Timmendorfer Strand : „Mein Land wird durchschnitten“

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Der Ausbau der Schienentrasse für die Beltquerung hat zum Teil drastische Auswirkungen für mehr als 100 Landwirte in Ostholstein.

shz.de von
07. Juli 2015, 16:00 Uhr

Die Pläne der Belt-Trasse hat sich Karsten Kühl ausgedruckt und auf ein Brett geheftet. Sein Ackerland hat er sorgfältig farbig markiert. Mitten hindurch verläuft ein schwarzer Strich. Das ist die „optimierte Trasse“ oder wie Kühl sie nennt: „Das kleinere Übel“.

Die geplante Schienen-Hinterlandanbindung der Fehmarnbeltquerung hat wie für Kühl auch für mehr als 100 Landwirte in Ostholstein Auswirkungen. Darüber informierte sich gestern eine Delegation der Landwirtschaftskammer. Erstmals seit 15 Jahren hat diese ihre Kreisbereisung wieder aufgenommen.

„Wir fordern eine bessere Berücksichtigung der Interessen von Landwirten bei Infrastrukturprojekten wie der Bahnanbindung der festen Fehmarnbelt-Querung“, sagte Peter Levsen Johannsen, Geschäftsführer der Kammer. Die Landwirte im Kreis Ostholstein seien nicht generell gegen das volkswirtschaftlich sinnvolle Projekt, so Johannsen. Es müssten jedoch auch die betriebswirtschaftlichen Interessen der Bauern berücksichtigt werden. Durch die neue Bahnlinie werde vielfach wertvolles Ackerland zerschnitten. So auch bei Karsten Kühl: „Die im Raumordnungsverfahren ermittelte Vorzugstrasse hätte etwa 150 meiner 390 Hektar Pacht- und Eigenland durchschnitten“, sagte der Landwirt.

Auf Anregung der Kammer hat die Bahn den Trassenverlauf noch einmal verändert. Zwischen den Orten Ratekau und Pansdorf soll die Bahnlinie jetzt parallel zur A  1 verlaufen. „Diese Variante tangiert zwar immer noch rund 17 Hektar meiner Flächen, aber sie bedeutet für mich einen echten Kompromiss, wenn ich passende Ersatzflächen finde“, sagte Kühl.  In das Planfeststellungsverfahren wolle die Bahn mit der optimierten Trasse gehen, sagte Johannsen.

Problematisch aber bleibt: Teilweise werden auch die Zuwegungen zu den zerschnittenen Flächen unterbrochen. Die Landwirte kommen dann nicht mehr auf ihre Felder – oder nur auf Umwegen. Und die Kammer sieht einen „Run auf das Umgebungsland“ einsetzen – Folge seien weiter steigende Preise für landwirtschaftliche Flächen, so Johannsen. Zumal auch Ausgleichsflächen benötigt werden – das verknappe das Angebot zusätzlich. Und als Entschädigung werde es nicht das Geld geben, was die Ersatzflächen kosten, meinen die Kammer-Experten.

Für Kühl wiederum ist das nur ein Problem. Denn noch nicht berücksichtigt auf seinem Plan sind die Korridore der 380-KV-Ostküstenleitung.

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