Mehr Zeit für die Patienten

Hoffen auf neue Impulse für die Pflegeberufe: Schleswig-Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit (vorn) und Landrätin Stephanie Ladwig.
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Hoffen auf neue Impulse für die Pflegeberufe: Schleswig-Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit (vorn) und Landrätin Stephanie Ladwig.

Ministerin stellt in Plön neues Entbürokratisierungsmodell vor

shz.de von
21. Juli 2015, 10:48 Uhr

Rund ein Viertel der Einwohner des Kreises Plön sind aktuell Senioren. Prognosen gehen davon aus, dass sich dieser Anteil bis zum Jahr 2030 auf 31 Prozent erhöhen wird. „Daher müssen wir uns unbedingt mit dem massiven Mangel an Fachkräften in der Pflege auseinandersetzen“, sagte Landrätin Stephanie Ladwig gestern. Es gelte, die Attraktivität des Pflegeberufes durch Entbürokratisierung zu steigern und den Pflegekräften im Arbeitsalltag mehr Zeit für die Pflege zu geben.

Ein möglicher Ansatz dazu soll das Projekt „Ein-Step“ bieten, das gestern bei einer Veranstaltung der Heimaufsicht des Kreises Plön mit Heimleitungen und Pflegedienstleitungen von Einrichtungen aus dem Kreisgebiet im Plöner Kreishaus vorgestellt wurde. Es soll die Pflegedokumentation entbürokratisieren. Denn Angestellte aus ambulanten und vollstationären Pflegeeinrichtungen beklagen vielfach, dass durch zu umfangreich empfundene Pflegedokumentation wichtige Zeit für die Patienten und Heimbewohner fehlt.

Um für die Einführung von Ein-Step zu werben, hat Schleswig-Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) die Heimleiterrunde besucht und zu dem Modell Stellung genommen: „Entbürokratisierung in der Pflege ist wichtig und eigentlich lange überfällig“, sagte Alheit vor rund 40 Zuhörern. Alle seien sich einig, dass zu viel dokumentiert werde. Es gebe viele Projekte auf dem Markt, das zu ändern. Ein-Step hingegen sei „eine echte Zeitersparnis“, betonte Alheit. Denn wer im Krankenhaus oder Altersheim arbeitet, „möchte pflegen, nicht dokumentieren“, so die Kieler Ministerin. Alheits Ziel: Mindestens 25 Prozent der Einrichtungen im Land sollen Ein-Step einführen. Denn bei allen Vorschriften zur Dokumentation von Tätigkeiten werde oft übersehen, dass der Mensch im Vordergrund stehen müsse, sagte Alheit.

Ein-Step besteht aus vier Elementen, die im Kern darauf fußen, dass das Pflegepersonal nicht laufend für wiederkehrende Tätigkeiten – wie das tägliche Anziehen/Ausziehen – Dokumentationen anfertigen muss. Ein-Step führe zu einem „Paradigmenwechsel in der Dokumentation“ hieß es in einem der Fachvorträge und darüber hinaus zu einer Zeitersparnis im Kreishaus.

Und Ein-Step könne dazu beitragen, „Pflegekräfte in ihren Berufen zu halten beziehungsweise neue Pflegekräfte zu gewinnen“, sagte Stephanie Ladwig angesichts des Fachkräftemangels. Und vor dem Hintergrund, dass „der Pflegeberuf nicht als besonders attraktiv“ gilt.

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