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Ostholsteiner Anzeiger

18. August 2017 | 01:37 Uhr

Eutin : Mit der Fräse gegen Pilz-Nester

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Baumexperte Joachim Niedenhoff hat Sonnabend im Seepark begonnen, die Stubben von pilzkranken Bäumen zu schreddern.

„Was Sie hier sehen, das ist nur die Spitze des Eisberges,“ sagt Joachim Niedenhoff, während er auf einen weißen Fleck auf der Scheibe eines gefällten Baumes zeigt. Es ist ein Pilz. Sichtbar werden die Dimensionen des Schädlings aber erst, wenn man tiefer gräbt. Mit dieser Arbeit hat Niedenhoff am Sonnabend auf dem Gelände der Landesgartenschau begonnen und er wird den heutigen Tag noch brauchen, bevor er die Stubben von etwa 50 kranken Bäumen im Seepark und im Süduferpark beseitigt hat.

Der am meisten verbreitete Schädlinge heißt Hallimasch. Der Pilz kann, wenn er zur rechten Zeit von Baumstämmen geerntet und gekocht wird, essbar sein und soll gut schmecken. Ein anderer Pilz heißt Brandkruste. Er ist sehr aggressiv und färbt die Bäume schwarz.

Beide Pilze sind für Bäume ein Todesurteil, das über kurz oder lang vollstreckt wird. Der Hallimasch wächst rasant, breitet sich bis zu drei Meter in einem Jahr aus, wandert von der Wurzel in den Stamm. Und ganz schnell kann er die Standsicherheit der Bäume gefährdet, weil sie durch die maroden Wurzeln nicht mehr gehalten werden.

Niedenhoff schimpft: „Ich bin unheimlich unter Druck, sonst würde ich unter solchen Bedingungen nicht arbeiten.“ Der Boden ist aufgeweicht. Der Fachagrarwirt für Baumpflege und -sanierungen – so die offizielle Berufsbezeichnung – hat Probleme, die selbstfahrende Stubbenfräse zu den Einsatzorten zu manövrieren.

Den Druck macht die angesichts des Zeitplans der LGS gebotene Eile: Die Stümpfe der gefällten Bäume müssen weg, bevor auf dem Gelände weiter gearbeitet werden kann.

Auf der Bundesgartenschau im Havelland hatte es im Juni vergangenes Jahr einen tödlichen Unfall gegeben: Ein 49-Jähriger war von einem morschen Baumes erschlagen worden. Das war Anlass für die LGS-Gesellschaft, noch einmal alle Bäume auf dem Gelände untersuchen zu lassen. 529 Bäume vom Seepark bis zum Süduferpark kontrollierte Niedenhoff und stellte bei 72 einen so fortgeschrittenen Pilzbefall fest, dass er die Beseitigung empfahl.

Von etwa 40 gefällten Bäumen im Seepark und zehn im Süduferpark müssen die Stubben entfernt werden. Die Reste eines komplett befallenen Wäldchens mit rund 20 jungen Bäumen in der Nähe der alten Försterei werden dagegen einfach mit Rollrasen bedeckt.

Niedenhoff gibt dem Fotografen Sicherheitsanweisungen: „Wir haben kürzlich beim Fräsen eine 20 Meter entfernte Fensterscheibe zerschossen. Da hatte die Fräse einen Stein erwischt, den konnte man vorher nicht sehen. Am besten gehen Sie hinter dem Container in Deckung“.

Das macht allerdings das Fotografieren nicht einfach, wenn zwischen Kameraobjektiv und Fotoobjekt ein Container steht. „Ein sicherer Platz ist noch hinter mir“, verrät Niedenhoff.

Mit kräftigem Lärm zerlegt die Fräse einen Baumstumpf. Die entstehenden Holzschnitzel würden später zusammengerecht und entsorgt, sagt Niedenhoff. Mit dem Fräsen der Stümpfe verschwinden allerdings nicht die befallenen Wurzelstränge. Das wäre auch zu aufwändig, sagt der 37-jährige Baumexperte aus Ahrensbök. „Sie können das Gelände nicht restlos pilzfrei machen. Wir leben ja auch nicht in einer keimfreien Welt.“ Mit dem Beseitigen der befallenen Stubben werde aber das Nahrungsangebot für den Schädling verringert: „Wir machen ihm das Leben schwerer.“

Niedenhoff hat eine Hälfte eines Baumstumpfes weggefräst und zeigt, wie weit sich der Pilz unterhalb der Erdkante in dem Baum ausgebreitet hatte: Über die Hälfe des Stammes ist bereits weiß, das Fundment der Pflanze nur noch eine lockere Masse. „Das ist das Tückische,“ sagt Niedenhoff, „oft ist nach dem Fällen an der Baumscheibe nichts zu sehen. ,Der war doch noch gesund‘, höre ich dann.“ Erst die Baumfräse bringt es ans Tageslicht.

Während sich Niedenhoff über die Bedingungen für seine Arbeit am Sonnabend – Wetter, nasser Untergrund, Zeitdruck – ärgerte, genoss er zugleich, dass er eine Bestätigung seiner Analysen erfahren konnte: „Es kommt selten vor, dass ich Bäume begutachte und dann auch noch den Auftrag bekomme, die Stubben zu fräsen“ erläutert er. In dieser Konstellation könne er mit eigenen Augen sehen, dass seine Einschätzung über den Pilzbefall der einzelnen Bäume richtig gewesen sei.

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erstellt am 07.Mär.2016 | 04:00 Uhr

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