Plön : Migranten suchen neue Kontakte

„Ich möchte gern Kontakt mit Deutschen haben“, Sherin (2. von rechts) aus dem Irak lebt seit zehn Monaten in Deutschland mit ihren Kindern Yuksel, Aysel und Givara (von rechts) und Ehemann Said. Zusammen mit Mechthild (66), die sie in Deutsch unterrichtet, hat Sherin einen arabischen Salat für das Fest zubereitet.
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„Ich möchte gern Kontakt mit Deutschen haben“, Sherin (2. von rechts) aus dem Irak lebt seit zehn Monaten in Deutschland mit ihren Kindern Yuksel, Aysel und Givara (von rechts) und Ehemann Said. Zusammen mit Mechthild (66), die sie in Deutsch unterrichtet, hat Sherin einen arabischen Salat für das Fest zubereitet.

Migranten feierten mit Plönern am Sonnabend das erste interkulturelle Fest mit vielen internationalen Köstlichkeiten, Musik und Tanz

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04. November 2017, 17:57 Uhr

Klebeschildchen gaben Auskunft über Vornamen, das Büfett bog sich vor Köstlichkeiten, Musik und Tanz animierten zu Völkerverständigung. In der Offenen Ganztagsschule im Schiffsthal feierten Deutsche und Bürger mit Migrationshintergrund am Sonnabend das erste interkulturelle Fest.

Organisiert wurde es von der Stadt, evangelischer Kirchengemeinde, Familienbildungsstätte, Förderkreis Integration und Wankendorfer Baugenossenschaft. Die Lütten des Breitenauchores sangen aus vollen Kehlen. Workshops, Spiel- und Bastelangebote luden zum Mitmachen ein.

„Tauschen Sie sich aus, lernen Sie voneinander, treffen Sie sich wieder“, erklärte Bürgermeister Lars Winter bei der Eröffnung. „Es fehlt immer noch an Begegnung, damit die neuen Bürger ihre Sprachkenntnisse auch anwenden können. Über Genüsse kann man Menschen erreichen und darüber ins Gespräch kommen“, schlug Winter mit Blick auf das reichhaltige Büfett vor und lobte das Engagement der vielen ehrenamtlichen Helfer. Die Stadt steuerte eine Käse-Lauch-Suppe bei.

Flüchtlingsbetreuerin Nadima Karimed, weitere Frauen und auch Männer hatten geschnippelt und gekocht, gebacken und angerührt: Tabbouleh (arabischer Salat mit Tomaten, Petersilie, Bulgur, Gurke), Burek mit Schafskäse und Spinat, Falafel, Weinblätter, Kuba (Fleisch mit Zwiebeln aus Aleppo).

„Ich möchte gern Kontakt mit Deutschen haben, aber meine Familie hat noch keinen Kontakt“, erzählte Sherin (38) aus dem Irak, die seit zehn Monaten in Deutschland lebt. Zusammen mit Mechthild (66), die sie in Deutsch unterrichtet, und ihren Kindern Givara (15), den Zwillingen Aysel und Yuksel (beide 7) sowie Ehemann Said (48) – ihr Sohn Shahen (21) Schwerin zugewiesen - bereitete die Irakerin für das Fest eine große Schüssel Tabbouleh zu.

„Wir haben stundenlang alles klitzeklein geschnippelt, von Hand“, schilderte Mechthild mit einem Schmunzeln, wie man auch schon für das Picknick im Park vor einigen Wochen zusammen gekocht habe. Die Plönerin weiß um die Probleme der Neubürger, Kontakte zu knüpfen: „Sie gehen nach dem Sprachkursus nach Hause, und das ist es dann.“

Uschi betreut privat eine Familie mit vier Kindern und einen Arzt aus Syrien. „Es müssten mehr Flüchtlinge hier sein. Die meisten hier werden schon betreut, die anderen nehmen Angebote nicht wahr, weil sie wenig Kontakt haben“, meinte die Plönerin nach einem Blick in die Runde. „Viele Deutsche würden gern, aber wissen nicht wie. Es ist eine Schwelle, die man überschreiten muss.“

Heidi Kofal ist dies gelungen. Die Deutsche aus Plön sang arabisch zur Musik der Gruppe „Nagam“ (syrisch: Melodie). Für handgemachte Musik sorgten Samir Rabah Nser (Trommel), Taha Al Smail (Geige) und sein Sohn Esmail Al Smail (Gitarre) sowie Maaz Zuhayra (Oud/Laute). „Das war der Burner, wir haben über 300 Leute gezählt und sind total begeistert“, zog Elke Springer (Stadtjugendpflege) am Ende Bilanz. Eine Wiederholung sei nicht ausgeschlossen.


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