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Erfolgreicher Hundetrainer aus Benz : Mit „Ice“ zur Weltmeisterschaft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Schäferhund von Hans-Joachim Tamm ist ein so talentierter Arbeitshund, dass er jetzt in den USA gegen die Besten der Welt antritt. Trotz seines jungen Alters – Ice ist erst dreieinhalb Jahre alt – zeigt der Vierbeiner schon Spitzenleistungen.

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2013 | 11:45 Uhr

„Platz!“ Den Bruchteil einer Sekunde, nachdem „Ice“ dieses Kommando gehört hat, reagiert der Schäferhund. Eben lief er noch mit engem Blickkontakt und fast wie ein Pferd trabend neben seinem Besitzer, jetzt läuft dieser alleine weiter. Ice liegt derweil auf dem Rasen und erwartet hechelnd das nächste Kommando.

„Hopp!“, sagt Hans-Joachim Tamm. Ice schießt los, an seinem Herrchen vorbei auf den Spielplatz einige Meter weiter. Dort fegt das schwarze Kraftpaket über eine Schwebebrücke, peest die Rutsche hinunter und rast dann auf Tamm zu. Der spannt eine Leine zwischen beiden Händen. Das 35 Kilogramm schwere Tier setzt zum Sprung an und verbeißt sich in das dargebotene Objekt – bis Tamm das Spiel mit einem kurzen Kommando beendet.

Es ist eine eindrucksvolle Vorführung auf dem Benzer Sportplatz. Der dreieinhalbjährige Rüde ist völlig auf den 62-Jährigen fixiert. Jetzt würde ihn vermutlich nicht mal eine Horde Rehe ablenken. So soll das auch in ein paar Tagen sein. Dann wird das Gespann allerdings nicht mehr in der beschaulichen Malenter Dorfschaft sein, sondern in den USA: Bei der Weltmeisterschaft der Weltunion der Schäferhundvereine (WUSV), die vom 16. bis 20. Oktober in Philadelphia, Pennsylvania, nahe der amerikanischen Ostküste stattfindet. Alle Kosten – für den Flug, einen Mannschaftsbetreuer und einen persönlichen Begleiter sowie die Unterkunft – übernimmt der Verein für Deutsche Schäferhunde.

Früher habe er geboxt, sagt Tamm. Er brachte es bis zu einem dritten Platz bei der Deutschen Meisterschaft, bis ihn gesundheitliche Gründe stoppten. Damals habe er von Olympia geträumt. „Jetzt fahre ich zur Weltmeisterschaft. Das ist wie ein 6er im Lotto“, staunt Tamm ein bisschen über sich selbst. Bis dahin war es ein weiter Weg. Drei Schutzhundprüfungen, Qualifikation in der Ortsgruppe des Schäferhundvereins in Ratekau, Landesausscheidung und Bundesausscheidung lauteten die Stationen. Dort belegte das Duo den 5. Platz, die ersten sechs von 120 Teilnehmern nehmen an der WM teil.

„Eigentlich ist Ice mit dreieinhalb Jahren noch zu jung“, sagt Tamm, der in den vergangenen Wochen täglich mehrmals mit dem Schäferhund trainiert hat. Immer nur für einige Minuten: Dann lasse die Konzentration nach. Das beste Alter für den Spitzensport liege zwischen vier und sechs Jahren. Der Hund ist ein Glücksgriff von Tamms Ehefrau Denise. Sie hat den Rüden damals aus dem Wurf ausgewählt. Seit 20 Jahren züchtet Tamm Schäferhunde – für den eigenen Bedarf. Ice stammt aus dem neunten Wurf. Seine Mutter Falka gehört zu den vier Hunden, die Tamm derzeit hält. Auch die Vorgänger von Ice waren nicht gerade erfolglos. In den vergangenen acht Jahren nahm Tamm immerhin sieben Mal an Bundessiegerprüfungen teil – bestes Ergebnis war Platz 14.

Bis zu seiner Pensionierung 2010 hat Tamm 20 Jahre lang Diensthunde bei der Eutiner Polizeidirektion auf Hubertushöh ausgebildet. Mit Hunden hat er schon viel länger zu tun. Seine damalige Freundin brachte ihn dazu: „Die hatte einen Boxer-Schäferhund-Mischling, der war schlecht erzogen, und der biss auch“, erinnert er sich. Es war der erste Hund, dem Tamm Manieren beibrachte.

Schläge und lautes Gebrüll sind bei der Hundeerziehung das falsche Mittel, ist der ehemalige Polizeihauptmeister überzeugt. „Machst du Zwang, funktioniert das nicht. Dann hat der Hund Stress, und unter Stress funktioniert er nicht.“ Der Hund müsse freudig sein. Stärker als dies früher der Fall gewesen sei, stehe mittlerweile die spielerische Ausbildung im Vordergrund. Deshalb seien die Schäferhunde heute zwar „verspielter, aber klarer im Kopf“. „Die machen einen selbstsicheren, ausgeglichenen Eindruck“, findet Tamm.

„Ice vom Haus TTH“ heißt der WM-Hund mit vollem Namen. „TTH“ stehe dabei für den Vornamen seines Sohnes, seinen Nachnamen und den Geburtsnamen seiner Frau, erklärt Tamm. Mit der Zucht habe er begonnen, weil er mit den Tieren nicht zufrieden gewesen sei. Das habe sich geändert: Die Hüftleiden etwa, lange Zeit ein typisches Merkmal der Rasse, seien heute kein Problem mehr. „Ich denke, der Schäferhund hat in den vergangenen Jahren enorm an Qualität zugenommen“, sagt Tamm.

Ganz ungefährlich ist das Training nicht. Wer sieht, wie Ice zur Sache geht, kann sich vorstellen, dass Herrchen schon ein bisschen auf sich aufpassen muss. Einmal erwischte ein Hund beim Spiel Tamms Hand. Davon zeugt noch eine gut zehn Zentimeter lange Narbe, die sich am Mittelfinger der linken Hand entlang zieht. Sie stammt von der Operation, die nötig wurde, weil sich die Wunde entzündete. Tamm ging gerade noch rechtzeitig zum Arzt. „Einen Tag länger, und ich hätte die Hand verloren.“ Überhaupt nötigt das Training mit Ice einiges an körperlicher Fitness ab. Deshalb ist Tamm umso glücklicher, dass sein WM-Traum jetzt in Erfüllung geht. „Wer weiß, wie lange ich das noch machen kann.“

Drei Disziplinen gilt es in den USA zu bewältigen: Der Hund muss eine menschliche Fährte absuchen, Gehorsam zeigen, etwa beim Apportieren, und sich im Schutzdienst bewähren. Dabei verbellt er zum Beispiel einen Helfer oder beißt diesem, wenn er flüchtet, auf Kommando in den (gut gegen Bisse geschützten) Arm.

Mehrere Tage sind dafür eingeplant, den Hund an die neue Umgebung zu gewöhnen, weshalb es bereits an diesem Wochenende in die USA geht. „Um optimale Leistung zu zeigen, muss Ice sich wie zu Hause fühlen“, erklärt Tamm, der eines schon jetzt weiß: dass er bei der Prüfung wieder ziemlich aufgeregt sein wird. Sein persönliches Ziel ist ganz bescheiden: „Ich wünsche mir als erstes, dass ich bestehe – und dass der Hund einigermaßen die Leistung bringt, die er kann.“ Die Krönung für den Benzer wäre der Weltmeistertitel mit der Mannschaft. Das scheint nicht unmöglich. Zuletzt holte Deutschland 2011 den Titel.

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