"Mehr Chancen als Risiken"

Vertreter der Projektstädte, darunter der Eutiner Bürgermeister (2. von links), sprachen in Berlin über wünschenswerte Diversität.
Vertreter der Projektstädte, darunter der Eutiner Bürgermeister (2. von links), sprachen in Berlin über wünschenswerte Diversität.

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12. März 2011, 08:31 Uhr

Eutin / Berlin | Wenn Städte bewusst um Bürger werben, die ursprünglich aus dem Ausland kommen, birgt das für sie mehr Chancen als Risiken. In dieser Einschätzung waren sich Vertreter der sechs Städte, die an dem Projekt "Diverse City" beteiligt sind, einig - darunter Eutins Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz.

In der Fachkonferenz "Perspektive Vielfalt - Auf dem Weg zu einer mittelstädtischen Diversitätspolitik", die vom Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) als Projektträger in Berlin in der schleswig-holsteinsichen Landesvertretung organisiert worden war, vertrat Schulz die Überzeugung, dass mit mehr Vielfalt den Herausforderungen einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft entgegengewirkt werden könne. das gelte besonders für den ländlichen Raum.

"Wir brauchen den Zuzug im Rahmen der demographischen Entwicklung", betonte Schulz. Dabei sei das Thema ein "permanenter Prozess", bei dem die Wirtschaft bereits mit im Boot sitze. Nun gehe es darum, in diesem Prozess auch die Politik mitzunehmen.

Das CJD Eutin-Hamburg hatte die Tagung organisiert, in der über die Chancen von Zuwanderung in Kleinstädten diskutiert wurde. "Kleinstädte haben oft nicht die Ressourcen für umfangreiche Integrationskonzepte, aber auch dort leben Migranten", unterstrich Annelies Wiesner, Leiterin des CJD Eutin-Hamburg und Bundestutorin für den Fachbereich Migration/Integration des CJD. Etwa ein Drittel der jungen Menschen in Deutschland hätten einen Migrationshintergrund. Ihre Potentiale müssten erkannt und gefördert werden, betonte Wiesner.

Beim Projekt "Diverse City", das seit Januar 2009 läuft, würden daher die sechs Pilotstädte Eutin, Parsberg, Pirna, Überlingen, Uelzen und Versmold aus sechs Bundesländern langfristige Strategien zu diesem Thema entwickeln. Wiesner: "Die zentrale Rolle nehmen hierbei die Bürgermeister ein, wir, das CJD, haben eine moderierende und beratende Funktion."

Dr. Hans Dietrich von Loeffelholz vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge beleuchtete in einem Referat wirtschaftliche Aspekte der Diversität. Von der demografischen Entwicklung und dem dabei absehbaren Fachkräftemangel würden vor allem kleine und mittlere Unternehmen betroffen sein.

Studien legten nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen lokalem Ausländeranteil und Arbeitslosigkeit gebe: "Mit zunehmender Diversität steigt die Wirtschaftskraft der Kommunen." Auf dem Podium herrschte Einigkeit, dass das CJD-Projekt erst der Anfang gewesen sein könne und der Prozess nicht bei den sechs Städten stehen bleiben dürfe. Thorsten Klute, Bürgermeister von Versmold, betonte, dass es für die Integration keine Gebrauchsanweisung geben könne. Es müsse aber in das Bewusstsein von allen gelangen, dass Migration eine Chance sei.

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