jahrhunderte zum Bistum Lübeck. 1933 sei Bockholt der Großgemeinde Süsel zugeordnet worden.

Bis in die zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die Kinder in Bockholt unterrichtet worden. Lehmkuhl zufolge waren es 1952 mit 147 ungewöhnlich viele – begründet im Zuzug von Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Mit Ansiedlung einer Gastwirtschaft und Entstehung der Spritzengemeinschaft (1895 Röbel, Bockholt, Zarnekau), dem Vorläufer der Freiwilligen Feuerwehr, hätten Feste zum Dorfleben gehört und Reiter- und Kinderfest die Menschen angezogen. Die Zahl der Besucher sei mit Eröffnung der Bahnstrecke im Frühjahr 1873 und der Station Bockholt weiter gestiegen. Anziehend wären auch die Feuerwehrfeste gewesen, seien die Löschkräfte doch für ihre Tanzkünste bekannt gewesen.

Lehmkuhl erinnerte an die Stromanbindung 1914, das Aufstellen von Straßenlaternen in den 60er-Jahren und die Erdgasleitung 1998. Im Jahr zuvor habe sich die Einwohnerzahl durch den Bau der Siedlung Överdiek fast verdoppelt. In dem Jahr hätte der damalige Bürgermeister Wilhelm Boller dem Dorf das Schleswag-Haus überlassen. Die Bockholter machten es zu ihrem Dorfhaus und feierten seit dem viele Kinderfeste, richteten Skat- und Kniffelabende, Grünkohlessen und Weihnachtsbasare aus.

Der Süseler Bürgermeister ist inzwischen ein ehrenamtlicher, Holger Reinholdt berichtete aus seinen eigenen 70 Jahren, die er in Bockholt aufgewachsen ist und lebt.

Die Geschichte geht nicht nur weiter, der Dorfvorstand, der Sport- und Kulturverein und Helge Lehmkuhl wollen die Chronik, die Dr. Helmut Röhr 1993 verfasste, gerne weiterschreiben lassen. Dafür sind nach Aussage von Dorfvorsteher Udo Anger bereits mehr als 700 Euro gespendet worden. Die Organisatoren rechnen mit dreimal so hohen Kosten.

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