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Ostholsteiner Anzeiger

13. Dezember 2017 | 01:10 Uhr

Mit Taxi Jan Malte zum Lottospielen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der NDR-Radiomoderator war gestern mit einem pinken Taxi in Malente und Eutin unterwegs – und mit dem Ostholsteiner Anzeiger

shz.de von
erstellt am 15.Sep.2015 | 14:58 Uhr

Waltraud Enzian kann es kaum fassen: „Im rosa Taxi durch Eutin, wenn ich das den Jungs erzähle, flippen die aus.“ Dabei ist die Farbe des Taxis, auf dessen Beifahrersitz die 80-jährige Eutinerin Platz genommen hat, gar nicht die eigentliche Besonderheit dieser Fahrt. Die sitzt vielmehr auf dem Fahrersitz: Es ist der NDR-1-Welle-Nord-Moderator Jan Malte Andresen (43), der am heutigen Dienstag am Steuer sitzt – „Taxi Jan Malte“ heißt die Aktion.

Das rosa Taxi gehört zur Fahrzeugflotte von Taxi Boehnke in Malente. Firmengründer und Lackierermeister Michael Boehnke (53) hatte das Fahrzeug vor einigen Wochen selbst umlackiert. Hintergrund der auffälligen Farbe ist eine Spendenaktion: Von jeder Fahrt geht ein Euro an den Verein zur Hilfe Krebskranker Ostholstein – normalerweise. An diesem Tag fließen die kompletten Fahreinnahmen an den Verein. So hat es Firmenchefin Gabriele Boehnke (51) bestimmt. Insgesamt kamen einschließlich Spenden 1000 Euro zusammen.

Fahrgast Waltraud Enzian will an den Eutiner Stadtgraben, um ihren Lottoschein abzugeben. Schnell sind der Chauffeur und sein Fahrgast im Gespräch. Was sie denn von der Landesgartenschau halte, will Andresen wissen. Waltraud Enzian bedauert, dass sie derzeit nicht im Schlossgarten spazierengehen kann. Aber: „Vielleicht macht sich die Gartenschau ganz gut. Ich denk, Eutin
profitiert davon. Es wird viel neu gemacht.“

Zwar ist NDR 1 Welle Nord ein Radiosender, doch auch der arbeitet heutzutage crossmedial. So sind Filme der Fahrten im Internet unter www.ndr.de/sh zu sehen. Dafür sind neben zwei Mikrofonen auch drei Kameras installiert – zwei im Auto, eine auf dem Wagendach.

Drei Söhne habe sie, erzählt Waltraud Enzian im
Taxi. Einer davon betreibt
in Eutin in der Lübecker Straße einen Computer-Laden. Dort rumpelt das rosa Taxi auf dem Kopfsteinpflaster vorbei, und der Firmeninhaber bekommt kostenlose Werbung vom NDR. Denn das Gespräch wird im Taxi aufgezeichnet und etwas später auf „Welle Nord“ gesendet.

Ob sie denn auch einen Computer habe, will Andresen wissen. Doch das ist nichts für sie. „Meine Kinder sagen zwar: Das kannst du auch. Aber ich sag dann: Wenn ihr 80 seid nachher, wollen wir uns mal wiedersehen.“ Zwar habe sie immerhin ein Handy, doch das liege „in der Schieblade“, verrät die gesprächige Eutinerin. „Ich telefonierte lieber mit dem Festnetz – dieses Gedrücke und Getue...“

Als es ans Bezahlen geht, muss Jan Malte Andresen Federn lassen. 7,10 Euro stehen auf dem Taxameter. „Ich habe nur sieben Euro“, sagt sein Fahrgast. Der Moderator scherzt: „Wenn Sie den Jackpott gewinnen: Ich weiß, wo sie wohnen. Dann komme ich und hole mir die zehn Cent.“

Vor der Rücktour nach Malente versuchen Andresen und sein Begleiter, Radioreporter Torsten Creutzburg, am Stadtgraben ein paar
ältere Damen an der Bushaltestelle zum Mitfahren ins Kneippheilbad zu überreden. „Malente ist schön“, wirbt Andresen. Doch die Frauen winken lachend ab: „Malente ist auch nicht mehr so schön“, meinen sie.

In zehn Städten und Gemeinden des Landes ist Andresen innerhalb von zwei Wochen unterwegs. Um sich hinter das Taxi-Steuer setzen zu können, hat er eigens einen Personenbeförderungsschein erworben. „Mit Führungszeugnis und betriebsärztlicher Untersuchung.“ Nur mit dem Ortskundenachweis war es schwierig. „Die haben zum Glück eingesehen, dass das für zehn verschiedene Orte nicht zu schaffen ist.“ Nun fährt er mit einer Ausnahmegenehmigung des Landesamts für Straßenbau und Verkehr.

Andresen liebt die Begegnungen auf seinen Fahrten. Etwa mit Frau Ronaldo in
Leopardenleggins, die ihm im Kreisverkehr selbstgeschriebene Gedichte vorgelesen habe. „Das Gute ist, dass die Menschen dem Taxifahrer sehr schnell ihr Herz öffnen“, sagt Jan Malte Andresen. Manchmal lernt er auch etwas, etwa von seinem ersten Fahrgast, dem Malenter Michael Sprotte. Der ist auf dem Weg zu Freunden in der Türkei und lässt sich vom pinken Taxi zum Bahnhof kutschieren. Im Taxi preist der 68-jährige Pensionär türkische Spezialitäten, eingelegte Oliven und eingedickten Wein, sogenannten Pekmez. „Der ist so dick, dass er nur mit gutem Zureden aus der Flasche kommt. Müssen Sie unbedings mal probieren.“ „Wein zum Lutschen“ vermutet Andresen.

Auf seiner Fahrt meistert der Moderator auch schwierige Momente. Zum Beispiel in der notorischen Staufalle am Kreisel in der Riemannstraße. Nichts geht mehr, Andresen muss zurücksetzen. Schließlich hält ein Auto im Gegenverkehr. Der Fahrer hat sofort erkannt, mit wem er es zu tun hat, und kurbelt das Fenster runter: „So ist das hier jeden Tag in Eutin“, gibt er dem NDR-Taxi mit auf den Weg.

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