Mit Note "Vier" in Mathe bei der Bank

Beeindruckt von der Polizei-Ausbildung  zeigten sich Joana Höfler und Lina Sophie Seelig (Bildmitte, von links) Foto: chris-julian beeck
Beeindruckt von der Polizei-Ausbildung zeigten sich Joana Höfler und Lina Sophie Seelig (Bildmitte, von links) Foto: chris-julian beeck

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17. März 2011, 07:05 Uhr

Eutin | Kim Lüchau dachte, dass der Tag des Abschlusszeugnisses ihr letzter an der Wilhelm-Wisser-Schule gewesen sei. Gestern kehrte sie zurück - aber nicht als Schülerin, sondern als "Lehrende".

Die Auszubildende der Sparkasse Holstein ist eine von elf jungen Berufstätigen, die jeweils einen Neuntklässler der Gemeinschaftsschule im Projekt "Azubi-Schüler" betreute. Die Schüler durften sich für zwei Tage ein Bild des Betriebes ihrer Wahl machen und stellten gestern zusammen mit ihren "Lehrmeistern" den versammelten neunten Klassen Erfahrungsberichte und Ausbildungsanforderungen vor.

Großen Anklang fand die Darbietung der Polizeidirektion, nicht zuletzt aufgrund der guten Verdienstmöglichkeiten. Anders als einige ihrer männlichen Mitschüler, die sich besonders für das Spezialeinsatzkommando (SEK) interessierten, möchte Joana Höfler nach ihrem zweitägigen Praktikum auf jeden Fall zu den Ordnungshütern: "Als ich gesehen habe, dass die Polizei auf der Projektliste steht, habe ich mich sofort dafür gemeldet. Und nach den Projekttagen möchte ich erst recht dort hin", bekräftigte sie.

Auch jeweils einen ehemaligen Wisser-Schüler stellten die Lehrlings-Teams der Malenter Firma Kuhnke und des Autohauses "Süverkrüp-Ahrendt" in Jona Drechsler und Niklas Matuszewski. "Wenn früher Vertreter von Berufsgruppen in der Schule waren, dachte ich mir auch immer: Die sind so alt und so weit weg", sagte der angehende Industriekaufmann Drechsler, "aber ich kann euch nur sagen, informiert euch jetzt bei uns - viel näher an dem dran, was euch erwartet, geht es nicht".

Matuszewski, Auszubildender zum Kfz-Mechatroniker, beruhigt die verunsicherten Teenager, als diese hörten, dass ihr Mitschüler Jan Kunert hauptsächlich für die "Drecksarbeit" in der Werkstatt zuständig war: Aller Anfang sei hart, mühselig und mitunter langweilig. Die Freude am Beruf komme aber automatisch, je länger man dabei sei.

Jeder Ausbildungsbetrieb versuchte auf seine eigene Art, die trockenen theoretischen Vorträge rund um Ausbildungsvoraussetzungen und Betriebsgliederung aufzulockern: Die Polizei belohnte richtige Antworten im Abschlussquiz mit Gummibärchen, die Auszubildende zur Verwaltungsfachangestellten, Lisanne Heitmüller, drehte mit ihrem "Schützling" Jennifer Langfeldt ein Video-Interview mit dem Eutiner Bürgermeister. Kai Strüssmann aus der R9b schrieb mit Christian Ehlers, Lehrling der Firma "Timbertec" (Software-Partner der Holzbranche), gar ein eigenes kleines Computerprogramm. Lea Bublitz und Johanna Müller-Heinrichs schienen sich in der Berufskleidung der Sana-Kliniken ebenfalls nicht unwohl gefühlt zu haben, sie könnten sich den Job auf jeden Fall vorstellen.

Zufrieden zeigte sich Schulleiterin Erika Jahnke mit der 13. Auflage von "Azubi-Schüler". Sie verdeutlichte abschließend, dass die Auszubildenden alle einmal selbst auf der Realschulbank gesessen hätten und nun zufrieden im Berufsleben stünden. Dass Motivation und Engagement manchmal wichtiger sei, als eine schlechtere Mathenote, stellt Kim Lüchau nochmal klar: "Ich hatte eine Vier in Mathe - und nun arbeite ich trotzdem bei der Bank."

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