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Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 10:35 Uhr

Menschen bleiben auf der Strecke

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Heftige Kritik aus Preetz, Plön und Ascheberg gegen die neuen Bahn-Fahrpläne der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft

von
erstellt am 01.Feb.2014 | 00:33 Uhr

In den Gemeinden an der Bahnstrecke zwischen Kiel und Lübeck sollte eigentlich große Freude herrschen. Die Züge sollen nach aufwändigen Gleisbauarbeiten und Modernisierungen der Bahnhöfe in den vergangenen Jahren zwischen den beiden Städten nur noch unter einer Stunde unterwegs sein. Doch die Sache hat einen Haken: einige Züge werden ab 2017 wegen der neuen Taktung die Bahnhöfe in Ascheberg und Preetz nur noch durchfahren. Und in Plön bringen sie Anschlussfahrten mit Bussen völlig durcheinander.

Am Ende wird aus einer um 11 bis 14 Minuten verkürzten Fahrzeit zwischen Kiel und Lübeck mehr Wartezeit auf dem Land, ärgern sich die drei betroffenen Bürgermeister Jens Paustian (Plön), Wolfgang Schneider (Preetz) und Thomas Menzel (Ascheberg) gestern in Plön vor Journalisten. „Die Menschen auf dem Land bleiben auf der Strecke“, sagte Wolfgang Schneider. Alle drei forderten ein sofortiges Einlenken der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft – kurz LVS. Sie ist für die Aufstellung der Fahrpläne verantwortlich.

Probleme gibt es im Knotenpunkt Plön. „Es wird zu deutlich mehr Wartezeiten für die Fahrgäste kommen, die vom Zug in den Bus einsteigen müssen“, sagte Jens Paustian. Zur Vermeidung müsste Plön neue Busse einsetzen, aber dafür sein kein Geld vorhanden. Zwar könnten Plöner jetzt durch die neue Taktung direkt mit dem Zug nach Kiel reisen, doch der Zug halte dazwischen
nirgendwo mehr. So werde leider auch die wichtige Verbindung von Ascheberg nach Plön im Rhythmus einer halben Stunde nicht mehr aufrecht erhalten.

„Früher fuhr ein Zug in jede Richtung und wurde zu einer wichtigen Einrichtung besonders für die Fahrschüler“, sagte Thomas Menzel. Jetzt fahre der Expresszug durch Ascheberg, bringe die Fahrschüler bis nach Plön. Und die müssten dann nach einer Wartezeit mit dem nächsten Zug zurück nach Ascheberg fahren. Der neue Fahrplan scheine in Stein gemeißelt zu sein, denn vielschichtige Kritik aus Ascheberg sei bisher nur verpufft. Menzel: „Der neue Fahrplan geht an den Bedürfnissen der Menschen vorbei.“

Der Preetzer Bürgermeister Wolfgang Schneider blickte neidvoll auf die Diskussion um die Stadtregionabahn und die neuen Möglichkeiten im Nord-Kreis. Doch Preetz brauche einen Halt in Richtung Plön, denn es gebe viele Berufspendler nach Lübeck. Preetz habe dafür extra Pendler-Parkplätze in der Nähe des Bahnhofs gebaut. Schneider: „Wir fordern doch nur, dass die Züge wieder bei uns halten. Mehr nicht.“ Die verlorene Zeit könnte dann auf der Strecke wieder eingeholt werden.

Gesellschaftliche Verhältnisse verlangen mobile Menschen, die auch entfernte Schulen und Arbeitsplätze aufsuchen müssen. Sie sind auf gute Nahverkehrsverbindungen angewiesen und brauchen einen attraktiven Schienenverkehr, sagten die drei Bürgermeister. Sie forderten eine Bereinigung der durch den neuen Fahrplan entstehenden Einschränkungen für den ländlichen Raum. Immerhin sind zwischen Plön und Kiel 100 000 Fahrgäste und zwischen Preetz und Kiel 200 000 Fahrgäste im Jahr unterwegs. Es sind bisher aber nur 100 000 Fahrgäste, die die Verbindung zwischen Kiel und Lübeck nutzen.

In Plön wird übrigens ein Vertreter der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft am kommenden Mittwoch (5. Februar) ab 18 Uhr im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt zu Gast sein, den neuen Fahrplan vorstellen und dazu Rede und Antwort stehen. Die Sitzung des Ausschusses ist laut Tagesordnung öffentlich.

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