Meyers und Mozarts Musik

Einen Abend der Extraklasse boten die Geschwister Meyer mit dem „Quatuor Modigliani“.
Einen Abend der Extraklasse boten die Geschwister Meyer mit dem „Quatuor Modigliani“.

Die Klarinettisten Sabine und Wolfgang Meyer sind mit dem SHMF zu Gast in der Plöner Nikolaikirche

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03. August 2018, 13:31 Uhr

Mozart, Sabine Meyer und das SHMF. Jedes für sich wäre Grund genug, in ein Konzert zu gehen. Alle zusammen durfte man am Donnerstag in der Nikolaikirche in Plön erleben. Sabine Meyer, die diesjährige Portraitkünstlerin des SHMF, präsentierte mit ihrem Bruder, Wolfgang Meyer, auch er ein bekannter Klarinettist, und dem Quatuor Modigliani, einem der meistgefragten Streichquartette der jüngeren Generation, einen kammermusikalischen Abend. Auf dem Programm stand ausschließlich Mozart.

Das Konzert begann mit einem von Mozart nicht vollendeten Quintett für Klarinette, Bassetthorn und Streichtrio. Bassetthörner sind eher selten, werden aber besonders von den Geschwistern Meyer für Originalkompositionen Mozarts gern genommen, weil ihr Klang so eigen ist: dunkel, warm und ein wenig melancholisch. Unterstützt hiervon erhebt sich darüber der helle Klang der Klarinette, leichtfüßig und lebendig und doch mit großer Tiefe, wie Sabine Meyer selbst in ihrem Spiel und Mozart in seiner Komposition.

Das Streichquartett „Dissonanzen“ wurde von den vier Franzosen, dem seit 2003 bestehenden Quatuor Modigliani, hochprofessionell interpretiert. Mozarts Experimentier- und Entdeckerfreude spiegelt sich in diesem Stück in für die damalige Zeit ungewöhnlichen, ganz neuen chromatischen Klängen. Es hätte durchaus auch 150 Jahre später geschrieben werden können. Liedartigkeit, Heiterkeit und Transparenz, immer wieder keck mit harmonischen Reibungen durchsetzt, spielten die Vier, vor allem der Cellist, ganzherzig.

Mit dem Klarinettenquintett A-Dur schließlich verzauberte Sabine Meyer das Publikum und zog es ganz in seinen Bann. Ein Frage- und Antwortspiel, warm fragen die Streicher, hell und klar antwortet die Klarinette, um dann blitzschnell in die Tiefe zu gehen, so dass auch innerhalb des Instruments etwas wie ein Zwiegespräch entsteht. Und das Publikum lauscht nicht nur, es ist geradezu andächtig.

Der ganze Raum ist plötzlich nur Musik. Und dabei vermittelt Sabine Meyer das Vergnügen, die Begeisterung, die Mozart bei der Entdeckung der Klarinette empfunden haben mag durch ihre offensichtliche Freude an diesem Stück.

Auffällig ist die ganz anders aussehende Klarinette, die sie für dieses Stück gewählt hat. Sie ist aus hundert Jahre lang gelagertem Buchsbaumholz gefertigt. Normalerweise werden Klarinetten aus Grenadill hergestellt. „Auch wenn die Hitze eine große Herausforderung für das Instrument ist“, sagt sie, als ob sie von einer Freundin spreche und geht mit keiner Silbe darauf ein, dass auch die Musiker unter diesen Umständen ganz erheblich gefordert waren, „mag ich sie so sehr, weil sie einen so besonderen Schmelz hat.“

Nach diesem Stück wollten die Zuhörer natürlich mehr und so endeten die Musiker mit einer Nachtmusik des dieses Jahr im Mittelpunkt des SHMF stehenden Komponisten Robert Schumann.

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