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Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 15:58 Uhr

Misstrauen regiert das Rathaus

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Stellenbesetzungen im Rathaus lösten einen Brief von SPD, Grünen, FWG und FDP aus

Die Stimmung im Rathaus und in der Ratsversammlung ist schon seit Monaten nicht mehr gut. Demotivierte Mitarbeiter in der Stadtverwaltung, ein „nur vor sich hin wurschtelnder“ Bürgermeister und zerstrittene Fraktionen in der Ratsversammlung. Misstrauen regiert die Stadt Plön. Auslöser ist nach vertraulichen OHA-Informationen ein Brief von SPD, FWG, Grünen und FDP an Bürgervorsteher Dirk Krüger und Bürgermeister Jens Paustian. Der Brief befasst sich mit der Beschäftigung der Frau eines CDU-Politikers im Plöner Rathaus.

Die 34-Jährige ist seit über drei Jahren bei der Stadt Plön beschäftigt und wechselte im Sommer bei gleichem Gehalt und gleicher Arbeitszeit auf Wunsch der Verwaltung und des Personalrats aus der Stadtbücherei in den Bürgerservice der Stadtverwaltung. Dort hat sie seither halbtags die Nachfolge des in Vollzeit beschäftigten und jetzt im Ruhestand weilenden Stadtboten im Empfang des Rathauses übernommen.

Doch die Stelle des Stadtboten sollte nach Angaben der Kritiker von SPD, FWG, Grünen und FDP eigentlich nicht wieder besetzt werden. Sie hätten nur „in der Stadt“ von der Umbesetzung der 34-Jährigen erfahren und wären lieber im Hauptausschuss (unter dem Vorsitz von Ehemann Oliver Hagen) darüber informiert worden. Sie wollten in dem Schreiben unter anderem wissen, welche Tätigkeiten die Frau inne habe oder ob es eine Ausschreibung der Stelle mit einer Auswahlentscheidung gegeben habe. Die Antwort: „Die interne Umbesetzung liegt in der Entscheidungsbefugnis des Bürgermeisters.“

Oliver Hagen selbst wollte sich auf OHA-Nachfrage unter Verweis von nichtöffentlichen Personalangelegenheiten zu diesem Vorfall nicht äußern. Nur so viel: er – Hagen – „wittert“ in der Lancierung dieses Themas an die Presse eine gezielte Beschädigung seiner Person.

Es störte SPD, FWG, Grüne und FDP offensichtlich auch, dass der Ehemann der 34-jährigen Verwaltungskraft, es ist CDU-Ratsherr Oliver Hagen, als Vorsitzender des Hauptausschusses am Betriebsausflug der Stadtverwaltung teilgenommen habe. Eine Tradition, die aus früheren Zeiten des Magistrats übernommen wurde, heißt es aus dem Rathaus.
Die Teilnahme des Büroleitungsteams mit Volker Ohms und Nikolas Titze an den Sitzungen des Ältestenrates wurde von den Kritikern ebenfalls aufs Korn genommen. Das machen die beiden schon seit vier Jahren. Offensichtlich ohne Fehl und Tadel. Auf die Fachleute will (und kann...) Bürgermeister Jens Paustian auch nicht verzichten, gilt es im Ältestenrat auch knifflige Verwaltungsfragen zu beantworten. Die Kritiker wollen den Ältestenrat hingegen möglichst klein an Teilnehmern halten und dem Büroleitungsteam keine weiteren Überstunden aufbürden.

Keine Frage: Dieser Rundumschlag war ein Angriff auf „HOT“ – so wird das Trio Hagen, Ohms und Titze in Plöner Verwaltungskreisen genannt. Die drei versuchen dabei, das Beste zum Wohle der Stadt Plön mit allen Fraktionen zu erreichen. So wird ihnen die Vorbereitung der stringenten Haushaltskonsolidierung zugeschrieben. Doch dieses hohe Ziel erkennen offensichtlich nicht alle Mitglieder der Ratsversammlung an. Sie fürchten vermutlich, dass sich Oliver Hagen als Kandidat für das Plöner Bürgermeisteramt und damit Nachfolger des glücklosen Dannauers Jens Paustian aufschwingen will. Beginnt hier schon der Wahlkampf? Es gibt doch offenkundig schon andere Interessenten aus den Reihen der CDU.

Volker Ohms und sein Kollege Nikolas Titze jedenfalls sehen das Schreiben der Kritiker aus SPD, Grünen, FWG und FDP sowie die Diskussion im Ältestenrat über ihre Teilnahme an den Sitzungen als offenes Misstrauensvotum an. In persönlichen Erklärungen empfinden sie das Vorgehen der Kritiker als „äußerst demotivierend und verletzend“. Beide würden mit viel Engagement und hohem Einsatz an Überstunden zum Wohle der Stadt arbeiten. Sie forderten einen respektvollen Umgang miteinander. Droht neues Ungemach? Im Vorzimmer von Bürgermeister Jens Paustian wird gerade die 48-jährige Ehefrau eines ehemaligen Plöner SPD-Ratsherrn als Nachfolgerin der in Rente gehenden Stelleninhaberin eingearbeitet. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

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erstellt am 14.Nov.2014 | 13:26 Uhr

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