Mit Awo wohnen lernen

Welcher Müll kommt in welche Tonne? Die ausgebildeten Wohnlotsen Ibraheem Shreet (v. li.), Muhannad Al Odah Allah, Esmail Al Smail und Alaa Shek Nasan mit Projektleiterin Birgit Ehlers.
Welcher Müll kommt in welche Tonne? Die ausgebildeten Wohnlotsen Ibraheem Shreet (v. li.), Muhannad Al Odah Allah, Esmail Al Smail und Alaa Shek Nasan mit Projektleiterin Birgit Ehlers.

Ausgebildete Wohnlotsen stammen selbst aus Syrien und helfen Geflüchteten im Kreis Plön

shz.de von
26. Juni 2018, 11:57 Uhr

Wie funktioniert die Mülltrennung, wie lüfte ich richtig, was steht im Mietvertrag? Wer als Geflüchteter sein Wohnverhalten an spezielle deutsche Gepflogenheiten anpasst, dürfte bei der Wohnungssuche erfolgreicher sein. Das sagten sich die Mitarbeiter der Koordinierungsstelle in der Plöner Kreisverwaltung und initiierten mit dem Jobcenter Kreis Plön und der Awo-Bildung und Arbeit gGmbH die „Wohnschule für Flüchtlinge im Kreis Plön“.

Projektleiterin Birgit Ehlers, Irene Thies, Dr. Dagmar Bez (alle Awo), Michaela Blanck (Team Kreiskoordinatoren) und Sebastian Dürr (Jobcenter) stellten mit den vier ausgebildeten Wohnlotsen Ibraheem Shreet (25), Muhannad Al Odah Allah (20), Esmail Al Smail (22) und Alaa Shek Nasan (22) das Projekt vor. Die jungen Männer kommen alle aus Syrien, leben schon einige Jahre im Kreis Plön und sprechen gut Deutsch. Sie wurden im Vorfeld vom Jobcenter ausgesucht und werden ab dem 15. Juli bei Bedarf Hausbesuche machen, um Hilfestellung und Tipps zu geben.

Geplant sind Kurse im Kreisgebiet mit jeweils 15 Teilnehmern und insgesamt bis zu 200 Menschen in Gemeinschaftsunterkünften, bei der Awo (Wankendorf) oder im Haus der Integration (Schönberg). An zwei aufeinander folgenden Abenden lernen die Geflüchteten in zwei bis vier Stunden den Umgang mit Haus- und Gerätetechnik, Putzen und Reinigen, Hausordnung und Mietvertrag, Heizen und Lüften sowie Mülltrennung und bekommen Tipps zu Wohnraumsuche, Bewerbungsgesprächen mit Vermietern und Amtsgängen. Zum Abschluss erhalten sie einen „Mieterführerschein“ (Zertifikat) zur Vorlage bei Vermietern. „Geflüchtete haben es schwer, eine Wohnung zu finden. Das hat nichts mit der Person zu tun, sondern liegt pragmatisch an der Sache“, erklärte Blanck. „Wir können keine Wohnung zaubern, aber Menschen in den Stand versetzen, dass sie am Bewerbermarkt teilnehmen können.“

„Wohnen ist nicht so weit weg vom Arbeitsmarkt“, unterstrich Dürr die enge Verbindung von Arbeit und heimisch werden. Nach den Worten der Projektleiterin Ehlers suche man noch nach weiblichen Mitarbeitern, die sich zu Wohnlotsen ausbilden lassen, da es schwierig für die jungen Männer sei, in reine Frauenhaushalte zu gehen. Alle Teilnehmer der Kurse bekämen ein Faltblatt mit Bildern und Symbolen und Hinweisen zu Putzmitteln und ähnlichem.
Er sei nicht verpflichtet gewesen, sich zum Wohnlotsen ausbilden zu lassen, sondern habe großes Interesse daran gehabt, erzählte Esmail Al Smail. Bis vor kurzem habe er in Plön gewohnt, in einer verschimmelten Kellerwohnung, die sich nicht gut lüften ließ. Bei Regen sei noch mehr Wasser durch die geöffneten Fenster herein gekommen. „Ich will allen sagen, dass Schimmel gefährlich ist, krank und müde macht. Das Badezimmer schimmelt am schnellsten“, ist die Erfahrung des jungen Syrers. Der Kreis Plön finanziert das Vorhaben mit rund 20 000 Euro für zehn Monate. Das Jobcenter gibt eine Fallpauschale. Informationen zu Kursen und Wohnlotsen erteilen Amtsverwaltungen und Gemeinden, Haus & Grund und die Wankendorfer Baugenossenschaft. Informationen bei Irene Thies (Tel. 0170/2405349, E-Mail an: irene.thies@awo-bildungundarbeit.de und im Büro Lange Straße 22, Tel. 04522/7896924).

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