Gemeinde-Briefkopf einfach selbst gebastelt : Missbilligung gegen den Bosauer Gemeindevertreter Rolf Kotthoff

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Die Briefköpfe haben eine auffällige Ähnlichkeit: Unten der offizielle Briefkopf der Gemeinde Bosau und oben der offenbar selbst gebastelte Briefkopf von Rolf Kotthoff.
Die Briefköpfe haben eine auffällige Ähnlichkeit: Unten der offizielle Briefkopf der Gemeinde Bosau und oben der offenbar selbst gebastelte Briefkopf von Rolf Kotthoff.

Gemeindevertretung Bosau diskutierte hinter verschlossenen Türen. Kommunalaufsicht befasste sich mit Brief.

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18. Februar 2021, 16:46 Uhr

Bosau | Das ist bisher einzigartig in der langen Geschichte der Bosauer Gemeindevertretung: erstmals wurde das Verhalten eines Gemeindevertreters von der Gemeindevertretung missbilligt. Adressat ist Rolf Kotthoff, Gemeindevertreter von Bündnis 90/ Die Grünen. Er hatte in einem Brief als stellvertretender Bürgermeister die Meinung der Gemeinde Bosau geschrieben, obgleich er nicht im Amt war. Und der Inhalt war auch nicht im Sinne der Gemeinde Bosau – wie sich später herausstellte.

Rolf Kotthoff.
Rolf Kotthoff.
 

Doch der Reihe nach: Rolf Kotthoff aus Bosau hatte sich in einem Brief an die sh:z-Chefredaktion beklagt, über den Ort Bosau werde im OHA „seit vielen Jahren auf eine Art und Weise geschrieben, als hätten die Bürger und der Gemeinderat nicht alle Tassen im Schrank“. Er fand Worte wie Hetze, Häme, einseitige Berichterstattung, Herabwürdigung und unfaire Kommentierung. Seine Empfehlung: die Zeitung sollte in der Berichterstattung aus der Gemeinde Bosau eine personelle Umbesetzung vornehmen.

Wie sich herausstellte nutzte Kotthoff offensichtlich „selbst gebasteltes“ Briefpapier

Das Problem: Kotthoff formulierte den Brief als erster stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Bosau – ein Amt, das er zwar inne hat, aber zum Zeitpunkt des Schreibens und des Absendens des Briefes nicht ausübte. Wie sich herausstellte nutzte Kotthoff offensichtlich „selbst gebasteltes“ Briefpapier mit dem Gemeindewappen und seiner Amtsbezeichnung „1. Stellvertretender Bürgermeister – Gemeinde Bosau“. Damit äußerte der Ehrenbeamte die Meinung der Gemeinde Bosau, die später von Bürgermeister Rauch in einem Brief an die sh:z-Chefredaktion wieder revidiert wurde.

Gemeindevertretung schaltete die Kommunalaufsicht als Disziplinaraufsicht ein

Die Gemeindevertretung jedenfalls schaltete über das Amt Großer Plöner See die Kommunalaufsicht des Kreises Ostholstein als Disziplinaraufsicht wegen des Verdachtes eines Dienstvergehens von Rolf Kotthoff ein und bat um behördliche Stellungnahme. Die ist mittlerweile auch eingegangen.

Kommunalaufsicht bestätigte die Anschuldigungen gegen Rolf Kotthoff

Nach OHA-Informationen sieht die Kommunalaufsicht die Bosauer Gemeindevertretung als obersten Dienstherrn des Ehrenbeamten Rolf Kotthoff. Und dieses Gremium möge auch über die Angelegenheit befinden. Die Kommunalaufsicht habe aber eine Bewertung abgegeben. Danach hätte Rolf Kotthoff nicht das Wappen der Gemeinde auf seinem selbst gebasteltem Briefpapier verwenden dürfen. Das sei Ende der 1980er Jahre lediglich den Fraktionen der Gemeindevertretung erlaubt worden, aber nicht einzelnen Gemeindevertretern. Der von Rolf Kotthoff erstellte Briefbogen, so die Kommunalaufsicht des Kreises Ostholstein weiter, erwecke bei Laien den Eindruck, der Bürgermeister schreibe als Gemeinde Bosau. Der Briefkopf sei nicht förmlich gewesen. Die Kommunalaufsicht habe aber auch bestätigt, dass Rolf Kotthoff nicht im Amt war, als er den Brief schrieb – und ihn damit auch nicht hätte schreiben dürfen.

Eine Missbilligung ist die maximal mögliche Sanktion einer Gemeindevertretung

Für Insider war die Reaktion der Kommunalaufsicht des Kreises Ostholstein keine Überraschung. Mit der Missbilligung habe die Gemeindevertretung mehrheitlich – dem Vernehmen nach gegen die Stimmen von Grünen und FDP – die für sie mögliche maximale Sanktion von Rolf Kotthoff beschlossen. Der Brief an die sh:z-Chefredaktion sei weder in Form noch in Stil Wille der Gemeinde Bosau gewesen.

Offenbar keine geforderte Entschuldigung ausgesprochen

Aus dem Teil der nicht-öffentlichen Sitzung der Bosauer Gemeindevertretung am Mittwochabend wurde bekannt, dass es offenbar keine Entschuldigung Rolf Kotthoffs zu seinem Brief gegeben habe. Die sei aber von CDU und SPD erwartet worden. Ehrenbeamter Kotthoff soll zudem seine Unwissenheit über die Befugnisse und die Amtsführung eines ersten stellvertretenden Bürgermeisters ins Feld geführt haben. Pikant ist allerdings, dass Rolf Kotthoff vor dem Schreiben seines Briefes als Bürgermeister angeblich in der Gemeindeverwaltung Hutzfeld gewesen sein soll, um sich einen blanko Briefkopf zu besorgen. Der sei ihm mit dem Hinweis, dass er ihn nur im Vertretungsfall verwenden dürfe, nicht ausgehändigt worden.

Kotthoff reagierte nicht und Bürgermeister Rauch stellte die Angelegenheit in sh:z-Chefredaktion selbst richtig

Schon im Januar hatte sich Bosaus Bürgermeister Eberhard Rauch in die Angelegenheit eingeschaltet. In einem Brief an den sh:z-Chefredakteur Stefan Hans Kläsener schrieb Rauch, dass sich Kotthoff beim Abfassen des Briefes nicht im Amt befand und das Schreiben auch mit ihm – Rauch – nicht abgestimmt sei. Die Kritik von Rolf Kotthoff stelle seine persönliche Meinung oder die der Fraktion von Bündnnis 90/Die Grünen dar und sei nicht als offizielle Verlautbarung der Gemeinde Bosau zu betrachten. Rauch hatte Kotthoff aufgefordert, das beim sh:z-Chefredakteur klarzustellen. Das hat Rolf Kotthoff in dem von Eberhard Rauch erbetenen Zeitrahmen allerdings nicht gemacht.

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