Eutin : Michael Keller will Eutins Potenziale nutzen

Michael Keller freut sich auf die Herausforderung, Eutin nach vorn zu bringen.
Michael Keller freut sich auf die Herausforderung, Eutin nach vorn zu bringen.

Anderen Städten verhalf er schon zum erfolgreichen Marketing, jetzt wird Eutin wach geküsst.

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12. November 2019, 14:44 Uhr

Eutin | Michael Keller will Eutin aus seinem Dornröschenschlaf wecken. In seinem hellen, aufgeräumten Büro sitzt er derzeit über den Akten der Eutin GmbH – prüft bestehende Verträge und Möglichkeiten – beispielweise die des schnelleren Internets. „Eine 6000er Leitung reicht nicht. Nicht bei dem, was wir hier machen wollen und an Datenmengen bewegen werden“, sagt der 45-Jährige. Zwei Bilder seiner Kinder zieren das Fensterbrett, eine Grünpflanze dazwischen. Auf den Fotos sind sie noch Kinder – heute 19 und 16 Jahre alt. Seine Art von Humor verrät er Besuchern seines Büros im Bild der beleidigten Leberwurst von Ernst Kahl – etwas versteckt neben dem Garderobenständer.

Eutin lockt mit urbanem Leben in unmittelbarer Nähe zur Natur

Eutins neuer Mann für den Tourismus hat viel vor: Eutins authentische Marke finden, passende Veranstaltungsformate und Produkte entwickeln und die Strahlkraft in die Region und darüber hinaus erhöhen.

„Eutin hat ideale Voraussetzungen für den Städtetourismus: Neben der historischen Bausubstanz gibt es einen zentralen Markt, auf dem das urbane Leben spielt und fußläufig ist durch die Landesgartenschau die Verbindung zur Natur gelungen. Binnen fünf Minuten sind die Menschen am Wasser in der Stadtbucht und im Seepark“, sagt Michael Keller, Geschäftsführer der Eutin GmbH. Der Bädertourismus könne da nicht mithalten, alles sei dort nur auf den Strand ausgerichtet.

Sein Ziel ist klar: „In fünf Jahren ist Eutin eine pulsierende Stadt, die liebens- und lebenswert ist für ihre Bewohner und Besucher. Wir konzentrieren uns nicht mehr nur auf die Saison, sondern werden auch Formate für die sogenannte Nebensaison entwickeln und das werden alle in der Stadt spüren.“

Alle müssen an einem Strang ziehen

Die Grenzen zwischen dem City- und dem Tourismusmanagement sind aus seiner Sicht fließend. Deshalb habe es sich in der Vergangenheit andernorts auch bewährt, dass in wichtigen Fragen, alle Entscheider – Politik, Kaufleute, Verwaltung – in Arbeitsgruppen zusammengesetzt und zu einem Thema Entscheidungen getroffen haben. Auch für Eutin sei das wichtig. „Um erfolgreich mit und für eine Stadt zu werben, ist es wichtig, das alle dahinter stehen“, betont Keller. Nicht jede Einzelmeinung kann immer Berücksichtigung finden, der Fokus müsse auf dem gemeinsamen Ziel liegen.

Eutin habe aus seiner Sicht in der Vergangenheit Potenziale verschenkt. Dies soll nun anders werden. Mit der Befragung der Eutiner und Gesprächen mit Institutionen im ersten Quartal 2020 soll deutlich werden, womit die Bewohner und Besucher Eutin assoziieren, was ihnen wichtig ist, was wünschenswert. „Eine Marke oder ein Titel darf nicht beliebig austauschbar sein, sondern einzigartig. Wofür steht Eutin? Das wollen wir herausfinden und daran unsere Marketingstrategie ausrichten“, sagt Keller.

Neumünster bekam erfolgreiche Kösten, Schleswig wurde Wikinger-Stadt. Ziel ist es: Authentisch zu sein

Schleswig ist dank ihm zur Wikinger-Stadt geworden. Neumünster hat das Veranstaltungsportfolio der Holstenköste erweitert um die Weinköste und die jährlich von 15.000 Fachbesuchern nachgefragte Stoffköste. „Manches muss man einfach mutig ausprobieren. Da haben wir mittels Marktanalysen, Nähen und Stoffe waren und sind im Trend, die Vergangenheit von Neumünster aufleben lassen und das Stoffköstenformat entwickelt. Viele waren skeptisch, jetzt ist es ein nicht wegzudenkender Erfolg“, so Keller.

Wichtig ist: Eutin muss nach der Markenfindung authentisch sein, dazu gehöre es, Angebote zu machen, die zur Marke passen – auch bei den verkaufsoffenen Sonntagen. „Wir werden die Menschen in die Stadt holen, den Schritt, die Kunden dann auch fürs Geschäft zu interessieren, ist Aufgabe der Kaufleute.“

Kellers Gutscheinkarte wurde zum preisgekrönten Projekt bundesweit

In Neumünster entwickelte Michael Keller ein bundesweit gelobtes „Best-Practice-Beispiel“ des Stadtmarketings – die Gutscheinkarte. Ob in kulturellen Einrichtungen oder den Geschäften der Stadt – überall können die Neumünsteraner damit zahlen. Die Idee einer gemeinsamen Gutscheinkarte bewegen die Händler mit Herz aus Eutin auch schon eine Weile. Eine Chance? „Wir müssen sehen, ob das Produkt zur Stadt passt. Prinzipiell finde ich die Gutscheinkarte super, weil sie die Kaufkraft an die Stadt bindet und dem Online-Handel zu wider läuft“, sagt Keller.

Das Ergebnis des Markenprozesses erwartet Keller bis Sommer, begleitend dazu werde es professionelle Hilfe von einer Agentur geben, die mit den Ergebnissen der Befragung das Corporate Design entwickelt. „Und wenn wir wissen, was Eutin für eine Marke ist, brauchen wir einen Markenwächter, der auf alles im Blick hat und sagt – passt oder passt nicht“, sagt Keller. Wichtig sei es, authentisch und selbstbewusst aufzutreten als Stadt.

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