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Ostholsteiner Anzeiger

18. Dezember 2017 | 12:19 Uhr

Mehr Straftaten, mehr Fälle aufgeklärt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Polizei stellt Kriminalstatistik für Ostholstein vor: Flüchtlingswelle macht sich in den Zahlen bemerkbar – Delikte insgesamt jedoch gering

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2017 | 16:09 Uhr

Das vergangene Jahr war von der Flüchtlingswelle bestimmt. Kein Wunder also, wenn sich der Zustrom an Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, auch in der Kriminalstatistik wiederfindet. Doch der Anteil dieser Personengruppe beunruhigt die Polizei nicht. Zu gering sind mitunter die Fallzahlen. Und oftmals finden die Menschen ohne deutschen Pass nur deshalb Eingang in die Statistik, da sie Straftaten begangen haben, die nur von dieser Gruppe begangen werden kann – wie im Fall des unerlaubten Aufenthalts. Hier verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr einen Anstieg von 88,7 Prozent gegenüber 2015. Oder in absoluten Zahlen: 968 in 2016 stehen 513 Fällen einem Jahr zuvor gegenüber. Rund zehn Prozent aller Straftaten in Ostholstein machen Fälle wie unerlaubter Aufenthalt/Einreise aus. „Das verändert somit nicht die Sicherheitslage der Bürger“, sagte Bernd Olbrich, Polizeidirektor der Polizeidirektion Lübeck, die auch für den Kreis Ostholstein zuständig ist.

Die Sicherheitslage sei in der Region weiterhin gut – das zeige sich auch beim langfristigen Blick auf die Zahlen: Die Dienststellen der Schutz- und Kriminalpolizei des Kreises Ostholstein haben im vergangenen Jahr 13  910 Verbrechen und Vergehen statistisch erfasst. 2006 lag diese Zahl noch bei 17  176. Trotz des langfristig gesehenem Abwärtstrends verzeichnete Ostholstein gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme von 367 Straftaten – somit ein Anstieg von drei Prozent (landesweit: 1,9 Prozent). Rechne man die Vergehen wie unerlaubte Einreise und Co. heraus, würde sich jedoch ein Rückgang einstellen, so Olbrich. 6104 Tatverdächtige hat die Polizei im vergangenen Jahr ermittelt – der Anteil nichtdeutscher Menschen lag bei 34,4 Prozent.

Auffällig bei den Straftaten sind Zuwächse im Bereich der Sexualdelikte. Der sexuelle Missbrauch von Kindern schlug mit 33 Fällen im vergangenen Jahr zu Buche. 2015 waren es noch 25 Fälle – ein Zuwachs von 32 Prozent. Um 28 Prozent stieg die Zahl der Vergewaltigungen an (von 18 auf 23 Fälle). Ein Plus gab es auch bei den Rohheitsdelikten wie Raub. „Die Steigerung um 16 Prozent relativiert sich jedoch angesichts niedriger Fallzahlen“, sagte Jochen Berndt, Leiter der Fachinspektion 1 der Polizeidirektion Lübeck. 50 Raubüberfälle im vergangenen Jahr stehen 43 in 2015 gegenüber. Positiv fällt jedoch auf, dass der Handtaschenraub in Ostholstein um 25 Prozent zurückgegangen ist (von vier auf drei); bei „Raub auf Geschäfte“ gab es einen Rückgang um 63 Prozent (von acht auf drei Taten).

Gesunken sind unter anderem auch die Zahl der Diebstähle aus und an Fahrzeugen um 15 Prozent. 715 Fälle im vergangenen Jahr stehen 838 in 2015 gegenüber. Auch Sachbeschädigungen allgemein waren rückläufig (siehe Infokasten).

Generell betont die Polizei, dass langfristig gesehen die Zahl der meisten Delikte abnimmt. „Wir haben viele Rückgänge zu verzeichnen, das ist eine erfreuliche Entwicklung“, sagte Olbrich. Positiv hob die Polizei auch die Aufklärungsquote hervor – diese steigerte sich in Ostholstein geringfügig von 50 auf 52,7 Prozent. Somit liegt sie knapp unter dem Durchschnitt des Landes von 54,5 Prozent. Hier spielen auch die Flüchtlinge und Co. mit hinein, denn bei den Delikten wie „unerlaubter Aufenthalt“ hat die Polizei 100 Prozent der Fälle aufklären können. Nicht verwunderlich, wurden die „Unerlaubten“ doch direkt in den Aufnahmestellen als „unerlaubt“ registriert.

Positiv merkte die Polizei gestern bei der Vorstellung der Statistik an, dass die Aufklärungsquote im Bereich der Wohnungseinbrüche gestiegen ist: von 5,8 auf zehn Prozent. Die Polizei verzeichnete in 2016 exakt 488 Einbrüche; ein Jahr zuvor waren es noch 448. Wie in diesem Bereich setzt die Polizei auch beim Enkeltrick auf Prävention. „Aufklärung ist ein wesentlicher Baustein“, sagte Berndt und lobte die Senioren in der Region: „Die älteren Mitbürger sind wachsamer geworden.“ Dennoch: Insgesamt nahm die Zahl von Betrügereien zu – 1186 Fälle registrierte die Polizei 2015, im vergangenen Jahr waren es 1267 Fälle. Insgesamt ist das ein Zuwachs von sieben Prozent.

Teil der Straftaten ist auch Gewalt gegen Polizisten. 146 Fälle lagen in 2016 vor – 79 Fälle mehr als ein Jahr zuvor. „Diese Entwicklung sehen wir mit Sorge“, sagte Olbrich.

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