Mit Tradition in die Zukunft

Eine Urkunde der Stadt zum 350. Gildegeburtstag überreichten (von links) Bürgervorsteher Dieter Holst und Bürgermeister Carsten Behnk an Wortführer Heiko Godow und Vorsteher André Meyer.  Fotos: Michael Kuhr
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Eine Urkunde der Stadt zum 350. Gildegeburtstag überreichten (von links) Bürgervorsteher Dieter Holst und Bürgermeister Carsten Behnk an Wortführer Heiko Godow und Vorsteher André Meyer. Fotos: Michael Kuhr

Gildetafel bot gestern eine kulinarische Zeitreise in das Jahr 1725 / Für Jürgen „de Vergnöte“ Kehr endete ein würdevolles Königsjahr

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09. Juli 2018, 15:04 Uhr

Bei der gestrigen Gildetafel zum 350. Geburtstag richtete der Wortführende Vorsteher Heiko Godow den Blick nach vorn: besonders begrüßte er Tjark Lüth (21 Jahre), Julian George (20) sowie seine Söhne Cedrik (21) und Lauritz Godow (20), die als junge Gildemitglieder im preußischen Waffenrock zur Gildetafel gekommen waren. „Sie haben bereits Erdung, Entschleunigung, Ruhe und die Wurzeln ihrer Heimat gefunden“, sagte Heiko Godow. Sie sollen Grundstock für die nächste Gilde-Generation sein.

Heiko Godow sprach vor Vertretern von Vereinen und Verbänden über eine sich immer schneller entwickelnde Technik, den schnellen Klick im Internet oder Beratungen rund um die Uhr aber auch Menschen, die nicht mehr barfuß laufen oder noch nie einen Baum umarmt haben. „Die Menschen haben sich in ihrer eigenen Evolution nicht so schnell entwickelt, wie die Technik“, sagte Godow und räumte ein, dass er selbst den Fortschritt liebe.

Die Eutiner Schützengilde von 1668 lebe Altertümlichkeit. Wer 3000 Freunde auf Facebook habe, der kenne die meisten davon gar nicht. „Bei der Gilde ist das anders“, so Godow und weiter: „Ich habe lieber fünf gute Freunde, als 300, die glauben, mich zu kennen.“

Für Bürgervorsteher Dieter Holst ist die Gildetafel im Jubiläumsjahr ein besonderer Höhepunkt. Die Gilde gehe trotz einer sich verändernden Gesellschaft mit Tradition in die Zukunft. Holst lobte die Aktivitäten der Gilde in der Stadt und auf Dechantshorst. Gemeinsam mit Bürgermeister Carsten Behnk überreichte Holst eine Urkunde der Stadt und einen Umschlag mit Geld.

Ostholsteins neuer Kreispräsident Harald Werner bescheinigte der Eutiner Schützengilde, dass sie einen wertvollen Beitrag zur Förderung des gesellschaftlichen Lebens in der Kreisstadt liefert. Sie fördere das Heimat- und Geschichtsbewusstsein in besonderem Maße. Der CDU-Bundespolitiker Ingo Gädechens lobte Organisation, Disziplin und Harmonie in der Eutiner Schützengilde.

Propst Peter Barz sprach über den Wert des Lebens, der den Menschen immer wieder bewusst gemacht werden sollte. Kommandeur Oberstleutnant Tobias Aust aus der Rettberg-Kaserne lobte die Gilde, die durch ihren öffentlichen Auftritt ein Stück Heimat transportiere. Wichtig sei das gute Werteverständnis der Schützen, das in diesen eher unverbindlichen Zeiten wichtige Orientierung gebe.

Bürgermeister Carsten Behnk dankte für ein gutes Miteinander von Gilde und Stadt. Er war letzter Redner aber der erste, der alle aufforderte, die Gilde zu ihrem 350. Geburtstag einmal hochleben zu lassen. Behnk dankte: „Die Gilde hat die Menschen der Stadt erreicht.“

Zwischen den Reden gab es ein Gildemahl, wie es 1725 in der Gilderolle beschrieben wurde. Die Gäste erlebten eine sehr schmackhafte kulinarische Zeitreise mit Flusskrebssuppe, Lamm- und Rinderragout mit Gemüsen, Kräutern und Brot sowie Roter Grütze mit Früchten aus dem Schlossgarten.

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