Minibusse für Eutin und Plön?

Der Nachfrage gesteuerte autonom fahrende Bus (NAF-Bus) passt nach Aussage von Heiner Monheim auch in ein Mobilitätskonzept für die Städte und Orte der Region. Der NAF-Bus wird derzeit in Nordfriesland getestet.
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Der Nachfrage gesteuerte autonom fahrende Bus (NAF-Bus) passt nach Aussage von Heiner Monheim auch in ein Mobilitätskonzept für die Städte und Orte der Region. Der NAF-Bus wird derzeit in Nordfriesland getestet.

Verkehrsplaner Heiner Monheim stellte im Mobilitätsbeirat Stadtbussysteme für Städte in der Region vor

shz.de von
29. Juni 2018, 15:55 Uhr

„Oma sitzt heute nicht mehr auf der Bank vor der Haustür, Oma will am gesellschaftlichen Leben teilhaben“ – der Verkehrsexperte Professor Heiner Monheim (kl. Foto) machte Donnerstagabend im Mobilitätsbeirat deutlich, wie das Bussystem der Zukunft in Eutin und Umgebung aussehen könnte.

Monheim lebt seit sechs Jahren in der Region und hat die öffentlichen Verkehrsmittel persönlich getestet. Für Eutin, Malente und Plön stellt sich der Raumplaner ein Stadtbus-System vor, in dem die Busse häufiger und täglich fahren, dafür aber kleiner sind. Das System braucht wesentlich mehr Haltestellen, die große Busse nur noch zu Spitzenzeiten der Schülerbeförderung anfahren. Die überwiegend eingesetzten kleinen Busse haben eine Plattform für Rollatoren und sind mit drei Türen ausgestattet, sodass Aus- und Einstiege zügig passieren.

Jede Stadt- und Regionalbuslinie führt ins Zentrum. Dort gewährt eine Treffpunkthaltestelle anschlusssichere Umstiege. Mobilitätszentren bieten dem Fahrgast einen vollständigen Service an, der Jahresfahrkarten für Kurzstrecken umfasst.

Der Verkehrsexperte hat bereits etliche Städte in Ostwestfalen-Lippe und andernorts von seinen Ansätzen überzeugt. Lemgo habe seine 90 000 Fahrgäste im Jahr innerhalb der ersten neun Monate nach Systemumstellung auf 1,7 Millionen steigern können. In Euskirchen sei die Nutzerzahl regelrecht explodiert – von 100 000 Fahrgästen auf 5,7 Millionen.

In Eutin hält Monheim 500 000 Fahrgäste im Jahr für möglich; das sei ein bescheidenes Ziel. Wenn im Durchschnitt gut zehn Personen einen Bus nutzten, sei das okay.

Für den Erfolg solcher Systeme seien fundierte Berechnungen ebenso Voraussetzung wie die Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Kommunen, Busbetrieben und Behörden der Region. Kosten könnten mit Kofinanzierern wie Hotels, Gastronomie- und anderen Betrieben gesenkt werden. Die Eutiner Festspiele seien vielleicht für Kombikarten zu gewinnen, regte Monheim an.

Die Vorteile des Systems kämen nur zum Tragen, wenn die angrenzenden Verkehrsnetze harmonierten. Monheim rät, das eigene Netz auch auf Systeme wie die Nahverkehrszüge (Nah SH) abzustimmen.

Mehrfach wies der Fachmann auf die maßgebliche Wirkung guter Öffentlichkeitsarbeit hin. Eine professionelle Kampagne mit Plakaten, Faltblättern und persönlichem Dialog sei zwingend. Ein einheitliches Design mit mit lokalem Bezug (Stadtfarben und -wappen auf den Bussen) rege die Bürger dazu an, sich auf das Neue einzulassen und zu akzeptieren.

„Auf lange Sicht rechnet sich die Umstellung für die Gemeinden und Städte“, sagt Monheim. In die Berechnungen seien die weniger geleisteten Ausgaben für Straßen- und Parkraumausbau ebenso einzubeziehen, wie der Imagegewinn des Ortes und der Region, infolge der besseren Erreichbarkeit. Monheim: „Letzlich ist nichts teurer als schlechter öffentlicher Verkehr.“

Der Mobilitätsbeirat der Stadt Eutin nahm erfreut zur Kenntnis, dass sowohl der Kreis Ostholstein als auch Nah SH Interesse an einer engeren Zusammenarbeit im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs signalisierten. Der Beirat empfahl den städtischen Gremien, sich über die Systematik kommunaler Stadtbussysteme zu informieren und eine Prüfung – durchaus in Zusammenarbeit mit den Nachbarstädten – vorzubereiten.

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