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Milchkrise im Norden: 400 Betriebe geben auf

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Das Höfesterben hat sich angesichts der Niedrigst-Preise in diesem Jahr verdoppelt

Die Landwirtschaftskammer geht davon aus, dass die Milchkrise dieses Jahr in Schleswig-Holstein mindestens 400 Milchviehhalter zum Aufgeben gezwungen hat. „Alles deutet im Vergleich zum Vorjahr auf eine Verdopplung des Strukturwandels hin, in einer Größenordnung von sieben Prozent“, sagte Kammer-Sprecherin Daniela Rixen. Auf 3600 sei die Zahl der Betriebe gesunken, die Mitglied beim Landwirtschaftlichen Kontrollverein (LKV) sind. Ihm gehören fast alle Höfe mit Milcherzeugung an.

400 sei keineswegs die endgültige Zahl der Krisenopfer, kommentiert Kirsten Wosnitza, Landesvorsitzende des Bundes deutscher Milchviehhalter (BDM). Sie rechnet mit einer Welle weiterer Betriebsaufgaben im Frühjahr. Das Wirtschaftsjahr der Landwirte laufe von Mai bis Mai mit der Folge, dass zum Beispiel Pachtverträge oder steuerliche Zahlungen daran geknüpft seien. Deshalb würden sich bis April noch einige existenzbedrohte Höfe weiterhangeln.

Bei der Landwirtschaftskammer ist man nicht ganz so pessimistisch und verweist auf Prognosen leicht steigender Erlöserpreise für das kommende Halbjahr. Dennoch: „Ein Grund zum Jubeln ist das noch lange nicht“, sagt Sprecherin Rixen. „Viele Betriebe müssen jetzt erstmal entstandene Löcher stopfen und Liquiditäts-Darlehen zurückzahlen.“ Auch gebe es keine Garantie, dass es in den nächsten Jahren nicht wieder zu einem Preisverfall komme. „Die globalen Märkte werden entscheiden, wie die Entwicklung weitergeht.“ Selbst bei halbwegs glimpflicher Entwicklung: Die Landwirtschaftskammer rechnet nicht zuletzt wegen eines ohnehin schon lange anhaltenden Betriebsschwunds damit, dass es 2020 weniger als 3000 Milchbauern zwischen Nord- und Ostsee gibt.

Im April 2015 waren Milchquoten abgeschafft worden, im Frühjahr 2016 die Erzeugererlöse auf ein Rekordtief von teils unter 20 Cent pro Liter gefallen. Derzeit liegt der Netto-Milchpreis für schleswig-holsteinische Erzeuger bei 33,3 Cent. Um mindestens kostendeckend produzieren zu können, brauchen die Bauern 40 Cent.

„Es sind einfach zu viele Betriebe, die aufgegeben haben“, sagt Agrarminister Robert Habeck zum Höfesterben. Für dringend nötig hält der Grünen-Politiker bessere Kriseninstrumente für die nächste Milchpreiskrise. „Ein Weiter so wie bisher kann es nicht geben. Das System richtet sich derzeit gegen sich selbst“, urteilt Habeck. Kommentar Seite 19

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erstellt am 29.Dez.2016 | 18:42 Uhr

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