zur Navigation springen

Am hellichten Tag : Kupferdiebe decken Kapellendach in Ostholstein ab

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In aller Öffentlichkeit rissen Unbekannte die Metallplatten einer Kapelle in Bielsdorf im Kreis Ostholstein ab – und nutzten für den Abtransport sogar einen Kran. Der Pastor sagt: „Alle sind geschockt und haben gefragt: Wo geht unsere Gesellschaft nur hin?“

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2013 | 00:31 Uhr

Metalldieben ist offenbar nichts mehr heilig: In Bliesdorf (Kreis Ostholstein) haben sie eine Kapelle heimgesucht und fast die Hälfte des Kupferdaches gestohlen.

Die Täter kamen am helllichten Tag – mit einem Kran. „Anwohner haben diesen großen roten Kranwagen am vergangenen Montag zwischen 9 und 11 Uhr gesehen“, erklärt Pastor Torsten Marienhagen und fügt hinzu: „Aber sich nichts dabei gedacht.“ Vermutlich glaubten sie, an der Kapelle aus dem Jahr 1964, die seit 2006 unter Denkmalschutz steht, würden Reparaturen erledigt.

Nun fehlen 100 Quadratmeter Kupferplatten. „Das sind 700 Kilogramm“, sagt Polizeisprecher André Splettstößer. Wert des Kupfers: 3000 Euro.

Bemerkt wurde der dreiste Diebstahl erst am Freitag bei den Vorbereitungen zum Gottesdienst – es hatte in die Kapelle geregnet. Pastor Marienhagen: „Als ich dann aufs Dach geklettert bin, wäre ich beinahe von der Leiter gefallen.“ Die Kupferplatten sind mit einer Flex durchtrennt, dann aus ihrer Verankerung gerissen worden. „Und durch diese Löcher kam das Wasser.“ Die undichten Stellen sind nun provisorisch mit Bitumen verschlossen. Auf dem Schaden wird die Kirche aber wohl sitzenbleiben. „Die Versicherung hat schon gesagt, dass sie bei Diebstahl nicht zahlt“, so der Pastor.

Die Spuren des Kranwagens waren auch gestern noch im Gras vor der markanten weißen Kapelle an der Bundesstraße 501 zu sehen. Der Pastor sagt: „Der Schaden ist weit höher als der Rohstoffwert. Ich habe nachgeschaut, was ein Quadratmeter der Kupferplatten kostet. Es sind 150 Euro, damit würde ein neues Dach 15 000 Euro kosten.“ Wie die kleine Gemeinde mit 2400 Mitgliedern den Schaden beheben soll, ist noch unklar. „Alle sind geschockt und haben gefragt: ,Wo geht unsere Gesellschaft nur hin?‘“

In Schleswig-Holstein sind seit 2007 rund 100 Kirchen von Kupfer-Klauern heimgesucht worden, meist wurden Regenrohre oder Blitzableiter abmontiert. 2011 gab es einen ähnlichen Fall wie in Bliesdorf – in Flensburg wurde das Dach des Vorbaus der St. Petri-Kirche gestohlen. 2011 war auch das Jahr, in dem im Norden so viel Buntmetall geklaut wurde wie nie zuvor. „Über eine Sonderauswertung haben sich unsere Ermittler damals ein Lagebild verschafft“, erklärt Stefan Jung, Sprecher des Landeskriminalamts (LKA). „Die Täter arbeiten in organisierten Teams, nutzen große Fahrzeuge.“ Vielfach sind es Banden aus Osteuropa.

Mit Kupfer lässt sich Geld verdienen. Nach der Finanzkrise hatte sich der Weltmarktpreis verdreifacht. Zuletzt fiel er wieder, doch die Nachfrage aus Asien ist ungebrochen. China als größter Verbraucher der Welt hat dieses Jahr mehr Kupfer importiert als in den 14 Monaten davor. Die Bahn schützt ihre Kupferkabel mittlerweile mit künstlicher DNA, Pastor Marienhagen denkt über eine Überwachungskamera nach.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen