Mit dem Finger in die Natur

Gemeinsam für barrierearmes Erleben  der Schwentine-Seen-Landschaft: (v. l.) Jutta Schulz, Wolfgang Gallinat, Hanna Kirschnick-Schmidt, Lea Pietsch und Carsten Burggraf.
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Gemeinsam für barrierearmes Erleben der Schwentine-Seen-Landschaft: (v. l.) Jutta Schulz, Wolfgang Gallinat, Hanna Kirschnick-Schmidt, Lea Pietsch und Carsten Burggraf.

Der Verein Wasser-Otter-Mensch und die Integrierte Station Holsteinische Schweiz haben eine Erlebniskarte für Blinde herausgebracht

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01. März 2018, 11:56 Uhr

Es ist ein Fischotter, der blinde und sehbehinderte Menschen in die Holsteinische Schweiz einführt. Auf der visuell-taktilen Karte des Vereins Wasser-Otter-Mensch weist das Tier auf den Naturerlebnisraum Seenlandschaft bei Plön, Malente und Eutin hin. Gestern stellten die Macher, die Integrierte Station Holsteinische Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Holsteinische Schweiz und dem Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein das Din- A4-Werk vor.

Die Naturerlebniskarte weist auf einer Doppelseite die Seen entlang der Schwentine in klaren und wenigen Farben aus, vom Fuhlensee bei Wahlstorf über den Kronsee, den Kleinen und Großen Plöner See, den Behler See, den Dieksee und Kellersee bis hin zum Großen Eutiner See. Über die Seen führen die Linien der Schiffstouren. Anlegestellen sind gekennzeichnet aber auch die Bahnstrecke Lübeck–Kiel ist mit den Bahnhöfen in Eutin, Bad Malente-Gremsmühlen und Plön dargestellt. Die Tourismuszentralen sind aufgeführt wie auch die Integrierte Station in Eutin und das Naturparkhaus in Plön.

Vor jeder der vier Papierseiten liegt eine durchsichtige aus Kunststoff, in die alle wichtigen Linien geprägt wurden. Mit ihrer Hilfe sind die Verläufe der Schwentine, der Seen, von Schifffahrtslinien und Bahnlinie und die Informationsstellen mit den Fingern zu ertasten. Zusätzlich sind in der Blindenschrift nach Braille die kurzen Erklärungen der Schwentine-Seen in der Holsteinischen Schweiz zu lesen.

„Wir wollen mit dieser Erlebniskarte Naturschutz, Tourismus und Inklusion zusammenbringen“, sagte Carsten Burggraf, Leiter der Integrierten Station gestern. Mit seiner Kollegin Lea Pietsch erarbeitete Burggraf die Karte, wertvoll unterstützt von Wolfgang Gallinat vom Blinden- und Sehbehindertenverein und Jutta Schulz vom Naturpark Holsteinische Schweiz.

Burggraf gewann eine bittere Erkenntnis, wie er sagte. Es gebe keine Naturerlebnisangebote für Blinde in der Region. Das wollen alle Beteiligten ändern und bekundeten großes Interesse, erneut zusammenzuarbeiten.

Wolfgang Gallinat unterbreitete sofort zwei Vorschläge. Als nächstes könnten Wanderwege wie der Strandweg Eutin-Plön oder der Planetenpfad in Plön für Blinde und Sehbehinderte beschrieben werden. Der Geschäftsführer des Vereins sprach von einer wachsenden Gruppe an Augenpatienten. Deshalb seien solche Angebote wie die Erlebniskarte wichtig. Die Karte für ein Naherholungsgebiet wie der Holsteinischen Schweiz werde sicherlich ihre Abnehmer finden. Die digitale Welt weise erste Grenzen auf und die Menschen besännen sich auf Ursprüngliches: „Wir merken einen Trend, zu den Wurzeln zurückzukehren.“

Jutta Schulz erwartet gespannt die Resonanz auf die Erlebniskarte. Sie habe als Touristikerin bei diesem Vorhaben jedenfalls viel gelernt: „Üblicherweise möchte man es als Touristiker schön bunt haben und viele Bilder sehen. Hier sei es aber auf komprimierte und dennoch klare Information sowie kontrastreiche Farbgebung angekommen.

Burggraf und Pietsch verfügten über ein Budget von 6000 Euro. Davon trug die Naturparkförderung des Umweltministeriums in Kiel 3000 Euro, die Stiftergemeinschaft der Förde-Sparkasse 2000 Euro und die Klara-Samariter-Stiftung 1000 Euro. Eine Karte kostet in der reinen Herstellung Burggraf zufolge fünf Euro. Dank der Finanzierung könnten die 1200 Exemplare kostenlos an sehbehinderte- und blinde Menschen ausgegeben werden. Die Karte ist bei den Projektbeteiligten und auch den Touristeninformationen in Eutin, Bad Malente-Gremsmühlen und Plön zu bekommen.

Das Projekt hat im vergangenen April Form angenommen, nach dem der Verein Wasser-Otter-Mensch Mitglied im „Netzwerk Lebendige Seen Deutschland“ wurde, wie Geschäftsführerin Hanna Kirschnick-Schmidt berichtete. Zu der Zeit wurde die bei Wasser-Otter-Mensch angesiedelte Lokale Aktion Schwartau-Schwentine aufgelöst, statt dessen eröffnete das Land seine fünfte „Lokale und Integrierte Station“ in der Holsteinischen Schweiz. Die Mitarbeiter Pietsch und Burggraf wechselten von Wasser-Otter-Mensch zum Land. Der Projekt-Träger blieb Wasser-Otter-Mensch, nun Kooperationspartner des Schwentine-Seen-Projekts.

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