Mehr Licht gegen Schulvandalen

Das Weber-Gymnasium würde das Schild „öffentlicher Spielplatz“ lieber abschrauben, um Hausrecht gegen ungebetene Gäste ausüben zu können.
Das Weber-Gymnasium würde das Schild „öffentlicher Spielplatz“ lieber abschrauben, um Hausrecht gegen ungebetene Gäste ausüben zu können.

Carl-Maria-von-Weber-Gymnasium: Schulhof soll nicht länger Partymeile für Jugendliche aus der Stadt sein

shz.de von
08. November 2018, 20:34 Uhr

Zerstörter Tischkicker, angekokeltes Papier als Zeichen von Zündeleien und zahlreiche Scherben und Flaschen als Überbleibsel des vergangenen Gelages im Dämmerlicht. Iris Portius, Leiterin des Carl-Maria-von-Weber-Gymnasiums, schilderte eindrücklich, das „ihr“ Schulhof „mehr oder weniger“ zur Partymeile für Jugendliche aus der Stadt verkomme. „Es wird da getrunken und teilweise übernachtet und unser Hausmeister hat in den Sommermonaten morgens als erstes damit zu tun in großem Maß Müll, Flaschen und Scherben aufzuräumen. Das geht so nicht.“

Seit 2016 gehen die Vandalismusschäden, die laut Portius nur in sehr geringem Maße von den eigenen Schülern verursacht werden, vom vierstelligen in den fünfstelligen Bereich. Auf dem Schulhof seien teils von der Stadt, teils eigene Spielgeräte dank Spenden angeschafft worden. Einer der beiden in Beton gegossenen Tischkicker sei nun aber zerstört worden. „Ich frage mich wirklich, wie man so etwas machen kann“, schilderte sie dem Schulausschuss fassungslos. Aus Portius’ Sicht ist das größte Problem die öffentliche Zugänglichkeit: „Unser Schulhof ist sehr zentral und von allen Seiten zugänglich. Schule ist kein geschlossener Raum, aber ich möchte Sie bitten, uns aus dem öffentlichen Spielplatzprogramm herauszunehmen“, sagte Portius. Es sei in der Schule auch schon eingebrochen worden. Sie wisse, dass eine Videoüberwachung eine heikle Angelegenheit sei, aber wenn das Spielplatzschild abgenommen sei und der Schulhof kein öffentlicher Ort mehr, könne das Hausrecht von der Schule anders ausgeübt werden. „Es ist doch auch ihr Stadtvermögen und die Arbeit unserer Schulgemeinschaft, die da vernichtet wird“, mahnte Portius. Nur eine Beleuchtung per Bewegungsmelder allein, wie von der Verwaltung in der Vorlage vorgeschlagen, löse das Problem nicht vollends, so die Überzeugung der Schulleiterin. Sie sei deshalb auch gern bereit, aus dem Budget eine Summe für das Engagement eines Wachdienstes zur Verfügung zu stellen. „Wenn der überraschend und unregelmäßig kommt, hat das auch einen Effekt, da bin ich sicher“, sagte Portius. Die Polizei unterstütze sie zwar auch so gut es geht, „aber sie wissen doch selber, wie die Wache hier besetzt ist“. Ihr widerstrebe es auch, die Schule nicht mehr öffentlich zugänglich zu machen für Familien als Spielplatz, „aber offensichtlich kann die Öffentlichkeit nicht mit diesem Angebot umgehen“. Auch sei die Sauferei unsäglich und passe so gar nicht zum landesweiten Programm „alkoholfreie Schule“. Portius: „Ich möchte das gern von der Schule fernhalten, das macht ja etwas mit Kindern, wenn sie das regelmäßig auf ihrem Schulhof sehen“, betonte Portius.

Martin Klehs, zuständiger Fachbereichsleiter, begrüßte den Vorschlag des Budget-Angebots, um den Wachdienst zusätzlich zu den bisherigen Zeiten zu ordern. Aber: „Uns liegt viel an guten Angeboten für Familien im Zentrum und deshalb sind wir nicht bereit, den Spielplatz vollumfänglich rauszunehmen und dicht zu machen.“ Er verspreche sich auch von der Beleuchtung viel, so sei am Jugendzentrum im Hinterhof ein ähnliches Problem gelöst worden.

Weil aus dem Besucherraum tönte „bei uns ist das genauso“ gab es schließlich den Vorschlag, im sowieso geplanten Gespräch zwischen Schulleitern und Fachdienst das Thema näher zu erörtern und ein Konzept zu erarbeiten. „Mir liegt wirklich viel daran, dass ich bis spätestens März oder April ein Konzept habe und weiß, was wir tun können. In der kalten Jahreszeit haben wir vermutlich erst einmal etwas mehr Ruhe“, sagte Portius.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen