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Ostholsteiner Anzeiger

24. November 2017 | 16:14 Uhr

Eutin : Mehr Mut für „Die Wolfsschlucht“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Wo bleibt die Neugier? Die Festspiele beweisen Mut mit ihrer Experimentierfreudigkeit, aber schon vor Aufführung gibt es Kritiker.

shz.de von
erstellt am 14.Jul.2017 | 00:09 Uhr

Als leidenschaftlicher Dirigent wurde Leo Siberski nach der Premiere der Fledermaus am vergangenen Wochenende sehr gelobt. Doch neben all den guten, wohlwollenden Tönen erreichen auch seine Ohren immer wieder kritische Stimmen zum Mut der Festspiele, das Crossover-Projekt „Die Wolfsschlucht“ auf die Bühne zu bringen. „Ich verstehe Menschen nicht, die etwas nicht kennen, es aber pauschal aburteilen. Wo bleibt da die Neugier?“, sagt Leo Siberski.

Theater erschaffe sich immer wieder neu und die Eutiner Festspiele haben sich entschieden, jedes Jahr etwas mit dem Freischütz zu machen, einfach weil er dazu gehöre. „Wiederaufnahmen funktionieren in Eutin nicht, das haben wir mit dem Vogelhändler im letzten Jahr gesehen. Da bleiben nur noch neue Produktion und Experimentierfreudigkeit“, so Siberski, der gleichzeitig Produzent des Crossover-Projektes ist.

„Wir wollen Menschen, die sonst eher nicht mit den Festspielen in Berührung gekommen sind, mit einem neuen Format für das, was wir hier schaffen und leisten, interessieren.“ Über die Themen Mystik, Liebe, Eifersucht und Glauben – denn um all die geht es auch im Meisterwerk „Der Freischütz“ – soll auch der Nicht-Operngänger erfahren, „wie genial eigentlich diese Musik ist und bestenfalls gelockt werden, den Freischütz im Original anzuschauen“, sagt Siberski. „Die Wolfsschlucht“ werde am 12.August auch zu 60 Prozent aus Teilen des originalen Freischütz bestehen und das unverändert. „Doch wir haben für diese Neuerzählung angefangen, Dinge zu hinterfragen. Beispielsweise hat Caspar bei uns eine Vorgeschichte, die wir auch erzählen." Es gibt außerdem ein neues Duett zwischen Agathe und Max. „Auch das kommt im Original nicht vor“, verrät Siberski. Insgesamt drei eigens für „Die Wolfsschlucht“ komponierte Songs und neue Dialoge, die mit Klanginstallationen untermalt sind, verfasste und produzierte Siberski mit seinem Kollegen Peer Baierlein, Komponist aus Hamburg. „Was die eigentliche Wolfsschlucht – Szene angeht“, so Siberski, „bauen wir auf die feurige Inszenierung vom Vorjahr auf. Die Kernelemente der Geschichte werden szenisch umgesetzt. Es ist aber bühnenmäßig keine vollwertige Aufführung, das ist bei einer Produktion, die nur einmal auf dem Spielplan steht, gar nicht zu realisieren.“

Eutin habe es schwer sich zu behaupten – zwischen Schwerin und Kiel gelegen, deren Sommer-Opern immer auch Häuser mit öffentlich gefördertem Etat und Hunderten von festangestellten Mitarbeitern im Hintergrund haben. „Und diese kommen ohne Mikrofone nicht aus. Das einzigartige in Eutin aber ist die Naturkulisse und der nicht verstärkte Live-Auftritt der Sängerdarsteller. Nur so ist der Operneffekt eigentlich erlebbar“, betont Siberski. Die Oper im Kino oder via Public-Viewing könne nie das echte Opernerlebnis ersetzen, „das ist eher eine Döner-Oper“, sagt Siberski. In Eutin lobt der Dirigent und Produzent dagegen die Qualität und Leistung der Sänger, die so singen müssen, dass sie wie im Opernhaus über dem Orchester hörbar sind – „so unplugged gibt es das nur hier auf dem grünen Hügel, weder in Schwerin noch in Kiel“. Deshalb sei es umso bedauerlicher, „dass gerade Eutin im Vergleich zu anderen Kulturinstitutionen, die ich kenne – und das sind nicht wenige – so massiver inhaltlicher Kritik aus dem Eutiner Umfeld ausgesetzt ist“. Zum Beispiel sei die Kritik von einst Aktiven bei den Festspielen, die ja ihre Chance gehabt haben, oft einfach nur unwürdig, so Siberski.

„Auf dem Rücken der Festspiele werden auch Themen ausgetragen, die inhaltlich gar nichts mit der Qualität und der Arbeit, die wir zeigen, zu tun haben. Das ist einfach nur schade“, sagt Siberski.

Geschäftsführerin Sabine Kuhnert ist von dem, was sie bis jetzt von der Wolfsschlucht zu hören bekam, begeistert: „Wer nicht kommt, um dieses einmalige Werk zu hören, der tut mir leid.“ Die Festspiele seien ein Kulturunternehmen, das je zur Hälfte die Kultur und das Unternehmerische im Blick haben müsse. Nur mit der musealen Darstellung von Meisterwerken der Vergangenheit, können weder Theater noch Festspiele sicher in die Zukunft schauen. Dazu brauche es neue Wege, neue Produktionen und neue Gäste.


Trailer für „Die Wolfsschlucht“: Auf Youtube unter „Eutiner Festspiele
Die Wolfsschlucht“ (youtube.com/ watch?v=_jzWm51vOC4) oder als Link auf der Facebookseite der Eutiner Festspiele. Karten für die Wolfsschlucht am 12. August um 20 Uhr gibt es unter www.eutiner-festspiele. de oder der Kartenzentrale, Telefon 04521/80010. Für Schüler gibt es außerdem das Angebot 3 für 2: Zwei Karten bezahlen und drei bekommen.

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